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Fanny Feibusch (born Alkus)

Stolperstein für Fanny Feibusch. Fotorechte: D. Janke.
LOCATION
Otto-Nagel-Str. 38

DISTRICT
Marzahn-Hellersdorf – Biesdorf
STONE WAS LAID
06/18/2003

BORN
1879 in Rogasen (Posen) / Rogoźno
OCCUPATION
Schneiderin
ESCAPE
1939 nach England
SURVIVED

Fanny Alkus kam am 6. November 1879 in Rogasen (polnisch: Rogoźno) in der damaligen preußischen Provinz Posen zur Welt. Dort wuchs sie mit zwei älteren Schwestern und zwei jüngeren Brüdern auf. Als sie etwa zwölf Jahre alt war, starb ihre Mutter Minna.

In Rogasen besuchte sie acht Jahre lang die Elementarschule und lernte anschließend das Schneiderhandwerk. Ihre zwei Jahre ältere Schwester Rosa führte eine Damenschneiderei, in die Fanny Alkus mit einstieg. Zwanzig Jahre lang – von 1900 bis 1920 – betrieben die Schwestern das Geschäft gemeinsam. Während dieser Zeit starben ihr Vater Isidor (Itzig) und der jüngste Bruder Bernhard, der 1915 mit 27 Jahren als Soldat im Ersten Weltkrieg umkam.

Im September 1920 heiratete sie den ebenfalls aus Rogasen stammenden, fünf Jahre jüngeren Klempnermeister Philipp Feibusch. Kurz nach der Hochzeit zogen sie nach Berlin, wie viele andere Deutsche, die nach der Wiedergründung des Staates Polen auf polnischem Territorium lebten. Sie bezogen eine Wohnung in Biesdorf, wo damals viel gebaut wurde und sich noch weitere neu Zugezogene aus Rogasen niederließen.

Ihr Ehemann betrieb eine Klempnerwerkstatt sowie einen Laden für Eisenwaren, Haus- und Küchengeräte. Fanny Feibusch führte das Geschäft, das sich im Erdgeschoss ihres Wohnhauses in der Königstraße 38 (heute Otto-Nagel-Straße) befand. Im Januar 1923 brachte sie mit 43 Jahren ihr einziges Kind Margot Edith zur Welt.

Auch Fanny Feibuschs Geschwister Sara (verheiratete Schott), Rosa und Max waren nach Berlin gegangen. Ihr Bruder Max besaß ab 1929 ein Geschäft für Weißwaren, zunächst in Oberschöneweide, später in der Lichtenberger Gürtelstraße, das er zusammen mit der zweitältesten Schwester Rosa betrieb. Beide waren unverheiratet und lebten in einem gemeinsamen Haushalt in Lichtenberg. Zuletzt wohnten sie in der Köpenicker Straße 111.

Im Juni 1938, als es in ganz Berlin Angriffe von Nationalsozialisten auf jüdische Geschäfte gab, wurde mit roter Farbe „JUDEN RAUS“ an den Laden der Feibuschs geschmiert. Am selben Abend wurde die Familie von einer Horde junger Männer überfallen, die vermutlich der Hitlerjugend angehörten. Fanny und Philipp Feibusch sowie ihre damals 15-jährige Tochter wurden mit Gewalt aus der Wohnung geholt und durch die Straße getrieben. Wenige Monate nach dem Überfall gaben die Feibuschs das Geschäft auf und zogen in die Turmstraße 76a nach Moabit, wo sie bei einer jüdischen Familie zur Untermiete lebten.

Im März 1939 gelang ihnen mit Hilfe von in den USA lebenden Verwandten die Auswanderung nach England. Dort durften Fanny Feibusch und ihr Mann nicht arbeiten, da sie nur Touristenvisa besaßen. Ihren Plan, in die USA weiterzureisen, konnten sie erst viel später umsetzen.

Im Juni 1940 wurde Fanny Feibusch zusammen mit ihrem Mann als „feindliche Ausländerin“ auf der Isle of Man interniert. Fünf Monate später wurde sie wegen ihres Asthmaleidens entlassen, hatte aber nach wie vor keine Erlaubnis, einer regulären Arbeit nachzugehen. Durch Heimarbeit verdiente sie einen kargen Lohn. Nach etwa einem Jahr kam auch ihr Mann Philipp aus dem Internierungslager frei. Die nächsten Jahre lebten sie in London, bis sie 1948 endlich die Einreisevisa für die USA bekamen und zusammen mit ihrer Tochter im Oktober ein Schiff nach New York bestiegen. Von dort fuhren sie mit dem Zug weiter nach San Francisco, wo sie den Rest ihres Lebens verbrachten.

Fanny Feibuschs Geschwister haben den Nationalsozialismus nicht überlebt. Die älteste Schwester Sara starb 1939 im Alter von 66 Jahren in Berlin. Rosa Alkus wurde am 3. Oktober 1942 nach Reval deportiert, Max Alkus am 1. März 1943 nach Auschwitz. Beide wurden ermordet.

Fanny Feibusch starb am 29. Juli 1967 mit 87 Jahren in San Francisco.


Biographical Compilation

Julia Chaker

Additional Sources

Margot E. Braun: Sie holten uns mit Gewalt aus der Wohnung, in: Thea Koberstein/Norbert Stein: Juden in Lichtenberg mit den früheren Ortsteilen in Friedrichshain, Hellersdorf und Marzahn, hg. vom Kulturbund e.V., Berlin 1995, S. 355f.