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Kurt Ingwer

Stolperstein Kurt Ingwer © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
Stolpersteine Familie Ingwer © Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin
LOCATION
Boxhagener Str. 119

DISTRICT
Friedrichshain-Kreuzberg – Friedrichshain
STONE WAS LAID
06/02/2016

BORN
12/29/1923 in Berlin
OCCUPATION
Maler
FORCED LABOUR
Möbellackierer
at
ESCAPE
nach Palästina
SURVIVED

Kurt Ingwer wurde am 26. Dezember 1923 in Berlin-Friedrichshain geboren. Er war Sohn von Simon und Rosa Ingwer, die seit ihrer Heirat 1922 in der Boxhagener Straße 118 in einer gutbürgerlichen 3-Zimmer-Wohnung lebten.

Wir wissen wenig über Kurts Kindheit, außer, dass sein Vater Simon als Kaffeeröster bei Hertie arbeitete und seine Mutter Hausfrau war. Er hatte einen vier Jahre jüngeren Bruder namens Günther. Zwei Wochen nach den Pogromen am 9. November 1938 musste Kurt wegen seiner jüdischen Herkunft die Mittelschule frühzeitig verlassen. Er wurde gezwungen, Zwangsarbeit in einer Möbellackiererei zu leisten. Auch sein Vater Simon wurde nach 18-jähriger Anstellung hinausgeworfen und wurde zu Zwangsarbeit bei der Berliner Müllabfuhr verpflichtet. Im Laufe des Jahres 1939 muss Kurt in ein landwirtschaftliches Ausbildungslager der Hachscharot-Bewegung gezogen sein. Diese zionistische Bewegung versuchte, jungen Juden und Jüdinnen eine zumindest rudimentäre Ausbildung und Auswanderung nach Palästina zu ermöglichen, um der zunehmenden Verfolgung der Nazis zu entgehen. Von diesen Ausbildungsstätten gab es allein 8 in Brandenburg. Kurt selbst schreibt später, dass er mit der „Jugendauswanderung“ nach Palästina ging; dieser Begriff wurde später mit der Jugend-Alijah bezeichnet. Da von den Briten von Oktober 1939 bis April 1940 eine Einwanderungssperre für das palästinensische Mandatsgebiet verhängt worden war, ist anzunehmen, dass Kurt Teil der Alijah-Bet war, der Auswanderungswelle nach Palästina, die nur illegal ins Land kommen konnte. Im Land angekommen, arbeitete er zwei Jahre lang in der Landwirtschaft. Da er als 17-jähriger eingereist war, ist es wahrscheinlich, dass er in einem Kibbuz der Hachscharot-Bewegung lebte und arbeitete.

1942 wurde er dann von der britischen Armee zum Militärdienst eingezogen und erst Ende 1946 entlassen. Direkt nach der Staatsgründung Israels wurde er im Mai 1948 abermals für 19 Monate zum Militärdienst des jungen Staates eingezogen.

Sein Vater, seine Mutter und sein jüngerer Bruder wurden in Auschwitz ermordet.

Nach dem Krieg erstritt Kurt gemeinsam mit seinem Halbbruder Berthold eine geringfügige Entschädigung für den Vermögensverlust der Familie und die Zwangsarbeit. Für die Ermordung ihrer Familienmitglieder erhielten die Brüder nie etwas. Kurt lebte weiterhin in Israel, hielt aber Kontakt zu seinem Halbbruder, der aus dem Exil in Kolumbien zurück nach Berlin gekehrt war.


Schulprojekt mit der Zille-Schule, Berlin-Friedrichshain

Biographical Compilation

Sophia Schmitz, Koordinierungsstelle Stolpersteine Berlin