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Felix Auerbach

Foto: Initiative Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf
LOCATION
Helmstedter Str. 24

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
STONE WAS LAID
10/13/2009

BORN
01/30/1889 in Gollantsch (Posen) / Gołańcz
OCCUPATION
Rechtsanwalt
DEPORTATION
on the 11th of July 1942 to Auschwitz
MURDERED
in Auschwitz

Felix Auerbach wurde am 30. Januar 1889 als Sohn des Rabbiners Menachim Mannheim Auerbach (1848–1937) und dessen Ehefrau Mally, geb. Mintz (1859–1926) in Gollantsch (heute Gołańcz/Polen) geboren, einem Ort südwestlich von Bromberg (Bydgoszcz) in der Provinz Posen. Er stammte aus einer alten Rabbinerfamilie. Der Beruf zwang die Familien, immer wieder den Wohnort zu wechseln. In Konin an der Warthe (damals in Russisch-Polen), in Lissa (Leszno/Polen) und Rawitsch (Rawicz/Polen) im Gebiet an der Grenze zwischen den preußischen Provinzen Posen und Schlesien waren die Väter Rabbiner, wurden die Kinder geboren oder wuchsen dort auf.
Felix Auerbach hatte sechs Geschwister, vier Brüder und zwei Schwestern. Die drei älteren Geschwister waren in Konin auf die Welt gekommen: Heimann 1880, Jakob 1882 und die Schwester Helene 1884. Die drei jüngeren Geschwister wurden in Rawitsch geboren, wo der Vater Rabbiner geworden war: Max 1890, Lucie 1895 und Leo im Jahr 1900. Allein der älteste Bruder Heimann setzte die Familientradition fort und wurde Rabbiner. Die anderen Brüder wurden Anwälte.
Auch Felix Auerbach studierte Jura und ließ sich als Rechtsanwalt in Berlin nieder. Anfangs war seine Kanzlei in der Turmstraße in Berlin-Moabit. Als lediger Mann wohnte er in Moabit und im Bezirk Kreuzberg. Eine Zeit lang lebten sein Bruder Leo als Student und seine unverheiratete Schwester Lucie bei ihm.
Seit Mitte der 1920er-Jahre befand sich seine Kanzlei in der Beuthstraße 14 in Berlin-Mitte. Sein Sozius war Dr. Erich Loewe (1889–1981). Mit ihm und später auch mit dessen Ehefrau Edith Loewe sollte er bis 1933 zusammenarbeiten.
Am 12. April 1927 heiratete Felix Auerbach Lisbeth Adler, geboren am 4. Dezember 1899 im oberschlesischen Gleiwitz (heute Gliwice/Polen) als Tochter des wohlhabenden Gutsbesitzers Joseph (Josef) Adler und der Frieda Adler, geb. Lichtenberg (*1878). Lisbeth Adler lebte 1927 mit ihrer verwitweten Mutter Frieda Adler in Breslau. Ihre 1904 geborene Schwester Vera studierte Medizin. Felix Auerbach wohnte zum Zeitpunkt der Hochzeit bei seinem Vater in der Friedbergstraße 18 in Berlin-Charlottenburg, seine Mutter war 1926 gestorben.
Am 4. März 1928 kam der Sohn Joachim auf die Welt. Er sollte das einzige Kind bleiben. Die junge Familie wohnte für kurze Zeit in der Roonstraße im „Alsenviertel“ in Berlin-Tiergarten – dies war ein bürgerliches Wohnviertel im Spreebogen. Nachbar war Bruder Jakob Auerbach.
Zuletzt lag die Kanzlei der Rechtsanwälte Auerbach und Loewe in der Stresemannstraße 12 (bis 1930 die Königgrätzer Straße). Groß und erfolgreich geworden, beschäftigte sie nach der Erinnerung von Bruder Jakob zeitweise über 70 Angestellte. Die beiden Anwälte und Edith Loewe, Ehefrau und Kollegin, waren über die Grenzen des Deutschen Reiches hinaus anerkannte Fachleute für Fragen des Urheberrechts, besonders aus der Literatur und Musik.
1931 wurde Felix Auerbach zum Notar bestellt. Er lebte mit seiner Familie – wiederum nur kurze Zeit – nicht weit von der Kanzlei im heutigen Berlin-Kreuzberg in der Bergmannstraße und der Großbeerenstraße. Die Familie war wenig religiös, gehörte zum assimilierten jüdischen Bürgertum der Großstadt Berlin.
Drei Brüder und eine Schwester von Felix Auerbach lebten ebenfalls in Berlin: Jakob und Leo als Rechtsanwälte, Max als Patentanwalt und seine Schwester Lucie als Ehefrau des russischen Zahnarztes Bernhard Podolski. Auch die Schwester Helene, verheiratet mit dem polnischen Kaufmann David Reich und Mutter von drei Kindern, kam nach Jahren in Polen mit ihrer Familie nach Berlin zurück. Ihr Mann hatte wirtschaftlich keinen Erfolg, die Familie lebte bei dem verwitweten Mannheim Auerbach zuerst in Schöneberg und dann in der Güntzelstraße 53 in Berlin-Wilmersdorf. – Ihr Sohn, der Literaturkritiker Marcel Reich-Ranicki (1920–2013), sollte in seinen Lebenserinnerungen von der Familie berichten.
Im April 1933 wurde Felix Auerbach nach dem „Gesetz gegen jüdische Rechtsanwälte und Notare“ die Ausübung seines Berufs als Rechtsanwalt und Notar verboten. Da er im Ersten Weltkrieg kein „Frontkämpfer“ gewesen war, galt für ihn auch die bis 1938 gültige Ausnahmeregelung nicht. Sein Sozius Dr. Erich Loewe floh mit seiner Ehefrau Edith nach Frankreich, wo er bis zu seinem Tod lebte und als Rechtsanwalt tätig war.
Im Berliner Adressbuch von 1935 findet sich Felix Auerbach als „Haushaltsvorstand“ in der Helmstedter Straße 24 im Bezirk Wilmersdorf. Nach den Erinnerungen seines Bruders Jakob Auerbach war die Familie hier bereits 1928 eingezogen. Straße, Haus und Wohnung waren Zeichen von Besitz und Bildung: Die 4-Zimmer-Wohnung (Wohnzimmer, Esszimmer, Schlafzimmer, Kinderzimmer und Mädchenzimmer) war nach der Erinnerung der Schwägerin von Felix Auerbach gutbürgerlich eingerichtet, mit dem entsprechenden wertvollen Hausrat, darunter silberne Schalen, Leuchter und Bestecke. Standesgemäß beschäftigte das Ehepaar ein Dienstmädchen und Lisbeth Auerbach besaß den für eine bürgerliche Ehefrau üblichen Schmuck.
1937 starb der zuletzt erblindete Vater Mannheim Auerbach. 1938 wurden die Schwester Helene, der Schwager David und der Neffe Marcel Reich nach Polen ausgewiesen. Der Bruder Jakob war mit seiner Ehefrau in die Niederlande geflohen. Er überredete Felix Auerbach, den Sohn Joachim nach England zu schicken. Im Juli 1939 verließen Joachim Auerbach und sein Vetter Frank, der Sohn des Patentanwalts Max Auerbach, mit einem Kindertransport den Hamburger Hafen. Beide sollten ihre Eltern nie wiedersehen. 1940 beging Frieda Adler, die Schwiegermutter von Felix Auerbach, in Breslau Suizid. Sohn Joachim schrieb noch aus England an die Eltern, wo er mit seinem Vetter Frank gemeinsam eine Schule besuchte.
Am 11. Juli 1942 wurden Felix Auerbach und seine Ehefrau Lisbeth aus der Helmstedter Straße 24 in Berlin-Wilmersdorf nach Auschwitz deportiert. Beide wurden dort ermordet

