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Betty Simon (born Less)

Stolpersteine für Betty und Meyer Max Simon, Betty und Julius Less. Copyright: Mauren Antkowski
LOCATION
Kleiststr. 31

DISTRICT
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
STONE WAS LAID
05/23/2014

BORN
09/30/1888 in Reszel / Rößel (Ostpreußen)
DEPORTATION
on the 27th of November 1941 to Riga
MURDERED
11/30/1941 in Riga

Betty Less kam am 30. September 1888 als Tochter des Kaufmanns Hermann und Jenny Less in Rössel zur Welt. Sie hatte vermutlich zwei Brüder, von denen aber nur Julius Less (s. dort) namentlich bekannt ist. Am 16. März 1920 heiratete sie den Kaufmann Meyer Max Simon, in dessen Mode- und Tuchwarengeschäft sie bereits vor ihrer Heirat als Kontoristin gearbeitet hatte, und ließ sich mit ihm anschließend in Tapiau nieder. In Tapiau betrieben die Simons eine Tuchmanufaktur und ein Mode- und Tuchwarengeschäft in bester Lage, Am Markt 66-67/Ecke Altstraße. Sie beschäftigten ständig 15 bis 20 Angestellte. Der Familie ging es wirtschaftlich sehr gut. Im Haushalt arbeiteten ganztägig zwei Angestellte, die sich um die Wohnung kümmerten. Die Simons bewohnten in Tapiau eine mit wertvollen Möbeln, Teppichen und Leuchtern ausgestattete Fünf-Zimmerwohnung über ihrem Modegeschäft. Silbernes Tafelbesteck und kostbares Porzellan vervollständigten die Ausstattung. Die Einnahmen aus dem Geschäft betrugen 4.000,-- RM monatlich. Am 22. Januar 1921 kam der Sohn Karl Heinz in Tapiau zur Welt. Die Tochter Ruth folgte am 26. August 1924. Ein Kinderfräulein kümmerte sich um die beiden Kinder. Während der Reichspogromnacht umstellten SS-Männer das Geschäft von Meyer Max Simon, demolierten es und schlugen die Schaufenster ein. Er sah sich daraufhin gezwungen, das Geschäft aufzugeben und in einen kleineren Laden auszuweichen. Darüber hinaus wurde Betty Simon infolge einer Denunziation durch eine Kundin, die den Simons Geld schuldete, im Jahre 1939 denunziert und verhaftet. Sie verbrachte einen Monat im Gefängnis von Tapiau. Da die Boykottmaßnahmen nicht aufhörten, flüchtete die Familie nach Berlin. Die Einrichtung der Fünf-Zimmerwohnung mussten sie zu einem Schleuderpreis veräußern. Ab 1939 wohnte das Ehepaar dann in der Kleiststraße 31, in der auch der Bruder von Betty Julius Less (s. dort) mit seiner zweiten Frau Betty (s. dort) lebte. Tochter Ruth und Sohn Karl Heinz konnten 1939 noch rechtzeitig mit einem der letzten Jugendtransporte nach Palästina entkommen. Ruth erhielt am 18. März 1940 eine letzte Nachricht von ihren Eltern. Erst 1942 erfuhr sie von einem Onkel aus Berlin, dass ihre Eltern deportiert und ermordet worden waren.
Am 27. November 1941 wurde das Ehepaar Simon nach Riga überführt und dort am 30. November 1941 ermordet. Der Todeszeitpunkt wurde später auf den 9. Mai 1945 festgelegt
Am 13. August 1956 stellte die Tochter Ruth Avivi, später Oschinsky, einen ersten Entschädigungsantrag. Am 12. Februar 1956 wurde vor einem Notar ein Protokoll in Tel-Aviv angefertigt, in dem Ruth und ihr Bruder Karl Heinz, der sich später Zwi nannte, einen gemeinschaftlichen Erbschein beantragten. Am 12. Februar 1956 gab Karl Heinz seiner Schwester Ruth eine Vollmacht, ihn in allen Entschädigungsangelegenheiten zu vertreten. Wie üblich, wurde zunächst ein Auszug aus dem Bundesstrafregister angefordert, um auszuschließen, dass sich die Erblasser bzw. die Erben straffällig gemacht hatten. Weitere Anträge wurden Ende der Fünfziger und Anfang der Sechziger Jahren gestellt: