Skip to main content
Skip to content Skip to navigation

Edith Fraenkel

Portrait Edith Fraenkel, Foto: Privatbesitz Regina Scheer
Edith, Harry und Uri, Foto: Privatbesitz Regina Scheer
Stolperstein Edith Fraenkel, Foto: H.-J. Hupka
LOCATION
Sächsische Straße 10-11

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
STONE WAS LAID
10/23/2019

BORN
02/08/1922 in Berlin
FORCED LABOUR
at
Siemens-Schuckert im ELMo-Werk in Spandau l
DEPORTATION
on the 15th of October 1943 to Theresienstadt
LATER DEPORTED
on the 16th of October 1944 to Auschwitz
MURDERED
1944 in Auschwitz

Edith Fraenkel kam am 8. Februar 1922 in Berlin als Tochter des Kaufmanns Leo Fraenkel und seiner Frau Olga, geb. Marx, zur Welt.
Die Eltern trennten sich, sodass Edith ab 1934 allein mit ihrer Mutter Olga in in der Sächsischen Straße/Ecke Düsseldorfer Straße, Seitenflügel, Parterre lebte (das Haus existiert heute nicht mehr). Ediths Zimmer war die kleine, nur sechs Quadratmeter große Kammer zum Hof. In der großen, zur Straße hin gelegenen Stube unterhielt die Mutter einen entgeltlichen Mittagstisch für ältere Damen, mit dem sie den Lebensunterhalt für sich und ihre Tochter zu sichern versuchte.
Edith Fraenkel besuchte von 1928 bis 1938 die Rudolf Steiner Schule Berlin. Sie war besonders mit ihrer Klassenkameradin Martha-Maria (Martel) Meyer und deren um ein Jahr jüngeren Schwester Cornelia befreundet. Meyers wohnten seinerzeit in der Güntzelstraße. Sie hatten einen Kleingarten in der Nähe des Fehrbelliner Platzes, wo die drei Freundinnen oft gemeinsam spielten. Aus den Jahren 1932 bis 1934 sind Spielszenentexte erhalten, die Henriette Meyer, die Mutter der Freundinnen, für die drei Mädchen z.B. für Geburtstage verfasst hatte. Edith wirkte in Rollen mit, so z. B. als Schildkröte Roland, Indianer, Möbelmann oder auch Frau Hennig.
Die Sommerferien 1932 verbrachte Edith mit den Meyers in Bad Schönfließ. Hier zeichnete Henriette Meyer das Profilbild von Edith. Ende 1934 zogen die Meyers nach Westend um, Martel und Cornelia wechselten 1935 die Schule und der Kontakt zu Edith Fraenkel brach ab.
Nach der Schulzeit arbeitete Edith Fraenkel in einem Geschäft für Mäntel und Kostüme und machte Kurse für Modezeichnen und Zuschneiden. 1937 lernte sie den neun Jahre älteren Harry Cühn kennen. Die beiden verlobten sich und zogen 1939 zur Harrys Freund Fritz Neuweck in die Wichmannstraße 2 am Lützowplatz.
Ab Mai 1940 musste Edith Zwangsarbeit bei Siemens-Schuckert im ELMo-Werk in Spandau leisten. Als sie im Herbst 1940 schwanger wurde, zog sie zu ihrer Mutter in die Sächsische Straße zurück. Am 7. Juni 1941 wurde der Sohn Uri geboren.
Das Baby starb im Alter von sechs Monaten und wurde am 30. Januar 1942 auf dem Wilmersdorfer Waldfriedhof Stahnsdorf begraben. Nur der Sockel seines Grabsteins ist noch erhalten.
Im März 1942 wurden Edith Fraenkel und ihre Mutter zwangsweise aus ihrer Wohnung in der Sächsischen Straße ausgewiesen und mussten in ein „Judenhaus“ in der Pfalzburger Straße 86 umziehen. Dieses Haus hatte dem jüdischen Rechtsanwalt Dr. Rudolf Arnheim gehört, der enteignet worden war und im Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde.
