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Ida Martha Philippson (born Tobias)

Stolperstein Ida Martha Philippson Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka
LOCATION
Mommsenstr. 51

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
STONE WAS LAID
05/10/2017

BORN
02/13/1874 in Berlin
DEPORTATION
on the 20th of November 1942 to Theresienstadt
MURDERED
12/09/1942 in Theresienstadt

Ida Martha Philippson geb. Tobias wurde am 13. Februar 1874 geboren. Ihr Vater hieß Theodor Tobias, ihre Mutter Emilie, geb. Leon. Der Vater ist vor Idas Geburt in Russland gestorben. Er war Pelzhändler, seine Frau führte einen Laden.
Ida Martha Tobias hat Julius Philippson geheiratet. Sie hatten drei Kinder: Theodor Jacob Hermann, geboren am 10. August 1897, Marie Louise (Mima), geboren am 17. Mai 1903, und Anne Leonie, geboren am 7. Dezember 1911.
Die Familie lebte in der Mommsenstraße 51, das Haus steht heute nicht mehr. Die Ehe war glücklich. Wie damals üblich, blieb Ida zu Hause und kümmerte sich um die Kinder. Sie war eine zierliche Person, aber hat die Familie wunderbar zusammengehalten, obwohl sie jung verwitwet war: Als Ida 38 Jahre alt war, starb ihr Mann an Krebs. Theo war 14, Mima neun Jahre alt und Anne ein Baby von sechs Monaten.
Zwei von Idas Kindern ist es gelungen, vor Ausbruch des Zweiten Weltkriegs nach England zu flüchten: Anne sowie Theo mit seiner Frau Marianne, deren Tochter Barbara 1944 in London zur Welt kam. Jedoch hatte Idas Tochter Mima dieses Glück nicht. Ihr Mann, Leon Rajcyn, ein Russe, den sie an der Universität in Berlin kennengelernt hatte, hatte Familie in Paris. Nach der Hochzeit in Berlin wohnten sie in Paris, wo im Juni 1937 ihre Tochter Juliane Emilie zur Welt kam. Alle drei wurden im Juli 1942 aufgegriffen und zum Velodrome d’Hiver gebracht. Dort sind sie voneinander getrennt worden. Die Eltern wurden nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Was mit ihrer sechsjährigen Tochter Juliane geschah, ist nicht bekannt.
Es ist sicherlich zu hoffen, dass Ida Martha Philippson nicht gewusst hat, was mit ihrer Tochter und deren Familie geschehen war. Am 20. November 1942 wurde sie selbst vom Anhalter Bahnhof in Berlin zum Ghetto Theresienstadt deportiert.
Die in den Vereinigten Staaten lebende Enkeltochter Barbara Solan besitzt Briefe, die ihre Großmutter aus Berlin ihrem Sohn in London geschrieben hat. Zwei davon enden mit „bis zum glücklichem Wiedersehen“ und „Dann soll uns unsere Liebe die Kraft geben auch diese Zeit zu überwinden bis zu einem endlichen Wiedersehen!“ Auf dem Briefumschlag von 1939 steht die Adresse Bregenzer Straße 14, auch eine Postkarte hat diesen Absender. Zuletzt war Ida Philippson zwangsweise in die Uhlandstraße 43 eingewiesen worden.
Theodor und Anne hatten sich bemüht, ihrer Mutter zum Verlassen Deutschlands zu verhelfen. Sie wandten sich an das Rote Kreuz und auch an amerikanische und jüdische Stellen, aber erfolglos. „Die beiden haben ihre Mutter enorm geliebt. Als Kind war ich immer traurig, dass ich meine Großmutter nicht gekannt habe“, erinnert sich die Enkelin.
Ihr fünfjähriger Enkel heißt mit Vornamen Tobias. „Wäre seine Ur-Urgroßmutter noch am Leben (mit 143 Jahren!), dann würde sie Großmutter für meine Cousine Juliana in Paris sowie für mich sein. Außerdem wäre sie Urgroßmutter meiner zwei Kinder und Ur-Urgroßmutter für meine fünf Enkelkinder. Nach mehr als siebzig Jahren und drei Generationen hat sich die Familie endgültig erholt und verjüngt“, schrieb sie Anfang 2017.


Biographical Compilation

Barbara E. Solan geb. Philippson