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Alex Deutsch

Stolpersteine für Philipp, Siegbert, Luise und Hertha Cohn und für Alex, Thea und Denny Deutsch und für Selma Silberstein © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
LOCATION
Blücherstr. 61 b

DISTRICT
Friedrichshain-Kreuzberg – Kreuzberg

BORN
08/07/1913 in Berlin
OCCUPATION
Bäcker
DEPORTATION
on the 3rd of March 1943 to Auschwitz
LATER DEPORTED
on the 26th of January 1945 to Buchenwald
SURVIVED

Alexander („Alex“) Deutsch kam am 7. August 1913 in Berlin als jüngster Sohn von Joseph Deutsch und seiner Frau Rosalie, geb. Hahn, zur Welt. Er hatte sieben ältere Geschwister: Die drei ältesten Ilona (*1902), Bela (*1904) und Zoltan (*1905), wurden in Budapest geboren, Therese (*1907), Hermann (*1908), Ignatz (*1910), Moritz (*1911) in Berlin. Vater Joseph war Schneidermeister und fertigte Theaterkostüme. Die Familie lebte beengt und zog häufig um. Joseph Deutsch nahm als Soldat am Ersten Weltkrieg teil und wurde so schwer verwundet, dass er in der Folge zum Pflegefall wurde. Als der Vater 1922 starb, war das für die Familie, insbesondere aber für den neunjährigen Sohn Alexander ein schwerwiegender Einschnitt. Die teilweise gelähmte Mutter musste ihre beiden jüngsten Söhne Moritz und Alex 1923 ins Waisenhaus geben. Beide Jungen waren im Waisenhaus der Jüdischen Gemeinde in der Berliner Straße 120/121 in Berlin-Pankow untergebracht und konnten nur an Sonntagen ihre Mutter und die Geschwister besuchen. Bis zum 14. Lebensjahr besuchte Alex Deutsch die Volksschule, danach absolvierte er ab 1928 eine Lehre zum Bäcker und Konditor in der Bäckerei Alfred Drexler in Berlin-Friedrichshain. Anschließend war er in einer Bäckerei in der Dresdener Straße beschäftigt. Zu diesem Zeitpunkt zog er wieder bei seiner Mutter ein. Von 1932 bis 1935 arbeitete er als Bäcker in einer Lebensmittelgroßhandlung in der Alexanderstraße in Berlin-Mitte. Als es Juden untersagt wurde, mit Lebensmitteln zu arbeiten, konnte er seinen Beruf nicht mehr ausüben; die Berufsbezeichnung „Bäckergeselle“ wurde aus seiner Steuerkarte gestrichen. Er war danach als Hilfsarbeiter für verschiedene Firmen tätig, von 1937 bis 1939 führte er als Bauarbeiter Abrissarbeiten an der Wilhelmstraße durch. war dies im Privaten anders.
Am 29. Juni 1938 heiratete Alex Deutsch die gleichaltrige, aus Czempin stammende Thea Cohn. Beide hatten sich in der Auswandererhilfe kennengelernt, wo sich Alex schon seit 1933 engagierte. Das Paar zog 1940 bei den Theas Eltern, Philipp und Luise Cohn, in die damalige Urbanstraße 188 in Berlin Kreuzberg ein. Dort wurde am 12. Oktober 1940 ihr Sohn Dennis geboren. Zu diesem Zeitpunkt waren bereits fast alle Geschwister von Alex Deutsch und seine Mutter ausgewandert: Bela war bereits 1923 in die USA emigriert, Ilona 1934 nach Russland. Die Brüder Ignatz und Moritz wanderten 1935 und 1936 in die USA aus. Alexander Deutsch selbst hatte 1938 gemeinsam mit seiner Mutter, seinem Bruder Hermann und dessen Frau einen Ausreiseantrag für die USA gestellt, seinen sicheren Ausreiseplatz trat er jedoch an den gerade geborenen Sohn seines Bruders Hermann ab. Seine in „Mischehe“ verheiratete Schwester Therese lebte, abgesichert durch ihren „arischen“ Ehemann, zusammen mit ihren Kindern in Ostpreußen.
