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Malka Wellner (born Wellner)

Foto:Initiative Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf
LOCATION
Augsburger Str. 29

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
STONE WAS LAID
03/29/2008

BORN
08/24/1898 in Wolbrom
ESCAPE
Mai 1933 Flucht nach Belgien
INTERNIERT
in Mechelen
MURDERED
10/10/1942 in Auschwitz

Malka Wellner wurde am 24. August 1898 in Wolbrom (deutsch: Wolfram) in Polen geboren. Sie war die Tochter von Wolf-Jakob (geboren 1870) und Ruchel-Laja (Ruchla) geb. Pfeffer. Sie heiratete 1916 ihren Vetter Szymon (Simon) Leib Wellner, der in der Augsburger Straße 44 seit 1934 eine Maßschneiderei hatte. Im Adressbuch sowie im Branchenbuch war er bis 1938 als Damen- und Herren-Schneider eingetragen. Zu seinen Kunden zählten Schauspieler, Sänger und Musiker. Die Augsburger Straße war in den 1920er Jahren bis zur ersten Hälfte der 1930er Jahre, als die Nationalsozialisten diese Gegend verwandelten, ein Künstler- und Vergnügungsviertel gewesen.

Sie floh im Mai 1939 zusammen mit ihrem Mann, der zur Aufgabe des Geschäfts gezwungen wurde, nach Belgien, zunächst nach Antwerpen, wo das Ehepaar bis Januar 1942 unbehelligt lebte. Doch dann wurden sie von der Gestapo aufgespürt und verhaftet und nach Limburg-Koersel verschleppt, wo sie vom 12. Februar bis 25. Juli 1941 eingesperrt waren. Unmittelbar nach ihrer Freilassung flohen sie nach Brüssel. Dort wurde Malka erneut verhaftet und am 7. Oktober 1942 in das Lager Mechelen eingeliefert. Mit 1674 Menschen in einem Eisenbahnzug ist Malka Wellner am 10. Oktober 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet worden.

Ihre Nichte Dr. Evelyn Grollke geb. Gurasch aus Pullach (bei München) hat 2008 bei der Gedenkstätte für den Holocaust Yad Vashem in Jerusalem Gedenkblätter für Malka Wellner sowie für deren beide Söhne Motel und Szulim hinterlegt, dem einige dieser Informationen entnommen sind.

Simon (Szymon Leib) Wellner wurde am 8. März 1892 in Sączów in Oberschlesien geboren, Sein Vater hieß Aleksender, seine Mutter Krajndla geb. Mirowski. Simon erlernte das Schneiderhandwerk. Zunächst wohnte und arbeitete er in der Nähe in Königshütte, 1919 zog er nach Heegermühle bei Eberswalde, seine Frau Malka folgte mit den beiden Söhnen. Danach kamen auch mehrere seiner Geschwister und Cousins nach Heegermühle (Finow) und wohnten bei Simons Familie.

Nach dem 9. November 1938, der Reichspogromnacht, kam es erneut zum Boykott der jüdischen Geschäfte, und im Dezember 1938 musste Simon seinen Betrieb gänzlich einstellen. Im Februar 1939 erfolgte die Ausweisung aus Deutschland durch Polizei und Gestapo.

Im Mai 1939, nachdem ein Fluchtversuch der beiden Söhne Motel und Szulim gescheitert war, versuchten auch sie über Aachen nach Belgien zu flüchten. Nach einer vorübergehenden Verhaftung gelang ihnen ein zweiter Versuch. Als seine Frau Malka verhaftet und nach Auschwitz deportiert wurde, konnte Simon ab Oktober 1942 in Brüssel untertauchen. Er musste versteckt unter ,,menschenunwürdigen Bedingungen in einem Keller leben",
wie er später angab. Nachdem er im September l944 von den Alliierten befreit worden war, emigrierte er im März 1947 von Belgien nach Australien. Dort lebten einige seiner Verwandten, die meist aus Będzin stammen. Er heiratete noch einmal und wohnte mit seiner zweiten Frau Rachel, die ebenfalls die Shoah überlebt hatte, in Melbourne. Am 26. Mai 1977 starb Simon in St. Kilda, Melbourne. Dort ist er auf dem jüdischen Friedhof beerdigt.


Biographical Compilation

Dr. Evelyn Grollke (Pullach bei München)

Additional Sources

Aufzeichnungen und Informationen aufgrund schriftlicher Zeugenaussagen und anderer Dokumente aus Deutschland, Belgien, Polen und Australien; Ausländermeldelisten Archiv Eberswalde; Verein für Heimatkunde (Hrsg.): Eberswalder Gedenkbuch für die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Ergänzungen von Helmut Lölhöffel (Berlin).