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Dr. Margot Ruth Rosenthal

Stolperstein für Margot Rosenthal. Fotorechte: D. Janke.
Verlegung der Stolpersteine vor der Humboldt-Universität Berlin, Unter den Linden 6. Fotorechte: Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin.
LOCATION
Unter den Linden 6

DISTRICT
Mitte – Mitte
STONE WAS LAID
July 2010

BORN
05/15/1906 in Berlin
OCCUPATION
Ärztin
FLIGHT INTO DEATH
09/10/1942 in Berlin

Margot Ruth Rosenthal wurde am 15. Mai 1906 in Berlin-Schöneberg geboren. Ihre Mutter Olga Rosa Rosenthal (geb. Wulff) stammte aus Hamburg, ihr Vater Martin Rosenthal aus Breslau (Wrocław). Margot wuchs mit ihrer zwei Jahre jüngeren Schwester Gerda auf. Ihr Vater war Mitinhaber einer Fabrik, die Blusen, Roben und Rüschen herstellte. Die Familie war recht wohlhabend. In der Prinzregentenstraße 91 in Wilmersdorf bewohnte sie eine sehr geräumige 6-Zimmer-Wohnung, die mit wertvollen, teils antiken Möbeln eingerichtet war. Auch nach dem Tod ihres Vaters, der 1927 starb, blieb Margot dort mit ihrer Mutter und ihrer Schwester wohnen.
Ab 1930 studierte Margot Rosenthal an der Friedrich-Wilhelms-Universität (heute Humboldt-Universität) Medizin. Bereits kurz nach der Machtübertragung an die Nationalsozialisten begann die systematische Ausgrenzung jüdischer Studierender. Das am 25. April 1933 erlassene „Gesetz gegen die Überfüllung der deutschen Schulen und Hochschulen“ legte extrem niedrige Quoten für „nichtarische“ Studierende fest und auch der Anteil von Studentinnen wurde massiv beschränkt. Im September 1936 wurde Margot Rosenthal aufgrund der antisemitischen Restriktionen exmatrikuliert. Um ihr Studium zu beenden, ging sie vorübergehend in die Schweiz. An der medizinischen Fakultät der Universität Bern bestand sie am 3. Februar 1938 das Examen und wurde am 25. Mai 1938 promoviert. Anschließend kehrte sie nach Berlin zurück und war bis 1941 als Ärztin im Jüdischen Krankenhaus tätig. Eine Praxis durfte sie als Jüdin nicht eröffnen und seit 1938 war es jüdischen Ärztinnen und Ärzten nur noch erlaubt, als „Krankenbehandler“ jüdische Personen zu behandeln.
Margots Schwester Gerda, die eine Ausbildung zur Kindergärtnerin absolviert hatte, emigrierte nach England. Seit ihrer Heirat hieß sie Neumann-Talen (später geändert zu Newman) und lebte in London. Auch Margot plante, das nationalsozialistische Deutschland zu verlassen, was ihr nicht mehr rechtzeitig gelang. Ihre Mutter hatte bereits eine Zollabgabe in Höhe von 700 Reichsmark gezahlt. Neben dieser willkürlich festgesetzten Summe hatte Olga Rosenthal bereits zuvor 20.000 Reichsmark Schenkungssteuer wegen eines Hamburger Grundstücks, das ihrem verstorbenen Bruder gehört hatte, zahlen müssen sowie 10.250 Reichsmark als sogenannte „Judenabgabe“.
Im Januar 1941 mussten Margot und ihre Mutter aufgrund eines Räumungsbefehls innerhalb einer sehr kurzen Frist aus ihrer Wilmersdorfer Wohnung ausziehen. Emma Welzel, die 1914 bis 1923 als Haushälterin bei Familie Rosenthal beschäftigt gewesen war, schilderte die Umstände im Wiedergutmachungsverfahren. Demnach fand Olga Rosenthal, die infolge einer Krankheit gelähmt war und im Rollstuhl saß, für mehr als vier Monate Unterschlupf im Jüdischen Krankenhaus, wo Margot damals noch arbeitete. Im Juni 1941 zogen Mutter und Tochter zur Untermiete bei Dr. Caspary in der Innsbrucker Straße 24 ein. Dort bewohnten sie zwei Zimmer mit Küchenbenutzung. Die meisten ihrer Möbel, die sie auf einem Speicher bei der Speditionsfirma Ludwig Zimmermann KG in Wilmersdorf in der Berliner Straße 145 eingelagert hatten, wurden von den Behörden beschlagnahmt.
Seit Mai 1941 musste Margot Rosenthal Zwangsarbeit bei einer Waffenfabrik in Frohnau leisten. Da sie keine Straßenbahn benutzen durfte, musste sie die zwanzig Kilometer zu Fuß gehen und jeden Morgen um 4.30 Uhr das Haus verlassen. Nachdem sie die Ankündigung ihrer Deportation erhalten hatten, nahmen sich Margot Rosenthal und ihre Mutter Olga am Morgen des 10. September 1942 in ihrer Wohnung gemeinsam das Leben.


Biographical Compilation

Julia Chaker

Additional Sources

Humboldt-Universität zu Berlin: Jüdische Studierende 1933 bis 1938, https://www.hu-berlin.de/de/ueberbl... ;
Tracing the Past e.V.: https://www.mappingthelives.org.