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Herbert Simon Brinitzer

Stolperstein für Herbert Brinitzer. Fotorechte: D. Janke.
Verlegung der Stolpersteine vor der Humboldt-Universität Berlin, Unter den Linden 6. Fotorechte: Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin.
LOCATION
Unter den Linden 6

DISTRICT
Mitte – Mitte
STONE WAS LAID
July 2010

BORN
08/29/1911 in Kattowitz (Schlesien) / Katowice
OCCUPATION
Mediziner
FORCED LABOUR
at
Fa. in Paderborn
DEPORTATION
on the 1st of March 1943 to Auschwitz
MURDERED
11/26/1943 in Auschwitz

Herbert Simon Brinitzer wurde als Sohn von Artur - vermutlich einem Tischler (1) - und Henriette Brinitzer am 29. August 1911 in Kattowitz geboren. Seine Mutter wurde von ihrem Wohnort Beuthen am 12. Juni 1942 nach Auschwitz deportiert und gilt seitdem als verschollen. (2) Über den weiteren Verbleib des Vaters ist nichts bekannt, sein Todesdatum ist im Gedenkbuch des Bundesarchivs für den 12. April 1940 vermerkt. (3)

Wann und wie Herbert Brinitzer nach Berlin gelangte, ist nicht bekannt. Wie die Stammrolle für Reichsdeutsche Nichtarier an der Universität Berlin aus dem Universitätsarchiv belegt, war er bis zum 1. Oktober 1936 offiziell an der Berliner Universität an der Medizinischen Fakultät eingeschrieben. (4) Sein Abgangszeugnis konnte nicht aufgefunden werden.

Bei der Volkszählung 1939 gab er an, wohnhaft in Beuthen, Oberschlesien, in der Bahnhofstraße 29 zu sein (5) - der Adresse, unter welcher auch seine Eltern laut dieser Volkszählung gemeldet waren. (6)

Der nächste Hinweis von Herbert Brinitzer lässt sich im Zusammenhang mit dem Jüdischen Umschulungs- und Einsatzlager am Grünen Weg in Paderborn, das von 1939 bis 1943 existierte, finden. Dieses Lager wurde Ende Juni 1939 als sogenanntes Hachscharah-Kibbuz (7) gegründet. In einem Vertrag zwischen der Reichsvereinigung der deutschen Juden und der Stadt Paderborn war das Grundstück am Grünen Weg unentgeltlich zur Verfügung gestellt worden, damit im Zuge der jüdischen Selbsthilfe junge Juden zu ,körperlicher, vorwiegend landwirtschaftlicher und gärtnerischer Arbeit als Vorbereitung ihrer Auswanderung' ausgebildet werden konnten. (8) Das Hachscharah-Kibbuz unterstand dem deutschen Landesverband der Hechaluz, als Hinwendung der deutschen jüdischen Jugend nach Palästina. (9)

Herbert Brinitzer versuchte offenbar, wie viele tausende andere Juden auch, nach Palästina zu emigrieren. Diese hürdenvolle Aufgabe (10) wurde schließlich ab Oktober 1941 unmöglich, da der Reichsführer-SS Heinrich Himmler durch eine Geheimanordnung die Auswanderung einstellen ließ. Herbert Brinitzer meldete sich vom Hachschara-Kibbuz in Klein-Schnellendorf am 24. Mai 1940 in das Umschulungslager in Paderborn um. Dorthin kam auch seine zukünftige Ehefrau Charlotte Seligmann (11) am 6. Januar 1941, die als vorherigen Wohnort Chemnitz angab. (12)

Im Juni 1941 wurde durch einen erneuten Vertrag das Lager in ein Arbeitslager für 100 Personen, ein sogenanntes Einsatzlager, umgewandelt. Die Insassen, seit September 1941 gezwungen, den Gelben Stern zu tragen, mussten nun Zwangsarbeit in der Stadt leisten.

Laut eines Eintrages des Standesamts in Paderborn heirateten Herbert Brinitzer und Charlotte Seligmann am 9. Februar 1942. (13) Da sie zu den Älteren der Gruppe gehörten, bildeten sie wahrscheinlich eine gesonderte Gemeinschaft als die jüngeren Bewohnerinnen und Bewohner, die auf Grund verschiedener Hachschara-Lagerauflösungen 1941/42 nach Paderborn gekommen waren. (14) Sie wohnten vermutlich sogar in einer eigenen Baracke für Ehepaare.

Herbert und seine Frau Charlotte Brinitzer wurden gemeinsam mit allen Bewohnerinnen und Bewohnern des Einsatzlagers am Grünen Weg am 1. März 1943 über Bielefeld ins Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Über Charlotte Brinitzers Schicksal ist nichts weiter bekannt; sie gilt als verschollen. (15) Herbert Brinitzer kam nach Auschwitz III, Buna-Monowitz (16) und erhielt die Häftlingsnummer 104906. Am 26. November 1943 verstarb er in Monowitz. (17)

Viele Informationen verdanken wir den Recherchen von Ron Brinitzer, dem Großneffen von Herbert Brinitzer. Für seine Anregungen sei ihm herzlich gedankt. Dank gebührt ebenso dem ehemaligen Bewohner des Lagers Grüner Weg, Israel Löwenstein, sowie der Historikerin Dr. Naarmann.


Biographical Compilation

Verena Bunkus, Trudy Dahan, Sheer Ganor, Martin Hagmayr, Héla Hecker, Ewa Miskiwicz (Projektgruppe Stolpersteine, Berlin-Stipendien 2009/10)

Dokumentation an der HU-Berlin: http://www.hu-berlin.de/ueberblick/...