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Fritz Bischoff

Fritz Bischoff © OTFW
LOCATION
Weisestraße 9

DISTRICT
Neukölln – Neukölln
STONE WAS LAID
08/07/2014

BORN
07/01/1900 in Berlin-Rixdorf (heute: Neukölln)
OCCUPATION
Kaufmännischer Angestellter
INHAFTIERT
from the 23rd of September 1934 up to 1942 in Zuchthaus Kassel
INTERNIERT
from 1942 up to 1944 in KZ Sachsenhausen
INTERNIERT
from 1944 up to the 20th of April 1945 in KZ Neuengamme
DEAD
05/03/1945 in Ostsee auf der Cap Arcona

Fritz Bischoff wurde am 1. Juli 1900 im damaligen Rixdorf als Kind einer Arbeiterfamilie geboren. Sein Vater Hermann Bischoff war Bierfahrer bzw. Brauereiarbeiter. Zum Zeitpunkt der Geburt von Fritz Bischoff lebten die Eltern in einer Hinterhofwohnung in der Berliner Straße, heute Karl-Marx-Straße. Während des Ersten Weltkriegs zog die Familie in eine Wohnung im ersten Stock des neu gebauten Hauses Weisestraße 9. – Hier wohnten die Eltern laut Berliner Adressbuch noch Anfang der 1940er Jahre. – Fritz Bischoff scheint auch nach seiner Kindheit und Jugend in Berlin unter derselben Anschrift gewohnt zu haben – auch wenn er an anderen Orten politisch arbeitete und fast während der gesamten NS-Diktatur im Zuchthaus und im Konzentrationslager war.
Nach der Schule absolvierte Fritz Bischoff eine kaufmännische Lehre und arbeitete als Angestellter. Bereits früh politisch aktiv, wurde er Mitglied der Arbeiterjugend und 1916 der Spartakusgruppe, 1918/1919 gehörte er zu den Gründungsmitgliedern der KPD. Für kurze Zeit arbeitete Bischoff bei der UFA. 1922 wegen seines Engagements in der KPD gemaßregelt, wechselte er den Arbeitsplatz und war bis Ende 1930 bei der sowjetischen Handelsvertretung in Berlin und Hamburg beschäftigt.
1923 heiratete Fritz Bischoff die 1901 geborene Charlotte Wielepp, von Beruf Kontoristin. Ihr Vater war vor dem Ersten Weltkrieg Redakteur des sozialdemokratischen Vorwärts gewesen, sie selbst – seit 1920 Mitglied des Kommunistischen Jugendverbands – trat im Jahr der Hochzeit in die KPD ein. 1924 wurde die gemeinsame Tochter Renate geboren.
Ende 1930 wurde Fritz Bischoff Vorsitzender der 1929 gegründeten Interessengemeinschaft für Arbeiterkultur und des Verbandes der proletarischen Freidenker. Beide Verbände wurden 1933 aufgelöst. Bischoff organisierte als politischer Leiter der KPD-Bezirksleitung Hessen-Frankfurt/Main seit dem Herbst 1933 den Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Seine Ehefrau Charlotte Bischoff hatte seit 1930 als Sachbearbeiterin für die preußische Landtagsfraktion und im Zentralkomitee der KPD gearbeitet. Im Dezember 1933 emigrierte sie mit der Tochter Renate in die UdSSR.
Fritz Bischoff wurde am 23. September 1934 in Heidelberg verhaftet und zu acht Jahren Zuchthaus verurteilt, die er – als Zwangsarbeiter eingesetzt – im Zuchthaus Kassel-Wehleiden verbrachte. Nach der Entlassung wurde er ins Konzentrationslager verschleppt, zuerst in das KZ Sachsenhausen, 1944 nach Neuengamme bei Hamburg, wo die Häftlinge Schwerstarbeiten für die Kriegswirtschaft leisten mussten. Er überlebte die Strapazen dieser Jahre.
Ende April 1945 aber wurde Fritz Bischoff mit Tausenden von KZ–Häftlingen des Lagers Neuengamme auf die Cap Arcona, eins von drei nicht als solche gekennzeichneten Gefangenen-Schiffen in der Lübecker Bucht, getrieben. Am 3. Mai 1945 kam er bei der Versenkung des ehemaligen Luxusdampfers durch Tiefflieger der britischen Luftwaffe ums Leben. Das kann bedeuten: Fritz Bischoff ist ertrunken oder – wie auch berichtet wird – von der SS bei einem Fluchtversuch erschossen worden.

Charlotte Bischoff lebte von 1938 bis 1941 in Schweden und kehrte 1941 zur illegalen Arbeit nach Deutschland zurück. Sie überlebte die NS-Diktatur und lebte wie die mit dem SED-Politiker Bruno Leuschner verheiratete Tochter Renate in der DDR, zuletzt in dem nach ihrem Ehemann benannten Feierabendheim „Fritz Bischoff“ in Berlin-Marzahn, heute ein privates Pflegeheim. 1994 ist sie in Berlin gestorben.


Biographical Compilation

Dietlinde Peters

Additional Sources

Berliner Adressbuch
Facetten-Magazin Neukölln August 2014
Simone Barck: Antifa-Geschichte(n): Eine literarische Spurensuche in der DDR der 1950 und 1960er jahre, Köln/Weimar(Wien 2003
Hermann Weber/Andreas Herbst (Hrsg.): Deutsche Kommunisten, Biographisches Handbuch 1918 bis 1945, Berlin 2008
Museum Neukölln