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Ernst Wolf

Stolperstein für Ernst Wolf. Foto: OTFW.
LOCATION
Karl-Marx-Straße 175

DISTRICT
Neukölln – Neukölln
STONE WAS LAID
10/27/2010

BORN
10/21/1897 in Hostedde (Westfalen)
DEPORTATION
on the 14th of November 1941 to Minsk
MURDERED
in Minsk

Ernst Wolf kam am 31. Oktober 1897 als Sohn des Metzgermeisters Hermann Wolf (1870–1941) und seiner Ehefrau Jenni, geborene Cohn (1871–1937) in Hostedde zur Welt, damals eine ländliche Gemeinde in der Nähe von Dortmund im Ruhrgebiet.

1923 wurde Hostedde Teil der Gemeinde Derne, 1928 kam es mit Derne zu Dortmund und ist heute Teil der Großstadt Dortmund. Dasselbe gilt für die beiden anderen Gemeinden, in denen die Mitglieder der großen Familie Wolf geboren wurden und/oder lebten: Wickede und Husen. – Der Namenswechsel führt in den Gedenkbüchern und Texten zu einiger Verwirrung. So steht dann bei den Daten zum Stolperstein für Ernst Wolf „Herne“ statt „Derne“ – das zudem 1897 noch „Hostedde“ hieß.

Die Familie Wolf gehörte zu den sogenannten Landjuden, die als Händler auf den Dörfern, in den kleinen Städten der Provinz und später auch am Stadtrand der Großstädte lebten. Zu einem großen Teil waren sie Viehhändler und Metzger – so auch der Vater und der Großvater von Ernst Wolf. Die Familien waren groß: Ernst Wolf hatte väterlicherseits allein vier Tanten und zwei Onkel. Die ebenfalls sehr große Familie der Mutter lebte in Warstein im nahen Sauerland.

Zum Zeitpunkt der Geburt von Ernst Wolf wohnte die Familie im eigenen Haus in Hostedde, die Großeltern Wolf lebten im nahen Husen. Ernst war der älteste Sohn der Familie, 1899 wurde sein Bruder Paul geboren und 1901 der Bruder Kurt. Ernst Wolf und sein Bruder Paul wurden Kaufleute. Kurt Wolf wurde Metzgermeister wie der Vater. Er heiratete seine Cousine Lotte (Charlotte Josefine) Ruhr. Das Paar konnte emigrieren, Kurt Wolf ist 1958 in den USA gestorben. Der ledig gebliebene Paul zog nach Duisburg.
Ernst Wolf wohnte weiterhin in Dortmund. Er arbeitete als Vertreter. In den 1930er Jahren besaß er dieselbe Anschrift wie sein Vater Hermann Wolf: Altenderner Straße 59. Er war bis dahin ledig geblieben, hatte aber wohl ein 1936 geborenes und von ihm anerkanntes Kind.
Am 1. Oktober 1937 starb seine Mutter Jenni Wolf in Dortmund. Der Kaufmann Walter Katzenstein, ein Vetter von Ernst Wolf, zeigte ihren Tod beim Standesamt an.
Ernst Wolf zog wie sein Vater und sein Bruder Paul Ende der 1930er Jahre nach Berlin in die Bergstraße 132 (heute: Karl-Marx-Straße 175). Wann genau, bleibt unklar – wahrscheinlich schon vor seinem Vater im Jahr 1937. Als Vertreter konnte er nun nicht mehr arbeiten.
In Berlin heiratete Ernst Wolf im September 1940 die 1910 in Dortmund geborene und in Berlin-Schöneberg wohnende Charlotte Wolf. Sie könnte eine Cousine gewesen sein.
Am 14. November 1941 wurde Ernst Wolf gemeinsam mit seiner Ehefrau Charlotte und seinem Vater Hermann Wolf und mit Julie Wolf, geborene Goldschmidt, nach Minsk deportiert. Sie alle kehrten nicht zurück.
Julie Goldschmidt, geboren 1973 in Netra/Hessen, wird auch als Ehefrau von Hermann Wolf erwähnt, die mit Schwiegertochter Charlotte in der Bayreuther Straße 45 in Berlin-Schöneberg lebte. Es gab auch eine Julie Wolf in Dortmund, Ehefrau/Witwe von Bernard Wolf? – Die beiden Frauen könnten auch Mutter und Tochter gewesen sein.
Der Bruder Paul blieb in Berlin. Am 29. Januar 1943 wurde er mit dem „27. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert. Auf der Transportliste als „arbeitsfähig“ notiert und daher nicht sofort ermordet, kam er am 15. Februar 1943 in Auschwitz um.


Biographical Compilation

Dietlinde Peters

Additional Sources

Adressbuch von Dortmund
Adressbuch für den Landkreis Dortmund 1900
Stadtarchiv Dortmund
HU Berlin, Projekt Berlin–Minsk, 2013
Museum Neukölln