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Eva Kempner (born Zucker)

LOCATION
Passauer Str. 5

DISTRICT
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
STONE WAS LAID
07/12/2019

BORN
08/31/1886 in Berlin
DEPORTATION
on the 3rd of October 1942 to Theresienstadt
LATER DEPORTED
on the 23rd of January 1943 to Auschwitz
MURDERED
in Auschwitz

Eva Kempner kam am 31. August 1886 in Berlin als Eva Zucker zur Welt. Sie hatte drei Schwestern und drei Brüder: Selma (*1883), Hermann (*1884), Franz (*1885), Margarete (*1889), Max (*1891) und Gertrud (*1896). Die Eltern waren der Kaufmann Baruch (Bruno) Zucker und seine Frau Minna, geb. Altmann.
Am 26. März 1908 heiratete Eva Zucker vor dem Standesamt Charlottenburg den Arzt Dr. Alfons Kempner, der zu dieser Zeit Assistenzarzt an der Charité war. Er spezialisierte sich auf Nerven- und innere Leiden (Neurologie). Alfons und Eva Kempner ging es wirtschaftlich gut. Die beiden lebten an verschiedenen Adressen in der Kantstraße in Berlin-Charlottenburg.
Am 7. September 1929 traten Alfons und Eva Kempner von Hamburg aus eine Reise nach Malaga an, sie hatten auf dem Dampfschiff Tanganjika der Hamburg-Amerika-Linie eine Kabine in der ersten Klasse gebucht.
Anfang der 1930er-Jahre zog das Paar in das Haus Passauer Straße 5, das seit dem Tod von Evas Vaters 1913 den vier Schwestern gehörte. Ihr Vater hatte es 1898 erworben. Das Ehepaar bewohnte dort eine 5-Zimmer-Wohnung im ersten Stock des Vorderhauses. Darüber lebten in einer ähnlichen Wohnung Evas ledige Schwestern.
Nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten erlebten die Familien Kempner und Zucker Repressionen und Demütigungen: Die Schwestern von Eva mussten ihre Wohnung aufgeben und zu Alfons und Eva in die Wohnung ziehen. Zeitweise lebte dort auch Alfons’ Bruder Dr. Franz Kempner, der Staatsbeamter und Staatssekretär in der Reichskanzlei gewesen war.
1937 wurde Evas Ehemann die Approbation als Arzt entzogen und dem Paar ging es wirtschaftlich immer schlechter. Die Schwestern mussten diverse Hypotheken aufnehmen, um den Zwangszahlungen an den NS-Staat nachzukommen.
Dr. Alfons Kempner durfte noch als „Krankenbehandler“ jüdische Patienten behandeln. 1942 war er als solcher vor seiner Deportation im Sammellager Große Hamburger Straße in Berlin-Mitte tätig.
Die Möbel und weitere Gegenstände in der Wohnung Kempner erwarben nach der Deportation der Eheleute verschiedene Interessenten, darunter ein SS-Untersturmführer aus Zehlendorf.
Das Ehepaar Kempner wurde mit dem „3. großen Alterstransport“ am 3. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert. Alfons Kempner starb dort schon wenige Wochen nach der Ankunft, am 11. November 1942, laut Todesfallanzeige an einer Lungenentzündung. Eva Kempner wurde am 23. Januar 1943 von Theresienstadt weiter nach Auschwitz deportiert und ermordet.
Evas drei Schwestern Selma, Margarete und Gertrud Zucker wurden mit dem „33. Osttransport“ am 3. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort wahrscheinlich direkt nach ihrer Ankunft ermordet.
Evas drei Brüder wohnten seit den 1920er-Jahren nicht mehr in der Passauer Straße. Hermann Zucker lebte in Hamburg, Franz ab 1925 in Holland. Max, der Anfang der 1920er-Jahre in einem Bernauer Sanatorium untergebracht war, wohnte ab Mitte der 1920er-Jahre ebenfalls in Hamburg, wo sein Bruder Hermann zu seinem Vormund bestellt wurde.
Max Zucker wurde in der Euthanasieanstalt Brandenburg am 23. September 1940 ermordet. Franz Zucker wurde aus Westerbork in Holland deportiert und am 6. März 1944 in Auschwitz ermordet. Nur Hermann Zucker und seine Frau Anna überlebten, ihnen war die Emigration nach Großbritannien gelungen.
Nach dem Krieg stellte Hermann Zucker einen Restitutionsantrag für das Objekt Passauer Straße 5, nach seinem Tod 1950 führte seine Witwe Anna das Verfahren fort. Sie bekam als Alleinerbin der Schwestern Selma, Margarete und Getrud als Wiedergutmachung das Grundstück zugesprochen. Erst nach weiteren jahrelangen Auseinandersetzungen wurde Anna Zucker auch noch der Anteil ihrer Schwägerin Eva Kempner zugesprochen.
Das Haus Passauer Straße 5 wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört.


Biographical Compilation

Recherchen: BA Schöneberg und Helga Gläser
Text: Uwe Niethammer/Helga Gläser

Additional Sources

www.statistik-des-holocaust.de;
Rebecca Schwoch (Hrsg.): Berliner jüdische Kassenärzte und ihr Schicksal im Nationalsozialismus. Ein Gedenkbuch, Berlin/Teetz 2009;
Heiratsregister 1908: Alfons Kempner und Eva Zucker. Landesarchiv Berlin; Berlin, Deutschland; Personenstandsregister Heiratsregister; Laufendenummer: 51;
https://www.holocaust.cz/de/datenba...
Staatsarchiv Hamburg; Hamburg, Deutschland; Hamburger Passagierlisten; Band: 373-7 I, VIII A 1 Band 371; Seite: 2301 (ancestry.com).