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Ilse Johanna Tennenbaum (born Fabian)

LOCATION
Motzstr. 82

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
STONE WAS LAID
February 2020

BORN
1902
ESCAPE
1938 England
SURVIVED

Ilse Tennenbaum geborene Fabian kommt am 5. November 1902 in Berlin als Tochter von Emma Fabian, geb. Lewin am 8. Mai 1870 in Krone an der Brahe (heute Koronowo) und Isidor Tennenbaum, geb. am 22. Mai 1865 in Schrotz (heute Skrzatusz) zur Welt.
Ilse hatte noch einen Bruder namens Fritz, der am 25. Oktober 1905 ebenfalls in Berlin geboren wurde.
Die Familie lebte am Schleswiger Ufer 6a.
1912 trifft die Familie ein schwerer Schicksalsschlag: Isidor stirbt mit 47 Jahren und Emma ist mit ihren beiden Kindern allein auf sich gestellt. Sie entschließt sich die Unterstützung einer jüdischen Hilfeeinrichtung; des "Baruch Auerbach´schen Waisenhauses" in Anspruch zu nehmen. Dort können beider Kinder als Jugendliche einen Beruf erlernen: Ilse wird Sektretärin und Fritz Handwerker. Ilse lässt sich trotz prekärer finanzieller Situation zur klassischen Sängerin ausbilden.
Im Januar 1924 heiratet Ilse den am 13. August 1890 in Lodz (Polen) geborenen Michael Tennenbaum. Seine Eltern sind Salomon (Szlama) *1851 geboren in Czestochowa und Anna (Chana) *1858, geb. Gottheimer in Sieradz. Michael ist studierter Chemiker und spricht mehrere Sprachen. In Berlin ist er als pharmazeutischer Berater tätig und erforscht und entwickelt Medikamente zur Behandlung psychischer Erkrankungen.Am 1. Juli 1931 wird die Tochter Steffa geboren. Die Familie wohnte damals in der Bamberger Straße 52. Als assimilierte Juden fühlen sich die Familienmitglieder der deutschen Kultur eng verbunden. So wird bei ihnen Zuhause - wie sich Steffa erinnert- im Dezember weder Weihnachten noch Chanukka sondern "Weihnukka" gefeiert. Dass sie Jüdin ist, erfährt sie erst durch antisemitische Anfeindungen gegen sie und ihre Mutter.
Den Adressbüchern Ende der 1920er und Anfang der 1930er Jahre ist zu entnehmen, dass Emma - mit und ohne ihre Familie - in der Motzstraße 38 (heute 82) gewohnt hat. Dort sind abwechselnd Emma, Ilse und Fritz Fabian als Bewohnen verzeichnet. Auch Michael Tennenbaum, der Schwiegersohn, gab in den Entschädigungsakten an, dass seine Schwiegermutter dort eine vollständig möblierte 3,5 Zimmerwohnung bewohnt hat.
Als die Nazis an die Macht kommen, flieht Michael Tennenbaum im November 1933 nach England. Frau Ilse und Tochter Steffa folgen 1938. Großmutter Emma, zu krank für die Emigration und ihr Sohn Fritz bleiben in Berlin.
Für Ilse, Michael und Steffa Tennenbaum ist das Leben im englischen Exil sehr schwer. Als Flüchtling darf er nur noch als Apotheken-Aushilfe arbeiten. Er leidet sehr darunter, dass er nicht in seinen Beruf zurückkehren kann. Ilse verdient ein wenig als Handelsvertreterin für Frauenbekleidung. Dies bedeutet, viele Stunden am Tag zu Fuß unterwegs zu sein und schwere Musterkoffer tragen zu müssen. Als Ilse 1944 schwer an Krebs erkrankt, übernimmt Michael ihre Arbeit. Ilse ist es nicht vergönnt, ihren Traum Sängerin zu werden, zu verwirklichen. Sie stirbt nur wenige Tage nach der Befreiung am 22. Mai 1945 im Exil in Liverpool.
Die 13-jährige Steffa, nun allein mit ihrem schwer arbeitenden und chronisch kranken Vater, schafft es ihren Weg zu gehen: nach Gymnasium und Studium (Französisch, Kunst und klassische Gitarre) heiratet sie, gründet eine Familie und geht mit ihr 1957 nach Israel. Steffa Reis wird eine international anerkannte Künstlerin, die die Liebe der Mutter zu klassischen Musik selbst in sich trägt und in ihrer Kunst weiterleben lässt.
Berlin, der Stadt, die sie als Siebenjährige verlassen musste, ist sie noch heute verbunden.
1989 widmete ihr das Kunstamt Tempelhof eine umfassende Retrosektive, das Jüdische Museum zeigte ihre Bilder und die Berliner Galerie Sievi in der Kreuzberger Gneisenaustraße vertritt sie bis heute.
Über das Schicksal der Familie von Michael Tennenbaum in Lodz (Litzmannstadt) - seinen Bruder Adolf, dessen Frau Eugenia und deren Kinder - ist nur bekannt, dass sie 1942 in Majdanek ermordet wurden.
1936 muss Emma, Ilse´s Mutter in ein Leerzimmer im Haus Heilbronner Straße 5 ziehen; das Haus wird 1939 zu einem "Judenhaus". Bis zu ihrer Deportation am 22. September 1942 mit dem 64. Alterstransport nach Theresienstadt, lebt sie hier. Nur wenige Wochen nach ihrer Deportation, am 3. November 1942, stirbt sie in Theresienstadt.
Über ihren Sohn Fritz ist aus den Entschädigungsakten nur zu erfahren, dass er vermutlich bis 1933 als Polsterer und Dekorateur tätig war und nach Verlust dieser Anstellung keine weitere Arbeit mehr ausüben durfte. Die letzten drei Monate vor seiner Deportation bewohnt er in der Coubiérestraße 1 - ebenfalls ein sogenanntes "Judenhaus" ein möbliertes Zimmer.
Seine Vermögenserklärung ist auf den 5. Januar 1943 datiert.
Fritz Fabian wird am 12. Januar 1943 mit dem 26. Osttransport nach Auschwitz deportiert. Zum 8. Mai (das offizielle Datum des Kriegsendes)1945 wird er für tot erklärt.


Biographical Compilation

Margit Nowak und Ilona Zeuch-Wiese, zusammengestellt durch die Koordinierungsstelle Stolpersteine des Museums Tempelhof-Schöneberg

Additional Sources

- Jüdische Adressbücher 1929/30 ; 1931/ 32

- Berliner Straßenverzeichnis

- Landesamt für Bürger-und Ordnungsangelegenheiten, Entschädigungsbehörde Opfer des Nationalsozialismus

- Jewish Historical Institute Emanuel Ringelblum, Warschau

- Persönlicher Kontakt zu den Angehörigen in Israel