am 20. Oktober 1956 Erstattung des Schadens an Freiheit sowie ein Antrag auf Erstattung des Schadens an Eigentum und Vermögen am 23. Januar 1961. Die Kinder beantragten unter anderem eine Haftentschädigung für die 49 Monate Freiheitsberaubung iher Eltern bzw. Aufenthalt in der Illegalität. Das Rote Kreuz stellte am 1. März 1956 und 4. Januar 1957 ein Gutachten über die Verfolgten auf. Da zwei Betty Less existierten, kam es zu einer Verwechslung mit ihrer Schwägerin, woraufhin die Entschädigungsbehörde unter anderem den jüdischen Friedhof Weißensee bat, ihnen mitzuteilen, ob Betty Simon möglicherweise in Berlin zwischen 1940 und 1943 verstorben sei und auf dem dortigen Friedhof bestattet wurde. Außerdem gab es keinerlei Angaben darüber, dass Betty Simon zusammen mit ihrem Mann nach Riga deportiert worden war. Die Friedhofsverwaltung der Jüdischen Gemeinde konnte am 3. März 1957 keine Angaben über Betty Simon machen. Am 6. Mai 1957 schickte der Rechtsanwalt dem Entschädigungsamt eine eidesstattliche Versicherung von Nochem Simon, dem Bruder von Max Simon, der bestätigte, dass auch Betty Simon im November 1941 nach Riga verschleppt wurde. Am 5. Juli 1957 forderte die Entschädigungsbehörde noch eine Erklärung von Nochem Simon an, woher er seine Informationen bezogen hätte. Erst am 3. Juni 1957 teilte das Entschädigungsamt mit, dass die Beibringung weiterer Beweismittel nicht mehr notwendig sei, da es gelungen wäre, Unterlagen über die Deportation von Betty Simon ausfindig zu machen. Daraufhin wurde den Erben am 2. August 1957 eine Entschädigung in Höhe von 6.150,-- DM angeboten. Am 4. Februar 1958 mahnte der beauftragte Rechtsanwalt noch die Entscheidung über die anderen Ansprüche - wie hinsichtlich des Tagens des Judensternes - an. Am 31. März 1958 wurde das Tragen des Judensternes mit 300,-- DM abgegolten. Der Antrag vom 23. Januar 1961 auf Erstattung des Schadens, der durch die Verschleuderung der Wohnungseinrichtung entstanden war, wurde schließlich am 14. Februar 1961 mit einem Vergleich in Höhe von 17.300,-- DM zu Gunsten der Antragsteller entschieden. Am 6. Oktober 1960 stellten die beauftragten Rechtsanwälte noch einen Antrag hinsichtlich des Schadens im beruflichen Fortkommen von Betty Simon. Hinsichtlich dieses Anspruchs sandte der beauftragte Rechtsanwalt dem Entschädigungsamt eine eidesstattliche Versicherung von Eugen Moses, einem langjährigen Mitglied des Magistrats der Stadt Tapiau und Vorsitzenden der Synagogen-Gemeinde, zu. Er gab darin an, dass das jährliche Einkommen von Max Simon 15.000,-- bis 18.000,-- RM betragen hätte. Eine weitere eidesstattliche Erklärung gab am 14. Juli 1960 Simon Rubinstein ab. Dieser bestätigte, dass Betty Simon in dem Geschäft ihres Mannes gearbeitet hätte. Dieselbe Aussage machte Henni Turbahn am 3. Januar 1961. Betty Simons Platz wäre an der Kasse gewesen, doch habe sie in Abwesenheit ihres Ehemannes von Zeit zu Zeit auch den gesamten Laden geleitet. Auch die beiden Erben gaben am 6. Januar 1961 eine Versicherung darüber ab. Betty Simon habe den Verkauf geleitet, die Kasse geführt und die Buchhaltung vorgenommen. Der Rechtsanwalt machte deshalb am 17. Januar 1961 einen Vergleichsvorschlag: für die Einstufung in den Einfachen Dienst und für den Schadenszeitraum zwischen dem 1. Januar 1935 und dem 8. Mai 1945 ergäben sich somit 5.604,-- DM. Ob der Betrag ausbezahlt wurde, ist nicht bekannt.


Biographical Compilation

Dr. Judith Hahn

Additional Sources

Foto; LABO; Volkszählungsdaten 1939