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Gertrud Lea Wolff (born Saalfeld)

Stolperstein für Gertrud Lea Wolff, Foto Stolpersteine-Initiative CW, Hupka
LOCATION
Niebuhrstraße 76

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
STONE WAS LAID
06/16/2016

BORN
11/23/1889 in Cammin (Pommern) / Kamień Pomorski
DEPORTATION
on the 19th of January 1942 from Niebuhrstraße 76, Berlin to Riga
MURDERED
November 1943 in Riga

Gertrud Lea Wolff geb. Saalfeld wurde am 23. November 1889 in Cammin (Pommern) geboren. Sie war die Schwester von Alisa (Alice) Ester Jacks geb. Saalfeld, geboren am 28. September 1883 in Cammin. Beide waren die Töchter von Isidor und Bertha Saalfeld. Isidor war auch der Vater von zwei Kindern aus einer früheren Ehe, Richard und Else.

1903, als sie 24 Jahre alt war, heiratete Gertrud Kurt Wolff und ging dann nach Stettin, um dort mit ihm zu leben. Kurt und Gertrud hatten zwei Töchter: Edith, die 1906 geboren wurde, und Gerdi (Judith), die 1909 geboren wurde. Sie starb 1994 in Israel.

Gertrud und ihr Mann erbten das Familienunternehmen Hirsch, Abraham Saalfeld und Söhne, das mit Herrenkonfektion handelte. Dieses Unternehmen wurde vom Großvater von Isidor Hirsch, Abraham Saalfeld, gegründet (er war der Großvater Judiths). Kurt Wolff starb 1920, als Gertrud 31 Jahre alt war und Gerdi 11 Jahre alt.

Einige Jahre später gingen ihre Töchter Edith und Gerdi nach Berlin, um dort zu leben und um Physiotherapie und Musik zu studieren. 1928 fuhren Edith und Gerdi nach Stettin, um ihre Mutter zu besuchen; doch Edith wurde krank und starb an den Folgen einer Epidemie. Bald darauf zogen Gerdi und ihre Mutter Gertrud nach Berlin. Das Familienunternehmen von Leopold Klein wurde nicht verkauft, damit die Familie von dem Ertrag des Unternehmens leben konnte, sondern es wurde ihr übertragen.

Gertrud reiste 1938 nach Israel, um ihre erste Enkeltochter Ruthi, die 1 Jahr alt war, zu besuchen. Sie ging trotz der beginnenden Judenverfolgung in Deutschland zurück nach Berlin. Am 19. Januar 1942 wurde Gertrud mit ihrer Schwester Alisa aus ihrem Berliner Haus in der Niebuhrstraße 76 deportiert und nach Riga, das von den Nazis besetzt war, gebracht.

Ilse Rodolfsohn, eine Überlebende des Ghettos Riga, schrieb in einem Brief an Dr. Rudi Rosner vom 28.12.1945, dass sie nach dem Tod ihrer eigenen Eltern im Ghetto ganz glücklich war, Gertrud und ihre Schwester Alisa kennen gelernt zu haben.

Was sie über Gertrud Wolff und ihre Schwester Alisa Jacks schrieb:
“Ich blieb ganz allein und ich war glücklich, eine Woche später Frau Jacks zu treffen. Dann hielten wir zusammen und im Laufe der Jahre haben wir uns gegenseitig unterstützt, soweit wir konnten.
Die ersten zwei Jahre haben wir im Ghetto Riga gelebt; etwa ein Jahr von diesem Zeitpunkt ist Trudchen Wolff im Lazarett geblieben. Gertrud war krank mit einem sehr starken Ischias. … Wenigstens hatten wir dann das Lazarett zu unserer Verfügung. Später in den anderen Lägern weit von Riga, war das nicht mehr so. Die Arme hat sehr gelitten, und als das Ghetto im November 1943 geleert wurde, wurde sie mit allen Insassen des Lazaretts deportiert. Nach meiner Erfahrung, muss ich leider bestätigen, dass sie getötet wurde. Nach der Evakuierung des Ghettos wurden alle noch lebenden Bewohner zum Konzentrationslager in Riga bewegt oder zur Kasernierung in anderen KZ-lagern.

Der Fall wollte, dass ich bei der Kasernierung noch Frau Jacks getroffen hatte. Sie hat mutig durchgehalten, trotz der Anstrengungen und der harten Arbeit, vielleicht in der Hoffnung, wieder ihre liebe Annemarie zu sehen. Leider ist es nicht geschehen. Auch sie war im Juli 1944 mit einem unbekannten Transport deportiert worden. Vermutlich ist sie nicht mehr am Leben. Dieses sind die ganz traurigen Ereignisse, über die ich Ihnen heute schreibe, verehrter Dr. Rosner. Aber ich denke, dass es besser ist, die Sachen klar zu wissen, als in Unwissenheit zu leben. Leider haben alle von uns, die noch in Deutschland lebten, so viele schreckliche Sachen erlebt, dass es keine ausreichenden Wörter gibt, um alles darzustellen.”

Gertrud Wolff wurde im November 1943 ermordet, als sie 64 Jahre alt war.

Auch Alisa Jacks war nach Riga deportiert worden. Sie wurde 1942 nach Stutthof ins Konzentrationslager gebracht und 1945 dort ermordet. Die Familie wünschte für sie keinen Stolperstein.

Nachkommen von Else sind die Familie des Sohnes von Rudi Rosner, Ronnie Rosner, die Vettern zweiten Grades sind, und Tsillie Café. Die Nachkommen von Alisa Jacks sind Gabi und Miki Shai, ebenfalls Vettern zweiten Grades.


Biographical Compilation

Eva Respaut (Frankreich)