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Dr. Gustav Bamberg

Dr. Gustav Bamberg und seine Frau Ella Alice, 1928 © Privatbesitz
Familie Bamberg um 1928 © Privatbesitz
Familie Bamberg um 1938 © Privatbesitz
LOCATION
Wilhelmstraße 2

DISTRICT
Friedrichshain-Kreuzberg – Kreuzberg
STONE WAS LAID
03/19/2018

BORN
10/11/1873 in Bernburg (Anhalt)
OCCUPATION
Frauenarzt
ESCAPE
1940 Argentinien
SURVIVED

Gustav Bamberg wurde am 11. Oktober 1873 in der anhaltinischen Stadt Bernburg an der Saale geboren. Er war der Sohn von Adolph Bamberg (1837–1922) und Paulina Bamberg, geborene Ahlfeld (1845–1909). Gustav wuchs im Kreis von vier Geschwistern auf: Seine ältere Schwester Mathilde Bamberg war 1868 geboren worden, seine Brüder Georg und Paul 1869 und 1870 und sein jüngerer Bruder Karl 1875. Zwei weitere Geschwister, Johanne und Franz Bamberg, waren kurz nach ihrer Geburt 1871 und 1878 verstorben. Über das Elternhaus, die Kindheit und Jugend von Gustav und seinen Geschwistern haben sich keine Informationen erhalten. Seine Eltern gehörten aber aller Wahrscheinlichkeit zur Jüdischen Gemeinde Bernburgs. Nach seinem Schulabschluss studierte Gustav Bamberg Medizin, promovierte 1898 an der Universität Würzburg mit einer Arbeit zum Harnzuckerspiegel mit dem Titel „Untersuchungen über den Einfluss der Leber auf das Zustandekommen der alimentären Glycosurie“ und erhielt im Juni 1899 seine Approbation. Zwischen 1900 und 1903 war Gustav Bamberg Assistenzarzt in der Privatklinik des renommierten Gynäkologen Paul Ferdinand Straßmann (1866–1938). 1903 ließ sich Gustav Bamberg als Frauenarzt und Geburtshelfer in Berlin nieder.

