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Georg Nomburg

Georg Nomburg © OTFW
Georg Nomburg Bild: Yad Vashem
Charlotte Nomburg Bild: Yad Vashem
Hochzeitsfoto Georg und Charlotte Nomburg Bild: privat
Manfred und Harry Nomburg mit einem Freund aus früheren Zeiten, Berlin Mai 1946 Bild: privat
LOCATION
Ludwigkirchstr. 10

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
STONE WAS LAID
09/21/2013

BORN
10/06/1885 in Mühlatschütz / Miłocice
DEPORTATION
on the 18th of October 1941 to Łódź / Litzmannstadt
LATER DEPORTED
on the 10th of May 1942 to Chełmno / Kulmhof
MURDERED
05/10/1942 in Chełmno / Kulmhof

Georg Nomburg wurde am 6. Oktober 1885 in Myhlacz, Kreis Oels (Schlesien) als Sohn des Kaufmanns Adolf Nomburg und seiner Ehefrau Rosa, geb. Elias geboren. Er hatte noch einen jüngeren Bruder Hans, der 1894 in Bielitz, damals Österreich, jetzt Polen geboren wurde. Beide Brüder gingen in Bielitz in die Schule, Georg machte eine kaufmännische Berufsausbildung im Kaufhaus Bernstein in Oels, Hans absolvierte das Abitur. Beide nahmen am ersten Weltkrieg in der österreichischen Armee teil. Nach dem Krieg gründete Georg Nomburg im Oktober 1919 eine Herrenkleiderfabrik in Coburg, in die sein Bruder nach Beendigung der Kriegszeit zunächst als Auszubildender aufgenommen wurde. 1926 wurde er Teilhaber der Firma Nomburg& Co.

Am 27. Dezember 1921 heiratet Georg Nomburg Charlotte Eugenie (Lotte) Heymann, geb. am 17. August 1898 in Braunschweig.

Wie viele aus diesem blühenden Familien- und Freundeskreis der Shoah zum Opfer gefallen sind, ist heute über die Familie nicht mehr zu erfahren.

Aus dieser Ehe gingen zwei Söhne hervor, nämlich Manfred (jetziger Name Yair Noam), geboren am 21. November 1922, und Harry, geboren am 17. November 1923.

In Coburg entstanden ab 1926 antijüdische und antipolnische Übergriffe, obwohl die Familienmitglieder durch Einbürgerungsurkunde der Regierung von Oberfranken vom 11.März 1926 Deutsche geworden waren. Daraufhin übersiedelten die Familien 1928 in die Großstadt Berlin. Die Firma Nomburg & Co befand sich seitdem bis zur zwangsweisen Auflösung im Dezember 1938 in Berlin C.2, Spandauerstr. 11, also in der Nähe des Hackeschen Marktes, wo die sogenannten „Textiljuden“ ihre Domäne hatten. Die vierköpfige Familie Georg Nomburg bewohnte in der Ludwigkirchstr. 10A eine 3 ½ Zimmerwohnung. Im Jahre 1936 wurde den Brüdern Nomburg und ihren Familien nach den Nürnberger Rassegesetzen die deutsche Staatbürgerschaft aberkannt, sie wurden zu staatenlosen Bürgern erklärt.

Hans Nomburg hatte bereits eine Einwanderungserlaubnis für Chile und verließ Deutschland am 31.Juni 1939 von Bremerhaven aus. Georg und Charlotte bezahlten ebenfalls für ein Visum nach Chile, was sich aber als gefälscht erwies und so mussten sie die weiteren Schikanen erdulden. Als erstes kümmerten sie sich um die Rettung der beiden Söhne.

Manfred wanderte 1938 nach Palästina aus und kam bei Verwandten mütterlicherseits unter und änderte seinen Namen in Yair Noam, Harry bekam 1939 einen Platz auf einem Kindertransport nach England. Georg Nomburg und seine Frau Charlotte mussten 1939 ihre Wohnung aufgeben, sie mussten Zwangsabgaben leisten, wie Vermögensabgabe und Fluchtsteuer, Georg leistete Zwangsarbeit. Hausrat, Möbel und Teppiche mussten verschleudert werden, der Judenstern musste getragen werden. Sie zogen für kurze Zeit in ein Leerzimmer in der Heilbronner Str. 10. Am 18. Oktober 1941 wurden sie mit dem 1. Deportationzug nach Lodz/ Litzmannstadt deportiert, 1942 nach Chelmo/ Kulmhof und dort umgebracht. Charlotte war 43 Jahre alt, Georg 56.

