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Siegbert Salomon Just

LOCATION
Bayreuther Str. 3

DISTRICT
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
STONE WAS LAID
07/12/2019

BORN
12/01/1888 in Crossen an der Oder / Krosno Odrzańskie
OCCUPATION
Inhaber eines Bekleidungsgeschäftes
DEPORTATION
on the 2nd of March 1943 to Auschwitz
MURDERED
in Auschwitz

Siegbert Salomon Just wurde am 1. Dezember 1888 in Crossen an der Oder (heute: Krosno Odrzańskie in Polen) geboren. Seine Eltern waren der Kaufmann Julius Just und dessen Ehefrau Betty, geb. Schlesinger.
Auch Siegbert Just wurde Kaufmann. Er heiratete am 28. November 1920 die ebenfalls aus Crossen stammende Minna Elisabeth Rosenbaum. Das einzige Kind des Ehepaars, Gerda Lisalotta, kam am 30. Dezember 1922 zur Welt. Das Ehepaar Just betrieb ein Bekleidungsgeschäft in Crossen, war sehr musikbegeistert und kulturell aktiv. Die Familie gehörte zum liberalen deutschen Judentum und sah sich völlig selbstverständlich in die Gesellschaft integriert. In der Schule war Tochter Gerda beliebt bei ihren Mitschüler_innen.
Ausgrenzung und Diskriminierung hatte die Familie bis dahin nicht erfahren; deswegen betrachteten sie den Aufstieg der Nationalsozialisten als vorübergehendes gesellschaftliches Phänomen. Siegberts Vater war darüber hinaus im Ersten Weltkrieg mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden und dadurch ebenfalls ein honorables Mitglied der Crossener Gesellschaft.
Das Ehepaar hatte nach dem Machtantritt der Nazis schon bald unter Boykott-Aktionen zu leiden und immer mehr Schwierigkeiten, ihr Geschäft weiter zu betreiben. Während der Pogromnacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde das Geschäft komplett verwüstet. Ein Angestellter, bis dato Freund der Familie, nutzte die „Arisierungsbestimmung“ aus und die Geschäftsleute mussten ihm zwangsweise das Geschäft überlassen. Ein schwerer Schlag für die Familie. Tochter Gerda litt ebenfalls immer mehr unter den Anfeindungen ihrer Mitschüler_innen und Lehrer_innen in der Schule.
Ihrer Existenzgrundlage beraubt, zog die Familie nach Berlin, da sie hoffte, in der Großstadt sicherer zu sein. Sie zog in die Neue Bayreuther Straße 3 (heute Welserstraße 6–8), unweit des Victoria-Luise-Platzes.
Die Lage für Juden verschlimmerte sich jedoch auch in Berlin, aber zu diesem Zeitpunkt sahen die Eheleute Just keine Möglichkeit mehr zu emigrieren.
Laut einer überlieferten Karteikarte verließ Gerda Just zu Ostern 1937 die Schule, um einen Beruf zu ergreifen. Mithilfe der Quäker, einer religiösen christlichen Gruppierung, bekam sie 1939 einen Arbeitsnachweis in England. Im Sommer 1939 wurde sie von ihren Eltern zum Bahnhof gebracht. Mit 17 Jahren und allein mit anderen Kindern und Jugendlichen reiste sie mit einem der letzten Kindertransporte nach England. Sie sprach kaum ein Wort Englisch. In Carshalton, im Stadtteil Sutton, im Süden von London, fand sie ihre erste Bleibe.
Gerda Lisalotta versuchte, ihre Eltern aus Deutschland herauszubekommen, aber das Unterfangen scheiterte mit der Kriegserklärung Englands an Deutschland am 3. September 1939. Eltern und Tochter standen im Briefkontakt, der jedoch immer unregelmäßiger und schwieriger wurde und schließlich Anfang 1942 ganz abbrach. Irgendwann bekam Gerda Lisalotta ein Schreiben, in dem davon die Rede war, dass die Eltern für sehr lange weg seien.
Laut des Hauptwirtschaftsamtes war das Ehepaar nicht völlig mittellos vor ihrer Deportation. Der Wert der an die Vermögensverwertungsstelle des Oberfinanzpräsidenten in Berlin und Brandenburg gemeldet wurde, betrug über 1000 Reichsmark in gegenständlichen Dingen wie Möbel, Hausrat und Kleidung und fast 3500 Reichsmark als Bankguthaben.
Siegbert Salomon und Minna Just lebten zuletzt zwangsweise in der Passauer Straße 5 zur Untermiete. Anfang März 1943 wurden sie in zwei verschiedenen Transporten nach Auschwitz deportiert. Minna mit dem „31. Osttransport“, ihr Mann einen Tag später mit dem „32. Osttransport“. Sie wurden beide in Auschwitz ermordet, ihr genaues Todesdatum ist nicht bekannt.
Gerda Just heiratete in England den ebenfalls aus Deutschland stammenden Hans Kaufmann. Ihre Kinder haben die Lebensgeschichte ihrer Eltern aufbereitet und unter dem Titel „Splinters from Kristallnacht – two young Jews in Hitlers Germany: Gerda Just and Hans Kaufmann“ veröffentlicht.


Biographical Compilation

Recherchen: BA Schöneberg und Helga Gläser
Text: Uwe Niethammer und Helga Gläser

Additional Sources

www.statistik-des-holocaust.de;
Heiratsregister 1920: Siegbert Just und Minna Elisabeth Rosenbaum: Landesarchiv Berlin; Berlin, Deutschland; Personenstandsregister 1876-1945; Laufendenummer: 10799 (ancestry.de);
Karteikarte der Reichsvereinigung der Juden in Deutschland zu Gerda Just: https://digitalcollections.its-arol....