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Dorothea Schendel

Stolperstein Dorothea Schendel Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka
Fotos Familie Schendel Bild: Merle und Oliver Newland
LOCATION
Grolmannstr. 20

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
STONE WAS LAID
09/04/2018

BORN
1913 in Hohensalza / Inowrocław
OCCUPATION
Sekretärin
ESCAPE
1939 Neuseeland
SURVIVED

Dorothea Schendel, die 1913 in Hohensalza in der damals preußischen Provinz Posen als drittes Kind aus erster Ehe von Albert Schendl mit Henriette Speter geboren wurde, besuchte in Breslau das „Pawelsche Lyzeum“, erlernte Stenographie und Schreibmaschine, sodass sie später in Berlin Sekretärin bei „Arthur Leyser’s Damenbekleidung“ wurde. Sie lebte damals bei ihren Eltern in der Grolmannstr. 20.
Mit Hilfe des aus Fürstenwalde stammenden Heinz Eisig, der 1937 nach Neuseeland geflüchtet war, gelang auch ihr die Flucht aus Deutschland. Die beiden kannten sich schon aus Fürstenwalde, wo Heinz Trainer im „Turnverein Eiche e. V.“ war, dem auch Dorothea angehörte. Er hatte bei der neuseeländischen Regierung Dorotheas Einreiserlaubnis erwirkt, die als Bedingung vorsah, dass die beiden binnen eines Monats nach Dorotheas Ankunft heirateten. Dorothea kam am 1. Juli 1939 in Neuseeland an – ein Rabbiner stand schon bereit – und sie heiratete Heinz Eisig am 3. Juli 1939. Dorothea bezeichnete diese Möglichkeit, ihr Leben zu retten, lebenslang als einen „Lotteriegewinn“.
Auch die Einreiserlaubnis von Heinz Eisig 1937 war von der neuseeländischen Regierung mit einer Bedingung verbunden, nämlich dass er als Landwirt zu arbeiten habe – obwohl er das nicht war. Heinz und Dorothea arbeiteten hart auf einer Farm in einem isolierten Gebiet unter sehr primitiven Lebensbedingungen – aber sie waren in Sicherheit!
Dorothea und Heinz bekamen die Tochter Merle, die am 18. Juli 1940 geboren wurde, und den Sohn Ronald George, der am 5. November 1945 das Licht der Welt erblickte. Merle heiratete später Oliver Newland, geboren als Oliver Neuländer am 11. Dezember 1939. Dessen Eltern waren in den 1930er-Jahren ebenfalls aus Deutschland geflohen – aus Breslau nach Italien, Palästina, England und 1939 nach Neuseeland.
Heinz Eisig und seine Frau Dorothea, geb. Schendel, waren natürlich über das Schicksal ihrer in Deutschland verbliebenen Verwandten sehr besorgt. Ein Brief, den Dorothea 1964 einem Rechtsanwalt in Berlin geschrieben hat, gibt davon Zeugnis. Merle Newland zitiert daraus:
„Die schlimmste Zeit war während des Krieges. Es war Nerven beunruhigend, so lange nicht zu wissen, was mit der Familie in Deutschland passieren wird. Ich musste bis nach 1945 warten, um zu hören, dass (ich) alle verloren habe:
1. Mein Vater Albert Schendel in Auschwitz (Anm.: tatsächlich in Theresienstadt)
2. Meine Mutter Jenny Schendel in Theresienstadt (Anm.: tatsächlich in Auschwitz)
3. Meine Schwester Gerda Schendel in Theresienstadt (Anm.: tatsächlich in Riga)
4. Mein Schwiegervater Georg Eisig in Auschwitz
5. Meine Schwiegermutter Frieda Eisig war so aufgeregt durch die Nazi-Regierung, dass sie Selbstmord verübte ungefähr 1936
6. Von meinem Vetter Herbert Simon und seiner Frau habe ich auch nie wieder gehört.
7. Von meiner Großmutter Emma Speter nie wieder gehört.
8. Meiner Tante Linscha Zuckerman und Familie nie wieder gehört.
9. Meiner Tante Selma Nelken und Familie nie wieder gehört.
10. Meiner Tante Paula Grun, welche in Berlin lebte, nie wieder gehört.“
Heinz Eisig starb 1953 im Alter von 45 Jahren und hinterließ seine Frau Dorothea mit zwei kleinen Kindern – Merle und ihren Bruder Ronald George. Dorothea Eisig, geb. Schendel, starb 1999 im Alter von 86 Jahren. Sie verfügte, dass auf ihrem Grabstein Albert, Jenny und Gerda Schendel genannt werden, weil sie keine eigenen Grabsteine haben.
„Nun – 70 Jahre später – haben sie vor ihrem letzten Wohnsitz ihre eigenen Steine – Stolpersteine“ so Merle Newland bei der Verlegung.
Dorothea Schendel berichtete ihrer Tochter Merle über ihr Schicksal und das ihrer Familie während der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft.


Biographical Compilation

Merle und Oliver Newland (Enkel) mit Unterstützung von Gisela Morel-Tiemann