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Ernst Julius Golde

Stolperstein für Ernst Julius Golde. Foto: OTFW.
LOCATION
Waldowallee 9

DISTRICT
Lichtenberg – Karlshorst
STONE WAS LAID
09/13/2007

BORN
10/03/1874 in Berlin
OCCUPATION
Kaufmann
DEPORTATION
on the 12th of January 1943 to Theresienstadt
LATER DEPORTED
on the 16th of May 1944 to Auschwitz
DEAD
in Auschwitz

Der Kaufmann Ernst Julius Golde wurde am 3. Oktober 1874 in Berlin geboren. 1910 zog er nach Karlshorst und heiratete im Jahr darauf die fünf Jahre jüngere Olga Schlesinger, die aus Nürnberg stammte. 1912 kam ihre gemeinsame Tochter Gertrud zur Welt, knapp acht Jahre später folgte im Januar 1920 der Sohn Werner. Mit seiner Familie wohnte Julius Golde in der Waldowallee 5, deren Nummer 1931 zu 9 geändert wurde.
Bis etwa 1914 betrieb er in der Großen Frankfurter Straße 119 (heute Karl-Marx-Allee) einen Wäscheausstatter und war als Vertreter für die Wäsche- und Leinenfirma F. V. Grünfeld tätig, die ihren Sitz im schlesischen Landeshut hatte. Nach Beginn des Ersten Weltkriegs wurde Julius Golde eingezogen und leistete als 40-Jähriger kurze Zeit Kriegsdienst für das Deutsche Kaiserreich. In den 1920er Jahren arbeitete er dann als Vertreter für die Berliner Firmen Kurt Grünbaum und Weinberg & Gutmann sowie für die in Osterode ansässige Firma D. Feibel. Beruflich war er recht erfolgreich und brachte es zu einigem Wohlstand. Er beschäftigte eine Haushaltshilfe und fuhr jedes Jahr mit seiner Familie ans Meer oder in die Berge in den Urlaub. In der Wohnung gab es ein Musikzimmer mit einem Steinway-Flügel, die Kinder wurden von einem Kindermädchen betreut. Julius Goldes Sohn Werner bezeichnete seine Familie später als „Drei-Tage-Juden“, die nur zu den hohen Feiertagen in die Synagoge gingen.
1933 nahm Julius Golde seinen Sohn wegen zunehmender antisemitischer Anfeindungen vom Lichtenberger Kant-Gymnasium. Werner wechselte zur Volksschule in der Auguste-Viktoria-Straße (heute Ehrlichstraße) und machte nach dem Schulabschluss eine Lehre als Elektrotechniker bei einem jüdischen Röntgeningenieur. Über die jüdische Arbeitsvermittlung bekam er eine Stelle als Beleuchter beim Jüdischen Kulturbund in der Kommandantenstraße in Kreuzberg.
Nachdem Julius Golde noch Anfang der 1930er Jahre in der Gegend Marksburgstraße / Rheingoldstraße / Waldowallee mehrere unbebaute Grundstücke gekauft hatte, zog er 1935 wegen des immer unerträglicher werdenden Antisemitismus mit seiner Familie aus Karlshorst fort. Ab 1936 wohnten Goldes in der Hohenstaufenstraße 12 in Schöneberg. Anfang 1938 musste Julius Golde seine Tätigkeit als Vertreter stark einschränken. Nach der Reichspogromnacht im November 1938 war er gezwungen, seine Arbeit vollständig aufzugeben. Die Familie wollte das nationalsozialistische Deutschland verlassen, es gelang aber nur für den damals 19-jährigen Werner eine Schiffspassage zu bekommen. Er verließ Berlin im Februar 1939 und gelangte über Neapel nach Shanghai. Die restliche Familie wollte nachkommen, was nach Kriegsbeginn aber unmöglich wurde.
Julius Golde wurde zusammen mit seiner Frau Olga am 12. Januar 1943 nach Theresienstadt und von dort am 16. Mai 1944 weiter nach Auschwitz deportiert. Sie wurden wie auch ihre Tochter Gertrud in Auschwitz ermordet. Gertrud ist während der „Fabrikaktion“ Ende Februar 1943 verhaftet und zusammen mit ihrem Mann Herbert Sänger deportiert worden.
Einzig Julius Goldes Sohn Werner überlebte im Exil. Er lernte in Shanghai seine spätere Frau Evelyn Gutfeld kennen, die ebenfalls aus Berlin stammte. Zusammen gingen sie unmittelbar nach der Staatengründung nach Israel, wo sie 1952 heirateten. Im gleichen Jahr kehrte Werner Golde vorübergehend nach Berlin zurück, um für die Entschädigungsbehörde zu arbeiten. Anschließend ging er mit seiner Frau und seiner Schwiegermutter nach New York, wo er als Elektriker und zeitweilig als Versandangestellter tätig war. In den folgenden Jahrzehnten bearbeitete er für ein Rechtsanwaltsbüro Restitutions- und Sozialversicherungsansprüche von Verfolgten des Nazi-Regimes. Bis in die 1990er Jahre reiste er deshalb mehr als zwanzig Mal in seine Heimatstadt Berlin.


Biographical Compilation

Julia Chaker

Additional Sources

Thea Koberstein/Norbert Stein, Juden in Lichtenberg mit den früheren Ortsteilen in Friedrichshain, Hellersdorf und Marzahn, hg. vom Kulturbund e.V., Berlin 1995, S. 303–306
Museum Lichtenberg im Stadthaus | Initiative Stolpersteine Karlshorst
www.statistik-des-holocaust.de, Deportationsliste 79. Alterstransport