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Jakob 'Jascha' Jaffe

Stolperstein für Jakob 'Jascha' Jaffe. Copyright: MTS
LOCATION
Hauptstr. 110

DISTRICT
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
STONE WAS LAID
03/21/2014

BORN
12/04/1934 in Berlin
ABGESCHOBEN
on the 2nd of July 1941 in die Sowjetunion
DIED AS A RESULT OF INCACERATION
1944 in Akmolinsk (Kasachstan)

Jakob 'Jascha' Jaffe kam am 4. Dezember 1934 als Sohn des Filmreisenden Boris Jaffe und seiner Frau Ida Jaffe, geborene Poschuminski, zur Welt. Jakob hatte noch einen älteren Bruder und eine ältere Schwester: Alexander (* 4.10.1931 in Berlin) und Tamara (* 22.10.1932 in Berlin). Die Familie lebte in einer Dreizimmer-Wohnung in der Hauptstraße 110. Das Leben des kleinen Jakob und seiner Geschwister wurde von Beginn an durch die Arbeitslosigkeit seines Vaters geprägt. Der Filmreisende, der für die amerikanische Filmfirma Warner Brothers arbeitete, verlor seine Stelle, als sich die Filmfirma nach der Machtübernahme durch die Nazis 1933 aus Deutschland zurückzog. Zudem wurde ihm als staatenloser Ausländer aus Russland 1938 das deutsche Visum aberkannt. Die Familie entschloss sich deshalb zur Emigration. 1939 erhielt Boris Jaffe ein amerikanisches Visum und emigrierte Ende Oktober über Kopenhagen in die USA. Die Familie blieb zunächst zurück, sollte aber bei sich bietender Gelegenheit sofort nachkommen. Obwohl die Voraussetzungen dafür bereits geschaffen waren, verhinderte der Ausbruch des Zweiten Weltkriegs die Emigration. Die Situation wurde für die zurückgebliebene Familie immer prekärer. Am 1. März 1940 wurde Ida Jaffe gezwungen, die Wohnung in der Hauptstraße zu verlassen. Am 22. Juni 1941 drangen plötzlich frühmorgens Männer der SS in ihre Wohnung ein und forderten Ida und ihre Kinder auf, mit ihnen zu kommen. Ziel war die Abschiebung in die Sowjetunion. Nach einer Irrfahrt durch ganz Europa landete die Familie schließlich auf einer landwirtschaftlichen Kolchose in Akmolinsk/Kasachstan. Dort wurden Kartoffeln angebaut, die jedoch nicht einmal als Grundlage für die Ernährung der dort arbeitenden Bevölkerung ausreichten. Die Kälte tat ihr Übriges. Es wurde im Winter so kalt, dass Ida und ihre Kinder die Baracke nicht mehr verlassen konnten. Die Folgen der Kälte und der unzureichenden Bekleidung waren furchtbar.
Ida, Alexander und Tamara trugen so schwere Erfrierungen davon, dass man zunächst Ida und Alexander beide Füße amputieren musste und Tamara schließlich ebenfalls mehrere Zehen verlor. Jakobs Mutter Ida überlebte den schweren Eingriff nicht. Sie starb unmittelbar nach der Operation. Der Bruder Alexander und Tamara erholten sich zwar von den Amputationen, Alexander konnte sich aber nur noch auf den Knien fortbewegen und starb schließlich im Frühjahr 1944 an einer Lungenentzündung. Der zehnjährige Jakob war jetzt mehr oder minder auf sich selbst gestellt. Außerdem war er vermutlich durch den Tod seiner Mutter und seines Bruders in einem erheblichen Ausmaß traumatisiert. Er starb wenig später als sein Bruder. Die Gründe für seinen Tod sind nicht bekannt. Lediglich Tamara überlebte dank der Hilfe einer Frau und zog später zu ihrem Vater in die USA.


Biographical Compilation

Biografie durch die Koordinierungsstelle Stolpersteine des Museums Tempelhof-Schöneberg auf die Website eingestellt.

Additional Sources

Foto; Felicity Barringer: Flight from sorrow, The Life and Death of Tamara Wall. Atheneum Publishing House 1983