Von 1939 an arbeitete Alexander Deutsch nach dem Scheitern seiner Auswanderungsbemühungen für die Kohlehandlung Ludwig in der Bülowstraße in Berlin-Schöneberg. Am 27. Februar 1943 wurde er, wie viele in Zwangsarbeit beschäftigte Juden, im Rahmen der „Fabrikaktion“ an seinem Arbeitsplatz verhaftet und wenige Tage später, am 3. März 1943, mit dem „33. Osttransport“ nach Auschwitz deportiert. Knapp ein Jahr zuvor war sein Bruder Zoltan am 2. April 1942 aus seiner Wohnung in Berlin-Mitte abgeholt und ins Warschauer Ghetto deportiert worden. Seine Schwiegereltern Philipp und Luise Cohn, seine Schwägerin Hertha Cohn und sein Schwager Siegbert Cohn waren am 29. November 1942 aus der auch von ihm und seiner Familie bewohnten Wohnung in der Urbanstraße 188 abgeholt und anschließend nach Auschwitz deportiert worden. Zwei Tage vor ihm, am 1. März 1943, wurde auch die Tante seiner Frau Selma Silberstein deportiert. Alle diese Familienmitglieder überlebten nicht. Nach 14 Tagen in Auschwitz erfuhr Alexander Deutsch, dass seine Frau Thea und sein Sohn Dennis mit dem „32. Osttransport“ am 2. März 1943 – also einen Tag vor ihm selbst – ebenfalls aus der Wohnung abgeholt und nach Auschwitz deportiert worden waren. Sie wurden am Tag ihrer Ankunft im Lager ermordet.
Alex Deutsch war als Häftling in Auschwitz Monowitz mit der Häftlingsnummer 105613 registriert. Er musste Zwangsarbeit leisten: Gräben ausheben und Güterwaggons entladen. Am 18. Januar 1945 wurde er mit anderen Häftlingen auf einen „Todesmarsch“ nach Gleiwitz geschickt und von dort per Zug in das Konzentrationslager Buchenwald gebracht. In Buchenwald erhielt er am 26. Januar 1945 die Häftlingsnummer 121646. Mitte Februar 1945 kam Alexander Deutsch ins Außenkommando Halberstadt-Zwieberge und am 19. März 1945 ins Unterkommando Magdeburg, wo er im April 1945 von der amerikanischen Armee befreit wurde. Über die Stationen Luxemburg, Belgien und Frankreich gelangte er im Juni 1946 in die USA. 1948 heiratete er dort seine zweite Ehefrau Dvora Spiller (1909 bis 1977) und adoptierte 1954 den am 29. April 1951 geborenen Dennis (verstorben 9. Juli 2017). Er arbeitete als Bäcker und betrieb ab 1948 selbstständig einen Supermarkt. 1973 kehrte er erstmals wieder in seine Heimatstadt Berlin und 1978 dauerhaft nach Deutschland zurück. Fünf Jahre nach dem Tod seiner zweiten Ehefrau heiratete Alexander Deutsch 1983 dort die Witwe Doris Loeb. Sie war die erste Ehefrau eines Mitgefangen aus Auschwitz. Mit ihr gemeinsam gründete er 2010 die Alex Deutsch Stiftung im Saarland. Für seine Aufklärungsarbeit über den Nationalsozialismus erhielt er unter anderem 2007 das Bundesverdienstkreuz erster Klasse. Am 9. Februar 2011 starb Alexander Deutsch im Alter von 97 Jahren in Neunkirchen-Wiebelskirchen im Saarland.


Biographical Compilation

Silke Struck, Recherchen: Marcus Gryglewski

Additional Sources

www.alex-deutsch-stiftung.de;
Ancestry;
Deutsch, Alex, Becker, Bernhard (Hrsg.); Ich habe Auschwitz überlebt, Homburg 2001.