Edith Fraenkel wurde am 8. Juli 1942 auf ihrer Arbeitsstelle bei Siemens-Schuckert in Spandau verhaftet und – nach einer Wohnungsdurchsuchung in der Sächsischen Straße – im Polizeigefängnis am Alexanderplatz bis zum 1. September 1942 festgehalten. Sie wurde wegen angeblicher Mitgliedschaft in den Widerstandsgruppen um Herbert Baum angeklagt und anschließend bis zum Prozess im Gerichtgefängnis Kantstraße, Charlottenburg, eingesperrt.
Tatsächlich – so zeigen es ihre Einlassungen während des Prozesses – hatte sie Herbert Baum und seine Frau Marianne 1940 während der Zwangsarbeit kennengelernt und sich privat mit ihnen befreundet. Sie wurde mehrfach von den Baums eingeladen und traf dort auch mit antifaschistisch engagierten Menschen zusammen. Sie selbst scheint aber weitgehend unpolitisch gewesen zu sein. Aufgrund ihrer Schwangerschaft, der Geburt des Sohnes Uri und ihrer Versetzung in eine andere Abteilung bei Siemens-Schuckert war der Kontakt zu den Baums mehr oder weniger verloren gegangen.
Obwohl sie nach eigenem Bekunden „nicht so für Gewaltsachen“ war, verurteilte der Volksgerichtshof Edith Fraenkel am 10. Dezember 1942 zu fünf Jahren Zuchthaus wegen „Nichtanzeige eines Vorhabens des Hochverrats“. Am 18. Mai 1942 hatten Mitglieder der Gruppen um Herbert Baum einen Brandanschlag auf die antisowjetische Propaganda-Ausstellung „Das Sowjetparadies“ im Berliner Lustgarten verübt. Zwei Tage nach ihrer Verurteilung wurde Edith Fraenkel für wenige Tage ins Frauengefängnis Barnimstraße verlegt und am 8. Januar 1943 in das Frauenzuchthaus Cottbus eingeliefert.
Am 12. Oktober 43 wurde Edith Fraenkel an die Gestapo übergeben, da die Justiz seit dem 1. Juli des Jahres für Juden nicht mehr zuständig war. Sie wurde in das als „Sammellager“ missbrauchte jüdische Altersheim in der Großen Hamburger Straße in Berlin verbracht. Von dort wurde Edith Frankel am 15. Oktober 1943 mit dem „97. Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert und am 16. Oktober 1944 weiter nach Auschwitz verschleppt. Dort wurde sie ermordet. Ihr genaues Todesdatum ist nicht bekannt.
Ediths Vater Leo Fraenkel war nach der Scheidung von Ediths Mutter Olga mit seiner neuen Partnerin Käte im Oktober 1940 in die USA geflohen. Ihre Mutter Olga Fraenkel wurde am 14. Dezember 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet.

Orte in Berlin, an denen an Edith Fraenkel namentlich erinnert wird:
Gedenkstein für die Herbert-Baum-Gruppen auf dem Jüdischen Friedhof in Weißensee, seit 1951
Gedenkstein für die Herbert-Baum-Gruppen im Berliner Lustgarten, seit 1981. Ort des Brandanschlags im Jahr 1942 auf die nationalsozialistische Propaganda-Ausstellung „Das Sowjetparadies“.
Gedenkstein für die bekannten ehemaligen jüdischen SchülerInnen der 1. Rudolf Steiner Schule Berlin auf dem Schulgelände der Rudolf Steiner Schule in Berlin-Dahlem, seit 2015.


Video von Mathilde Mélois über die Stolpersteinverlegung: https://youtu.be/DM8qf0AoqPk

Biographical Compilation

Biographische Zusammenstellung: Roland Pachali, basierend auf: Regina Scheer: „ Im Schatten der Sterne“, Aufbau-Verlag 2004, ISBN 3-351-02581-5,
ergänzt durch Stolperstein-Initiative Charlottenburg-Wilmersdorf