Im darauffolgenden Jahr trat er der Berliner Medizinischen Gesellschaft bei. Im Alter von 32 Jahren heiratete er am 5. September 1906 in Charlottenburg die acht Jahre jüngere Berlinerin Ella Alice Mann. Sie war die Tochter von Louis Mann und Johanna Luise Mann, geborene Behrens. Zum Zeitpunkt der Hochzeit lebte Gustav Bamberg in einer Wohnung in der Friedrichstraße 247 und hatte hier auch seine Praxis. Nach der Eheschließung suchte sich das Ehepaar eine gemeinsame Wohnung am Kurfürstendamm 40/41. Neben der Arbeit in seiner Praxis praktizierte Gustav Bamberger zu dieser Zeit außerdem noch im Ambulatorium für Frauenleiden in der Friedrichstraße 249. Am 24. Januar 1908 bekamen Gustav und Ella Bamberg ein Kind, ihren Sohn Ernst. Im selben Jahr konvertierte Gustav Bamberg zur evangelischen Konfession. Im Juli 1910 kam ihr zweiter Sohn, Paul Hans, zur Welt. 1912 zog die Familie in eine Wohnung in der Uhlandstraße 175, wo Gustav und Ella Bamberg mehr als 20 Jahre wohnen bleiben sollten und wo Gustav Bamberg auch seine Praxis hin verlagerte. In den 1910er-Jahren übernahm der Gynäkologe außerdem die Leitung der Säuglings-Fürsorgestelle III In der Markthalle am Arminiusplatz in Moabit. Vermutlich war Gustav Bamberg als Feldarzt im Ersten Weltkrieg eingesetzt. Es existiert eine Verwundetenmeldung eines Gustav Bamberg aus Bernburg, der im II. Pionier-Bataillon Nr. 15 diente, und am 25. Oktober 1915 schwer verwundet wurde. Leider haben sich keine weiteren Quellen erhalten, die einen Einblick in das Leben von Gustav Bamberg und seiner Familie im Berlin der ausgehenden Kaiserzeit und der Weimarer Republik geben könnten.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen Gustav Bamberg und seine Verwandten. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Abgesehen von Boykottmaßnahmen, behördlichen Schikanen und Verhaftungsaktionen wurde die Schlinge für jüdische Ärzte durch eine Flut von Verordnungen und Gesetze schrittweise enger gezogen: So wurden mit insgesamt sieben Verordnungen von 1933 bis 1937 „nichtarischen“ Ärzten nach und nach die Kassenzulassungen entzogen; mit dem „Gesetz zur Wiederherstellung des Berufsbeamtentums“ vom 7. April 1933 waren sie vom öffentlichen Gesundheitswesen ausgeschlossen, mit der Verordnung vom 20. November 1933 durften sie keine ärztlichen Fortbildungskurse mehr besuchen und wurden vom ärztlichen Bereitschaftsdienst ausgeschlossen; ab dem Jahr 1936 durften sie nicht mehr mit „deutschstämmigen“ Ärzten zusammenarbeiten. Gustav und Ella Bamberg zogen 1935 in eine Wohnung in der Wilhelmstraße 143, im selben Jahr eröffnete Gustav Bamberg, der nicht mehr im städtischen Gesundheitswesen Berlins tätig sein durfte, eine Privatklinik in der Passauer Straße 29. 1938 musste er auch diese schließen, als ihm am 30. September 1938 wie allen jüdischen Ärzten und Ärztinnen mit der „vierten Verordnung zum Reichsbürgergesetz“ die Approbation entzogen wurde. Im Jahr 1939 entschlossen sich Gustav und Ella Bamberg, das Land zu verlassen. Sie flohen nach Südamerika und erreichten am 5. Januar 1940 Buenos Aires in Argentinien. Gustav Bamberg, seine Ehefrau und seine Kinder Ernst und Paul Hans überlebten genauso wie sein Bruder Georg Bamberg und dessen Familie die NS-Verfolgung im südamerikanischen Exil. Sein Bruder Paul starb unter ungeklärten Umständen am 3. Dezember 1944 in Berlin. Das Schicksal seiner Schwester Mathilde Bamberg, verheiratete Reiche, sowie von seinem Bruder Karl Bamberg ist ungeklärt.


Biographical Compilation

Indra Hemmerling

Additional Sources

Verlustlisten des Ersten Weltkriegs: Seite 9595: Gustav Bamberg (Bernburg). Online unter: http://des.genealogy.net/search/sho... (aufgerufen 22. August 2019)
Eheanzeige Gustav Bamberg und Ella Alice Mann (Nr. 467, Charlottenburg am 5. September 1906); Eheregister der Stadt Berlin 1874–1920. Faksimile online unter: ancestry.com (aufgerufen am 15. Oktober 2019)
Eintrag zu Gustav Bamberg in der Genealogie-Datenbank Geni. Online unter: https://www.geni.com/people/Gustav-... (aufgerufen am 16. Oktober 2019)
Verwaltungs-Bericht des Magistrats zu Berlin für das Jahr 1910. No. 16. Bericht der städtischen Waisendeputation. Online unter: https://digital.zlb.de/viewer/fullt... (aufgerufen am 15. Oktober 2019)
J. Jacobson: Sanoform als Ersatzmittel des Jodoforms. Von Dr. Gustav Bamberg, Assistent, In: Therapeutische Monatshefte 1/1906, S. 42. Online unter: https://archive.org/details/therape... (aufgerufen am 16. Oktober 2019)
Sigrid Stöckel, Säuglingsfürsorge zwischen sozialer Hygiene und Eugenik. Das Beispiel Berlins im Kaiserreich und in der Weimarer Republik, Berlin / New York 1996, S. 212
Eintrag zu Gustav Bamberg, in: Schwoch, Rebecca (Hrsg.): Berliner jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus. Ein Gedenkbuch, Potsdam 2009, S. 67