Skip to main content
Skip to content Skip to navigation

Samuel Wolkenheim

Stolperstein für Samuel Wolkenheim. Foto: OTFW.
LOCATION
Elberfelder Str. 20

DISTRICT
Mitte – Moabit
STONE WAS LAID
March 2009

BORN
11/04/1892 in Bielitz-Biala (Posen) / Bielsko-Biała
OCCUPATION
Kaufmann Handelsvertreter
DEPORTATION
on the 1st of November 1941 to Łódź / Litzmannstadt
DEAD
10/25/1942 in Ghetto Litzmannstadt / Łódź

Samuel Wolkenheim wurde am 4. November 1892 in Bielitz-Biala (heute: Bielsko-Biała / Polen) in einer jüdischen Familie geboren. Er hatte die polnische Staatsangehörigkeit. Seine Eltern waren der Kaufmann Josef Wolkenheim und dessen Ehefrau Yehudit (auch: Gitl, Yeti). Er war das älteste von vier Kindern. Seine zwei Brüdern hießen Siegmund und Leopold, seine Schwester Adele.

Vermutlich im Jahr 1914 ging Samuel Wolkenheim zusammen mit seiner Familie nach Berlin. In Berlin arbeitete er als Textilkaufmann. Er wohnte mit seinem Vater und einem der Brüder in einer 3-Zimmer-Wohnung im Gartenhaus in der Dortmunder Straße 6, Berlin-Moabit.

Im Juni 1935 heiratete Samuel Wolkenheim die Berlinerin Selma Orlow, die nach der Hochzeit zu ihm in die Dortmunder Straße zog. Ihren Angaben zufolge starb die Mutter von Samuel Wolkenheim im Jahr 1937. Der Vater Josef Wolkenheim wurde am 28. Oktober 1938 von der Gestapo verhaftet und im Rahmen der sogenannten Polenaktion nach Zbąszyń/Bentschen an der polnischen Grenze ausgewiesen. Von Zbąszyń/Bentschen kam er in das Ghetto von Bielsko Biala und wurde anschließend in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert, wo er ermordet wurde. Vermutlich wurden die beiden Brüder Siegmund und Leopold Wolkenheim zusammen mit dem Vater ausgewiesen. Auch für sie lassen sich Angaben finden, dass sie im Ghetto von Bielsko Biala waren und in Auschwitz ums Leben kamen.

Samuel Wolkenheims Frau Selma wanderte im Januar 1939 zu ihrem Bruder nach Paris aus. Sie berichtete später, dass ihr Mann in Berlin zurückgeblieben sei. Er habe die Absicht gehabt, illegal über die Grenze zu gehen, um so den wertvollen Familienschmuck mitnehmen zu können, der sonst beschlagnahmt worden wäre. Bis zum Kriegsausbruch im September 1939 blieb sie mit ihrem Mann in Briefverkehr. Er habe ihr wiederholt von seinen Versuchen berichtet, Deutschland zu verlassen. Drei seiner Versuche, über die deutsch-belgische Grenze zu kommen, seien gescheitert. Er habe dabei gesehen, dass man flüchtende Juden gefasst und festgenommen hatte, und schließlich den Mut verloren.

Samuel Wolkenheims Schwester Adele gelang noch 1939 gemeinsam mit ihrem Ehemann Ferdinand Singer die Auswanderung nach England. So blieb er als einziges Mitglied der Familie in Berlin zurück. Seiner Frau zufolge wurde er zur Zwangsarbeit bei einer Wäschefabrik namens „Hansa“ verpflichtet.

Aus der Wohnung in der Dortmunder Straße zog er vermutlich Anfang 1939 aus. Zum Zeitpunkt der Volkszählung im Mai 1939 war er in der Elberfelder Straße 20 gemeldet, die sich ebenfalls in Moabit befand. Der letzte Wohnsitz von Samuel Wolkenheim vor seiner Deportation war den Wiedergutmachungs- und Entschädigungsakten zufolge ein Zimmer am Holsteiner Ufer 4 in Berlin-Tiergarten, das er zur Untermiete bewohnte.

Am 1. November 1941 wurde Samuel Wolkenheim mit dem „IV. Transport“ vom Bahnhof-Grunewald deportiert. Der Transport mit etwa 1030 Berliner Jüdinnen und Juden erreichte Łódź am 2. November 1941. Hier befand sich das Ghetto Litzmannstadt, benannt nach dem deutschen General Karl Litzmann. Im Frühling 1940 waren die im Norden der Stadt Łódź gelegenen und besonders schlecht versorgten Viertel mit einem Holzzaun und Stacheldrahtzäunen abgesperrt worden. Die Lebensbedingungen im überfüllten Ghetto waren katastrophal. Es gab weder Elektrizität noch fließendes Wasser. Etwa ein Viertel der Bewohnerinnen und Bewohner kam infolge von Krankheiten und Hunger ums Leben. Samuel Wolkenheim starb dort am 25. Oktober 1942, wenige Tage vor seinem 50. Geburtstag.


Neuere Recherchen haben ergeben, dass die Elberfelder Straße fpr Samuel Wolkenstein kein frei gewählter Wohnort gewesen war.

Biographical Compilation

Janna Lölke

Additional Sources

Mitte Museum;
Daten aus der Volks-, Berufs- und Betriebszählung vom 17. Mai 1939 und der „Liste der jüdischen Einwohner im Deutschen Reich 1933–1945“ über https://www.tracingthepast.org/mapp...
http://histomapberlin.de/histomap/d...
http://www.statistik-des-holocaust.de/, Liste der „Eingesiedelten“ aus dem Ghetto Litzmannstadt.