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Arthur Gadiel

Stolperstein für Arthur Gadiel. Copyright: Mauren Antkowski
LOCATION
Grunewaldstr. 46

DISTRICT
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
STONE WAS LAID
09/01/2014

BORN
10/01/1901 in Wrocław / Breslau (Schlesien)
OCCUPATION
Kaufmann in der Textilbranche
ESCAPE
Herbst 1935 in die Niederlande, nach England und ab September 1938 nach Palästina
FLIGHT INTO DEATH
04/03/1948 in Tel-Aviv

Arthur Gadiel wurde am 1. Oktober 1901 als zweites Kind des Kaufmanns Moritz Gadiel und dessen Frau Cäcilie in Breslau geboren. Arthur hatte noch eine Schwester Hertha. Im Jahre 1903 siedelte die Familie nach Berlin über. Arthur Gadiel besuchte die Realschule, absolvierte eine kaufmännische Lehre, erhielt eine praktische Ausbildung und arbeitete schließlich als selbstständiger Kaufmann. Am 1. August 1928 gründete er eine Damenkleiderkonfektionsfirma in der Kronenstraße 36 in Mitte. Die Firma zählte bis zu 15 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter und verfügte über Räume von insgesamt ca. 130 m², für die er 160,-- RM Miete zahlte. Im Jahre 1933 erwirtschaftete er einen Umsatz in Höhe von 202.447,-- RM. Seine Kleider wurden im Berliner Umland verkauft, aber auch nach Köln, Frankfurt/M. und München exportiert. Im Dezember 1926 hatte er Johanna Fein geheiratet. Ab 1933 wohnte er mit ihr in der Grunewaldstraße 46, zuvor lebten sie am Kaiserdamm. Seine Eltern und seine verwitwete Schwester Hertha Vohs und ihre drei Kinder lebten ganz in der Nähe in der Apostel-Paulus-Straße 26. Nachdem seine erfolgreiche kaufmännische Tätigkeit durch die Boykottmaßnahmen durch die Nationalsozialisten immer mehr eingeschränkt und er von der Gestapo des "Devisenvergehens" angeklagt und demütigenden Verhören unterzogen worden war, entschloss er sich im Jahre 1935 zur Flucht aus Deutschland. Kurz zuvor hatte er sich von seiner Frau scheiden lassen. Auf seiner Flucht aus Deutschland wurde er von Agnes Weißstock begleitet, die ebenfalls verheiratet gewesen war und seit 1930 in seiner Firma als Direktrice gearbeitet hatte. Im Herbst 1935 lebten sie in den Niederlanden, anschließend in England, wo sie heirateten, und ab September 1938 in Palästina. Die Tätigkeit seiner Firma in der Kronenstraße 36 wurde am 1. Januar 1936 eingestellt und das Unternehmen im Jahre 1937 liquidiert. Zuvor war sie unter die Aufsicht eines Bücherrevisors gestellt worden.
In Palästina aber wurden Arthur und Agnes Gadiel nicht glücklich. Beruflich konnte er keinen Fuß mehr fassen und seine Frau musste nun als Schneiderin arbeiten. Arthur Gadiel fühlte sich entwurzelt, fand keinen Zugang zu der ihm fremden Sprache und Kultur und wurde zunehmend depressiv. Dass ihm dort trotz größter Anstrengungen kein beruflicher Neuanfang gelang, finanzielle Misserfolge, die Nachricht, dass seine Eltern nach Theresienstadt deportiert wurden und auch seine Schwester Hertha und sein jüngerer Neffe Werner in Auschwitz verschollen waren, sowie unterschiedliche Krankheiten führten schließlich dazu, dass er am 3. April 1948 in Tel-Aviv mit einer Überdosis Schlaftabletten Selbstmord beging.


Biographical Compilation

Dr. Judith Hahn

Additional Sources

Recherchen der Patinnen; LABO; Jüdisches Adressbuch 1931; Jüdische Gewerbebetriebe in Berlin 1930-1945 (http://www2.hu-berlin.de/djgb/www/find)