Ermordet wurden auch Felix Auerbachs Schwester Helene und ihr Ehemann David Reich, die 1942 aus dem Warschauer Ghetto nach Treblinka verschleppt wurden, sowie 1943 ihr Sohn Alexander Herbert Reich in einem anderen Lager in Polen. Ihre Tochter Gerda und ihr bekannt gewordener Sohn Marcel überlebten. Bruder Max und seine Ehefrau Charlotte wurden 1943 in Auschwitz ermordet. In der Güntzelstraße 49 erinnern seit März 2007 zwei Stolpersteine an das Ehepaar.
Vier Geschwister von Felix Auerbach überlebten: Heimann Auerbach (gestorben1957 Los Angeles) mit seiner Ehefrau Hedwig, ihr Sohn Willy wurde 1941 im KZ Mauthausen ermordet; Dr. Jakob Auerbach (gestorben 1969 in London), der mit seiner Familie in den Niederlanden den Krieg in der Illegalität überstand; Leo Auerbach, seit 1948 Rechtsanwalt in Frankfurt/M., gestorben 1964; die verheiratete Schwester Lucie, gestorben 1958 in London.

Der Neffe Frank Auerbach, Sohn des ermordeten Bruders Max, wurde in Großbritannien ein berühmter Maler. Er konnte am 29. April 2021 in London seinen 90. Geburtstag feiern.
Felix und Lisbeth Auerbachs Sohn Joachim Auerbach ist im Juli 2021 in Birmingham mit 93 Jahren gestorben.


Biographical Compilation

Dr. Dietlinde Peters, Vorrecherchen: Wolfgang Knoll

Additional Sources

Berliner Telefonbücher;
Christine Fischer-Defoy: Rede bei der Verlegung der Stolpersteine für David und Helene Reich in der Güntzelstraße 53 am 6.8.2014, in: Aktives Museum, Mitgliederbrief Nr. 71 vom August 2014;
HU Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe in Berlin 1930-1945;
Marcel Reich-Ranicki: Mein Leben. München 2000;
Rebecca Schwoch: Berliner jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus : Ein Gedenkbuch, Berlin 2009;
Uwe Wittstock: Marcel Reich-Ranicki – Die Biografie, München 2020;
https://www.mappingthelives.org/;
https://www.statistik-des-holocaust... Transportlisten;
https://www.geni.com/people/;
https://www.juedische-gemeinden.de;
https://www.theguardian.com/uk-news....