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Dr. Hugo Jacob

Stolperstein für Hugo Jacob © OTFW
LOCATION
Badensche Str. 21

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
STONE WAS LAID
06/01/2017

BORN
05/02/1910 in Düren
DEPORTATION
on the 17th of May 1943 to Auschwitz
MURDERED
in Auschwitz

Hugo Albert Jacob wurde am 2. Mai 1910 in Düren als Sohn des jüdischen Kaufmanns Ludwig Jacob und seiner Ehefrau Gerta Jacob, geb. Wolf, geboren. Zur Familie gehörten noch zwei weitere Kinder, Hildegard und Margarete Jacob.

1916 wurde Hugo Jacob in der katholischen Gemeindeschule in Köln-Sülz eingeschult und erlebte danach einige Schulwechsel. 1930 bestand er dann seine Reifeprüfung am Paulsen- Realgymnasium in Berlin Steglitz. Wann die Familie genau nach Berlin zog, ist unklar, doch lebten sie zu diesem Zeitpunkt in der Massmannstr. 12, ebenfalls in Steglitz. Als Hugo Jacob 18 Jahre alt war, verstarb sein Vater am 14. September 1928.

1930 begann er sein Studium der Zahnmedizin in Berlin, wo er im Februar 1932 erfolgreich seine zahnärztliche Vorprüfung bestand. Im November 1932 führte er sein Studium in Münster weiter und wohnte in dieser Zeit im Dahlweg 11 in Münster nahe der St. Joseph Kirche, damals Heilig Geist Kirche, in der Hammer Straße in Münster-Süd. Besonders verwunderlich ist auf Jacobs Studentenkarte in Münster eine Markierung, welche ihn als „Arier“ bezeichnet. 1933 legte Hugo Jacob sein zahnärztliches Staatsexamen in Münster ab und arbeitete bis zum März 1934 an verschiedenen Unikliniken. Obwohl Hugo Albert Jacob zweifellos ein Opfer des Nationalsozialismus wurde, ist er nicht als Opfer der Universität Münster zu bezeichnen, denn er bestand dort sein Staatsexamen und konnte daraufhin als Zahnarzt arbeiten.

Im April des Jahres 1934 ließ Hugo Jacob sich in der Badenschen Str. 21 in Berlin-Wilmersdorf als Zahnarzt nieder und besaß im selben Haus mit seiner Mutter eine großzügige Wohnung mit 5 Zimmern und Dampf- und Warmwasserheizung. Seine Geschwister sind zu diesem Zeitpunkt bereits nach Israel ausgewandert.

Am 22. August 1935 heiratete er dann Edith Marianne Bernstein (*24. März 1910 in Berlin), ebenfalls eine ausgebildete Zahnärztin. Vier Jahre später, am 13. August 1939 kam die gemeinsame Tochter Tana Jacob zur Welt.

Hugo Jacob wurde am 10. März 1943 wegen Beihilfe zur Urkundenfälschung in das Gefängnis Plötzensee in Berlin eingeliefert und am 22. April 1943 im Verfahren vor dem Sondergericht II zu sechs Monaten Haft verurteilt. Diese wurde jedoch nicht vollzogen, denn bereits 25 Tage später wurden Hugo Jacob, seine Frau und sein Kind nach Auschwitz deportiert.

In seiner Haft musste Hugo Jacob einen handschriftlichen Lebenslauf verfassen, in dem er auf ein schwebendes Abstammungsverfahren hinweist. Er wollte beweisen, dass seine rechtlichen Eltern nicht seine leiblichen Eltern sind und dass er somit keiner jüdischen Abstammung ist, sondern arischer. In einer Vermögenserklärung verwies er wieder auf das Abstammungsverfahren und versuchte auch so die ungeklärte Abstammung seiner Tochter zu begründen. Ob dieses Verfahren ein Versuch war, um die Verfolgung aufzuschieben, oder ob er seine Abstammung wirklich in Frage stellte, ist ungeklärt. In seiner Geburtsakte sind seine rechtlichen Eltern eingetragen, jedoch war es bei einer Adoption zu dieser Zeit üblich, jegliche Akten und Urkunden so zu verändern, dass die Adoption vertuscht bleibt. Somit kann man keine Schlüsse daraus ziehen. Innerhalb der Vermögenserklärung schrieb Hugo Jacob sogar, dass er katholischer Konfession wäre.

Seine Frau und seine Tochter befanden sich bereits zu diesem Zeitpunkt im jüdischen Sammellager „N4“ in der Große Hamburgerstr. 26. In einem Schreiben der Stapo IV vom 15. Mai 1943 wird Hugo Jacob der Staatspolizeistelle zur „Evakuierung“ überlassen und zwei Tage später mit dem Transport 38 von Berlin nach Auschwitz-Birkenau in Polen deportiert worden. Hier wird er in der Quelle als „verschollen“ bezeichnet und im Buch für Todeserklärungen wird der Todeszeitpunkt auf das Ende des Jahres 1945 gesetzt. Seine Frau und seine Tochter sind wohl im selben Zeitraum deportiert und ermordet worden. Im Buch für Todeserklärungen im Standesamt Berlin wurde 1960 das Jahresende 1945 als Todeszeitpunkt festgelegt.


Diese Kurzbiografie wurde verfasst von Johanna Jung
http://www.flurgespraeche.de/hugo-j...
veröffentlicht auch in: Happ, Sabine, Jüttemann, Veronika (Hgg.): „Es ist mit einem Schlag alles so restlos vernichtet“. Opfer des Nationalsozialismus an der Universität Münster (Veröffentlichungen des Universitätsarchivs Münster, 12), Münster 2018.

Biographical Compilation

Text und Recherche Johanna Jung

Additional Sources

Universitätsarchiv Münster: Bestand 209, Studierendenkarte Hugo Jacob
Landesarchiv Berlin: Gefängnisakte des Gefängnisses Plötzensee, A Rep. 369, Nr.484
Wiedergutmachungsakte B. Rep. 025-05, Nr. 216/57
Stadtarchiv Düren: Geburtsurkunde Nr. 344
Brandenburgisches Landeshauptarchiv Potsdam: Akten der „Vermögensverwertungsstelle“, Bestand Rep.36 A, Akte Nr. 16682
Standesamtsarchiv I in Berlin: Buch für Todeserklärungen, Reg. Nr. 20929/1961

Websites
www.geschichtswerkstatt-dueren.de Aufruf am 20.4.2015
www.yadvashem.org Aufruf am 20.4.2015