In der Entschädigungsakte schreibt der Bruder Hans in seinem Lebenslauf:
„Wir haben stets einen guten Umsatz getätigt und ca. 60 Arbeitskräfte beschäftigt, so daß schon daraus hervorgeht, daß unsere Firma eine gewisse Bedeutung in der Deutschen Bekleidungsindustrie hatte. Wir haben nur den besten Genre für die Modellkonfektion hergestellt und mit den allerersten Häusern Deutschlands auf diesem Gebiet gearbeitet. Bis zum Jahre 1939 hatten wir eine sehr gut gehende Kleiderfabrik, die dann langsam durch den Boykott der Nazis aller nichtarischen Betriebe langsam zum Stillstand getrieben wurde. Bei den Zerstörungen der Synagogen und Verfolgungen der jüdischen Männer am 9. November 1938 mußte ich mich 14 Tage bei einer befreundeten holländischen Familie verstecken, um nicht ins K.Z. zu kommen, wie viele Tausende. Dadurch war unsere Fabrik ohne Leitung und wurde in dieser Zeit auch noch bestohlen.

Durch diese Maßnahmen wurden wir gezwungen, im Jahre (1.12) 1938 unser blühendes Unternehmen unter großen Verlusten zu liquidieren. Es war uns nicht mehr möglich, unsere großen Lagerbestände nicht einmal zum Selbstkostenpreis, sondern zu einem Schleuderpreis anzubringen. Was wir durch müheselige Arbeit im Laufe von 20 Jahren aufgebaut haben, ist durch die Nazis zerstört worden......“

Die Geschichte der beiden überlebenden Brüder Yair und Harry ist sehr interessant. Harry schreibt:
.“..at the age of fifteen I was sent by my Jewish parents to England to escape Nazi Germany. I left Berlin on May 21,1939. It happened to be a Sunday as well as Mother´s Day. I never saw my parents again......“

Er trat mit achtzehn Jahren in die Britische Armee ein, sie benannten ihn um in Harry Drew und er landete mit einem Britischen Kommando am D-Day in der Normandie in der Nähe von La Breche. Einige Zeit vor seinem Tod gab er ein Shoah Foundation Interview, welches im Jüdischen Museum und in der Freien Universität zu hören ist. Unter diesem link beschreibt er seine Militärlaufbahn:
http://www.eastlothianatwar.co.uk/E...
Er war verheiratet, seine Frau Beatrice und seine beiden Kinder kamen zur Stolpersteinverlegung aus New York und San Francisco.
Sein Bruder Yair Noam lernte in Haifa den Beruf des Graphikers, erhielt im September 1941 auf einem Rote-Kreuz-Formular die letzte Nachricht von seinen Eltern aus Berlin:
„Uns geht es gut, Harry schrieb zufrieden, möge es bei Euch und ihm immer so bleiben.“

Er meldete sich 1942 auch als Freiwilliger zur britischen Armee und kam 1945 mit der US Army über Italien nach Berlin. Dort trafen sich die beiden Brüder.
„Was für eine Freude war das, wir liefen gemeinsam über den Kudamm, zwei englische Soldaten, die überlebt hatten. Und wie weh tat das: Der Verlust der Eltern und Berlin, das ganz und gar zerstört war.“

Davon gibt es ein Bild mit der zerstörten Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche im Hintergrund.

Er kehrte nach Palästina zurück, heiratete und bekam drei Kinder. 91-jährig nahm er mit seinem Enkel an der Stolpersteinverlegung für seine Eltern teil und er schrieb später: „Hätte ich jemals geträumt auf einer Berliner Straßenecke öffentlich zu reden? Sie gaben mir die Gelegenheit dazu, und damit zum ersten Mal mehr über das Schicksal meiner Eltern zu sagen. Es war einer der denkwürdigsten Tage in meinem Leben.“


Biographical Compilation

Biographie und Recherche: Dr. Marianne Gaehtgens

Additional Sources

University of Washington, USC Shoah Foundation
Internet: Jüdische Stätten in Coburg
rororo ISBN 978 3 499 62507 7 Schwester Jordana, Kapitel 17