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Isidor Rosenthal

Isidor Rosenthal © OTFW
Rosenthal, Isidor, Foto: privat
Rosenthal, Elsbeth, Foto: privat
LOCATION
Suarezstraße 21

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
STONE WAS LAID
11/10/2013

BORN
11/10/1878 in Lyck / Ełk
DEPORTATION
on the 15th of August 1942 to Riga
MURDERED
08/18/1942 in Riga

Isidor Rosenthal wurde am 10.November1878 in Lyck bei Allenstein in Ostpreußen als Sohn von David und Natalia Rosenthal geboren. Er war Träger des „Eisernen Kreuzes 2. Klasse“ aus dem Ersten Weltkrieg. Seine Frau Elsbeth kam am 5.November 1890 in Thorn als Tochter von Arnold und Natalie Danziger zur Welt. Sie hatten drei Töchter: Lieselotte, Alice und Ursel.

Die Rosenthals wohnten in Lyck in der Kaiser-Wilhelm-Straße 68. Sie bewohnten in dem Haus, das ihnen gehörte, im 1.Stock über einem Schuhgeschäft und einer Drogerie eine großzügige 7 Zimmerwohnung. „Die Wohnung war geschmackvoll und gediegen eingerichtet. Die Möbel waren Erzeugnisse erster Häuser“ wie der mit der Familie bekannte Zahnarzt Dr. Neumann bezeugte.

Auf dem zum Haus gehörenden Grundstück mit Hinterhaus, Speicher, Garagen, Schuppen und Pferdeställen betrieb Isidor Rosenthal die von seinem Vater gegründete Spedition „David Rosenthal & Sohn“. Bereits im April 1933 wurde ihm die Konzession als amtlicher Bahnspediteur entzogen. Unter Zwang verkaufte er seine Spedition für eine geringe Anzahlung an einen seiner „arischen“ Angestellten. Als sich die Bauern weigerten, Getreide an Juden zu verkaufen, verlor er auch seinen Getreidehandel – und damit die letzte Existenzgrundlage für sich und seine Familie. Noch in demselben Jahr wurde Isidor Rosenthal im Gefängnis von Lyck in sogenannte „Schutzhaft“ genommen.

Nach seiner Entlassung entschied er sich, mit seiner Familie nach Berlin zu ziehen – wohl in der Hoffnung, in der Großstadt der Verfolgung der Nationalsozialisten weniger ausgesetzt zu sein als in der Kleinstadt Lyck mit ihren gut 15 000 Einwohnern, von denen nur 137 jüdischen Glaubens waren. Die Familie Rosenthal konnte Teile des wertvollen Mobiliars wie Perserteppiche, Gemälde und den Bechstein-Flügel in ihre neue 5-Zimmer-Wohnung in der Suarezstraße 21 in Charlottenburg mitnehmen.

Isidor Rosenthal versuchte sich mit einem Kartoffel- und Futtermittelhandel eine neue Existenz aufzubauen. Anfangs liefen die Geschäfte auch gut. In dieser Zeit konnte er seinen Töchtern Alice und Ursel zur Flucht verhelfen. Alice war im Gefängnis Spandau inhaftiert gewesen, konnte aber nach ihrer Entlassung nach Belgien und von dort nach England fliehen. Später emigrierte sie nach Australien. Ursel gelang die Flucht nach Palästina, wo sie im Kibbuz Hasorea Aufnahme fand.

Doch bald gingen die Einnahmen des Handels von Isidor Rosenthal zurück und die finanzielle Situation verschlechterte sich zunehmend. Durch die „Verordnung zur Ausschaltung der Juden aus dem deutschen Wirtschaftsleben“ vom 12. November 1938 (Gewerbeverbot für Juden) verlor er auch dieses Geschäft wieder.

Anfang 1940 wurden die Rosenthals aus ihrer Wohnung in der Suarezstraße 21 vertrieben und in ein Zimmer im Hinterhaus der Xantener Straße 4 zwangsweise eingewiesen. Von dort wurden Isidor und Elsbeth Rosenthal mit ihrer Tochter Lieselotte in das „Sammellager“ in der alten Synagoge Levetzowstraße 7/8 verbracht und mit dem sogenannten „18. Osttransport“ am 15. August 1942 vom Güterbahnhof Moabit in der Putlitzstraße aus nach Riga deportiert.

Man weiß heute, dass der Zug DA 401 mit 1004 Menschen am 18. August 1942 in Riga-Skirotava ankam. Da das Rigaer Ghetto bereits seit Oktober 1941 geschlossen war, wurden alle mit diesem Transport aus dem „Reichsgebiet“ deportierten Menschen – mit Ausnahme einer Krankenschwester, deren Name nicht bekannt ist - unmittelbar nach der Ankunft in den Wäldern von Rumbula und Biekerniki ermordet.

Auch Isidor und Elsbeth Rosenthal mit ihrer Tochter Lieselotte erlitten dieses Schicksal.


Biographical Compilation

Recherche und Text: Sabine Jähret, ergänzt durch Stolperstein-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf