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Dr. Hans Albert Eiseck

Stolperstein für Hans Eiseck © OTFW
LOCATION
Yorckstraße 10

DISTRICT
Friedrichshain-Kreuzberg – Kreuzberg
STONE WAS LAID
02/11/2016

BORN
01/22/1900 in Berlin
OCCUPATION
Arzt
ESCAPE
März 1934 Italien
INTERNIERT
from the 13th of August 1943 up to the 30th of August 1943 in Civitella del Tronto / Italien
INTERNIERT
from the 31st of August 1943 up to the 1st of August 1944 in Durchgangslager Fossoli / Italien
DEPORTATION
on the 2nd of August 1944 from Durchgangslager Fossoli / Italien to Auschwitz
LATER DEPORTED
on the 27th of October 1944 to Dachau
MURDERED
03/24/1945 in Kaufering I (Landsberg), Außenlager KZ Dachau

Hans Eiseck wurde am 22. Januar 1900 in Berlin-Kreuzberg als Sohn von Ida Cohen und Dr. Ernst Eiseck, der als Arzt in der Belle-Alliance-Straße (heute Mehringdamm) tätig war, geboren. Zwei Jahre nach seiner Geburt verlegte der Vater sowohl die Praxis als auch den Wohnsitz in das Haus Yorckstraße 10, wo die Familie mehr als 40 Jahre wohnte.
Die Eltern hatten 1897 geheiratet. Mutter Ida Cohen stammte aus Hannover und war eine engagierte Kunstliebhaberin. Sie war bekannt mit der Kunsthistorikerin und Ägyptologin Hedwig Ferchheimer, für die sie über viele Jahre hinweg Vortragsmöglichkeiten organisierte. Vater Ernst Eiseck war Mitglied der Berliner Gesellschaft für Anthropologie, Ethnologie und Urgeschichte. Im Hauptberuf war er jedoch als praktischer Arzt tätig und hatte über vier Jahrzehnte seinen Wirkungskreis im westlichen Teil Kreuzbergs. Nach dem Tod des Vaters im Alter von 69 Jahren im September 1930 übernahm Hans Eiseck, der ebenfalls Medizin studiert und einen Doktortitel erlangt hatte, die seit 1903 im Haus Yorckstraße 10 befindliche Praxis. Seine Dissertation „Über Patellafrakturen und ihre Behandlungsarten“ veröffentlichte er 1927 im Verlag Emil Ebering.
Doch bereits im Jahr 1934 musste Hans Eiseck Deutschland verlassen und flüchtete vor der nationalsozialistischen Verfolgung nach Chiusa (Klausen) in Südtirol, wo er einen Hof erwarb und seinen Lebensunterhalt mit Obstanbau zu verdienen suchte. Fortan führte er den Vornamen Giovanni, heiratete am 14. Dezember 1935 in Hampstead (England) und lebte mit seiner Frau und der am 25. Februar 1939 in Bressanone geborenen Tochter bis 1940 auf dem eigenen Hof in Chiusa. Auch seine Mutter Ida Eiseck und seine Schwester Gertrud kamen zu längeren Aufenthalten nach Chiusa, kehrten aber nach Berlin zurück. Als 1938 die italienischen Rassengesetze eingeführt wurden, musste Hans Eiseck die Provinz Bozen verlassen. Nach der Besetzung Italiens durch deutsche Truppen wurde er am 30. November 1943 in Civitella del Tronto in der Provinz Teramo schließlich verhaftet und im Lager Fossoli bei Verona festgehalten. Am 22. August 1944 erfolgte die Deportation in das Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Von dort wurde er am 27. Oktober 1944 in das Konzentrationslager Dachau verschleppt. Im Außenlager Kaufering des Konzentrationslagers Dachau kam Hans „Giovanni“ Eiseck am 23. März 1945 ums Leben.
Auch die Mutter und die Schwester von Hans Eiseck wurden Opfer der Shoah. Die Mutter Ida Cohen wurde am 28. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie 1 ½ Jahre unter unwürdigen Bedingungen überlebte. Von dort wurde sie in das Vernichtungslager Auschwitz verschleppt, wo sie am 16. Mai 1944 ermordet wurde. Dorthin war bereits ein Jahr zuvor die zwei Jahre ältere Schwester Gertrud Eiseck deportiert worden. Auch sie wurde in Auschwitz umgebracht.
Der Besitz von Hans Eiseck in Chiusa wurde im November 1944 als feindliches Eigentum beschlagnahmt, soll aber in der Nachkriegszeit nach einer Untersuchung durch die Anselmi-Kommission an die rechtmäßigen Erben rückgestellt worden sein. Die Ehefrau und die Tochter von Hans Eiseck überlebten Krieg und Verfolgung. Seine Frau starb am 14. Juni 1986 in Berlin. Erst gegen Ende des Jahres 2005 wurde das noch immer auf Schweizer Konten bestehende Guthaben Hans Eisecks an seine Tochter ausbezahlt.


Biographical Compilation

Burkhard Hawemann

Additional Sources

Staatsbibliothek Berlin – Zeitungsarchiv; Deutsche Nationalbibliothek ; Hrsg.: Jüdisches Museum Meran, Mörderische Heimat. Verdrängte Lebensgeschichten jüdischer Familien in Bozen und Meran, Bozen 2015; Sylvia Peuckert, Hedwig Ferchheimer und die Ägyptische Kunst. Leben und Werk einer jüdischen Kunstwissenschaftlerin in Deutschland, Berlin 2014.