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Lucie Zehden (born Sarner)

Foto: KHMM
LOCATION
Güntzelstr. 49

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
STONE WAS LAID
09/26/2006

BORN
06/22/1889 in Stenschewo (Posen) / Stęszew
DEPORTATION
on the 26th of October 1942 to Riga
MURDERED
10/29/1942 in Riga

Lucie Sarner kam am 27. September 1889 in Stenschewo /Posen (heute: Stęszew / Polen) als Tochter des Kaufmanns Jacob Sarner (1859–1919) und seiner 1862 geborenen Ehefrau Rosalie, geb. Abraham, auf die Welt. Die Eltern kamen aus anderen Orten, beide stammten aus Kaufmannsfamilien. Stenschewo war eine kleine Stadt an einem See, in der zum Zeitpunkt von Lucies Geburt keine 100 Juden lebten, die Mehrzahl der Einwohner war katholisch. Nach dem Ersten Weltkrieg wurde der Ort polnisch.
Lucie Sarner kam am 5. Januar 1919 nach Berlin. Hier lebte auch ihr 1890 geborener Bruder Hermann, bei dessen Hochzeit im Jahr 1920 Lucie Trauzeugin war. Hermann Sarner starb 1926 in Hamburg.
Lucie Sarner war Kontoristin von Beruf. Bereits 1920 wohnte sie in der Geneststraße 6 in Berlin-Schöneberg, neben der Fabrik von Mix & Genest. Das Gebäude in der Nähe des Sachsendamms steht noch. Eigentümerin war 1920 die Kantorowicz AG, eine bekannte, in Posen gegründete und 1920 verkaufte Likörfabrik, die dann in Berlin – angeschlossen an die Schultheiss-Gruppe – weiterproduzierte.
Lucie Sarner lebte bis 1934/35 in diesem Haus. Laut Berliner Adressbuch war sie die ganze Zeit berufstätig, war Leiterin einer Versandabteilung und Handelsbevollmächtigte, handelte mit Weinen und Likören und war einige Jahre Geschäftsinhaberin einer Weingroßhandlung im Hansahaus am Spittelmarkt 8–10. – Inwieweit sie der Firma Kantorowicz verbunden war, geht aus den Einträgen nicht hervor.
Am 4. April 1935 zog Lucie Sarner in eine 2-Zimmer-Wohnung mit Zentralheizung und Balkon in der Güntzelstraße 49. Ihr Untermieter war von 1939 bis Mai 1941 Carl Stern (1876–1942). Lucie Sarner, die 1940 noch unverheiratet war, heiratete (wahrscheinlich danach) den Kaufmann Siegfried Zehden, dem in den 1930er-Jahren eine Getreidegroßhandlung gehört hatte. Sie arbeitete als Sekretärin bei der Jüdischen Gemeinde in der Oranienburger Straße. Ihr Ehemann musste als Zwangsarbeiter in einer Abteilung der Firma Warnecke & Böhm AG, einer Fabrik für Lacke und Farben, in der Greifswalder Straße 140/141 arbeiten.
Eigentlich sollte das Ehepaar gemeinsam am 26. Oktober 1942 deportiert werden, aber Siegfried Zehden konnte noch wenig mehr als vier Monate in Berlin bleiben: Auf der Vermögenserklärung von Lucie Zehden steht die mit Bleistift geschriebene Notiz „Ehemann ist wegen Arbeitseinsatz hier geblieben.“
So wurde Lucie Zehden allein deportiert. Mit dem Transport vom 26. Oktober 1942 wurden 798 Menschen vom Bahnhof Moabit nach Riga verschleppt, darunter über 200 Angestellte der Jüdischen Gemeinde (daher auch „Gemeindeaktion“ genannt) und 55 Kinder. Die Fahrt dauerte drei Tage. Sie alle wurden sofort nach der Ankunft in den Wäldern bei Riga erschossen.

Siegfried Zehden musste nach der Deportation seiner Ehefrau Lucie die gemeinsame Wohnung verlassen. Am 2. März 1943 wurde er im Rahmen der sogenannten Fabrikaktion nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.


Biographical Compilation

Dr. Dietlinde Peters, Vprrecherchen: Wolfang Knoll

Additional Sources

Jüdische Gewerbebetriebe in Berlin 1930–1945 (Datenbank);
Landesarchiv Berlin - Personenstandsunterlagen über ancestry;
https://www.geni.com/people/;
https://www.peachridgeglass.com/wp-....