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Elise Bloch (born Pincus)

Foto: KHMM
LOCATION
Güntzelstr. 49

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
STONE WAS LAID
03/20/2007

BORN
01/03/1879 in Posen / Poznań
DEPORTATION
on the 29th of January 1943 to Auschwitz
MURDERED
in Auschwitz

Elise Pincus kam am 3. Januar 1879 in Posen (heute Poznań / Polen) als Tochter des Kaufmanns Ludwig Pincus (1837–1895) und seiner Ehefrau Auguste Golda, geb. Czapski, (1846–?) auf die Welt. Ihr Vater besaß gemeinsam mit seinem Bruder Siegfried Pincus (1835–1884) und nach dessen Tod mit der Witwe Emilie Pincus eine Essigfabrik und Brennerei. Die Firma und die Wohnungen der beiden Familien befanden sich in einem gemeinsamen Haus im Zentrum der Stadt. Auch die Großeltern Czapski und viele Onkel und Tanten lebten in Posen. Elise Pincus verbrachte also Kindheit und Jugend inmitten einer großen Verwandtschaft. Sie hatte drei ältere Geschwister: Max Pincus, geboren 1869, wurde Kaufmann wie der Vater; Rosa Pincus, geboren 1870, von Beruf Lehrerin, heiratete und bekam vier Kinder, sie wurde 1929 Witwe und lebte in Hamburg; Friedrich Pincus, geboren 1871, wurde Augenarzt und lebte seit 1896 in Köln.
Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1895 blieb die Mutter von Elise Pincus zuerst in Posen, dann verkauften sie und ihre Schwägerin Haus und Firma. Elise Pincus zog nach Köln zu ihrem Sohn Friedrich – dies wohl nach der Hochzeit ihrer Tochter Elise.
Elise Pincus hatte den 1861 geborenen Juristen Dr. Max Bloch geheiratet. Ihr Ehemann stammte aus Kempen (heute Kępno/Polen) in der Provinz Posen und kam ebenfalls aus einer Kaufmannsfamilie. – Sein Vater Hermann Bloch (1825–1900) war mehrere Jahrzehnte Vorsitzender des Stadtrats von Kempen und der Repräsentantenversammlung der Jüdischen Gemeinde.
Als Ehefrau „folgte“ Elise Bloch der Karriere ihres Ehemannes: Max Bloch war zunächst Amtsrichter in Soldau im Kreis Neidenburg (heute Działdowo/Polen), einer kleinen Stadt im Südwesten von Ostpreußen. Dort wurde das einzige Kind des Ehepaares, die Tochter Anita, am 24. Mai 1904 geboren. Von Soldau zog die Familie schon nach wenigen Jahren nach Guben an der Neiße in Brandenburg. (Der östlich der Neiße gelegene Teil der Stadt gehört heute als Gubin zu Polen.) Am dortigen Landgericht wurde Max Bloch Landgerichtsrat. In einem Haus am Lindengraben, einer sehr guten Wohngegend (heute in Gubin/Polen), lebte Elise Bloch mit ihrer Familie über 25 Jahre: Hier wuchs ihre Tochter auf und wurde erwachsen, hier starb der Ehemann. (1930 wohnte Elise Bloch als Witwe eines Landgerichtsrats mit ihrer Tochter zwar in demselben Haus, diese hatte aber wohl einen eigenen Haushalt und erhielt damit auch einen eigenen Eintrag im Adressbuch, als „Fräulein Anita Bloch“.)
1936 wurde Elise Bloch im Berliner Adressbuch zum ersten Mal als Mieterin in der Güntzelstraße 49 notiert. Sie wohnte dort bis 1940 mit ihrer Tochter Anita in der 1. Etage des Gartenhauses. Dann zogen Mutter und Tochter um: Anita Bloch heiratete den 1883 in Meiningen/Thüringen geborenen Rechtsanwalt Dr. Max May, dem seit September 1938 als „Konsulent“ nur noch die Vertretung oder Beratung von Juden erlaubt war.
Laut Berliner Adressbuch von 1941 wohnten sowohl Elise Bloch als auch Dr. Max May (als Haushaltsvorstand, die Ehefrau bleibt ungenannt) 1940 also in der Bayerischen Straße 2. Noch war Elise Bloch Hauptmieterin, danach fehlen die Namen Bloch und May. Aber die Bayerische Straße 2 blieb auch laut Transportliste ihre letzte Anschrift in Berlin:
Am 29. Januar 1943 wurde Elise Bloch vom Güterbahnhof Moabit aus mit über 1000 Menschen nach Auschwitz deportiert und ermordet. – Ihre Wohnung brannte am 1. März 1943 vollständig aus.
Schwiegersohn Dr. Max May, zuletzt Auguststraße 14–15, nahm sich vermutlich das Leben, er starb am 26. April 1943. Tochter Anita, zuletzt ebenfalls in der Auguststraße wohnhaft, wurde am 17. Mai 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Auch die Geschwister von Elise Bloch wurden deportiert und ermordet.


Biographical Compilation

Dr. Dietlinde Peters, Vorrecherchen: Wolfgang Knoll

Additional Sources

Adressbücher Guben 1910, 1930,
Adressbücher Posen;
Landesarchiv Berlin, Personenstandsunterlagen/über ancestry;
https://www.geni.com/people/;
Aaron Heppner / Isaak Herzberg: Aus Vergangenheit und Gegenwart der Juden und der jüdischen Gemeinden in den Posener Landen, Band 1, Breslau 1929, zu Kempen S. 514-525;
Recherchen und Auskunft: Sören Bott, Berlin