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Cäcilie Gross (born Woythaler)

Stolperstein für Cecilie Gross; Foto: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka, 2020
LOCATION
Gervinusstraße 23

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
STONE WAS LAID
07/13/2019

BORN
07/16/1889 in Allenstein (Ostpreußen) / Olsztyn
DEPORTATION
on the 27th of November 1941 to Riga
MURDERED
11/30/1941 in Riga-Rumbula

Cäcilie (Cilly) Woythaler wurde am 16. Juli 1889 als jüngste Tochter des Allensteiner (heute poln. Olsztyn) Kaufmanns, Feinkost- und Tabakhändlers Joseph Woythaler und dessen Frau Henriette geb. Hoffmann geboren. Am 23. April 1911 heiratete sie den Görlitzer Kaufmann, Destillateur und Mitinhaber einer Destillation und Likörfabrik Georg Gross.

In Görlitz lebte das Ehepaar sicherlich in gutsituierten Verhältnissen. Die dortige Wohnadresse sowie die Tatsache, dass Georg Gross zusammen mit Martin Paul Rosenthal (Vater der Kinderbuchautorin Mirja Lobe) bis zu dessen Tod im Jahre 1927 Besitzer und Leiter der Rosenthal&Groß Destillation und Likörfabrik war, lassen darauf schließen.

Es ist anzunehmen, dass Georg Gross nach dem Tod Rosenthals und dem Wegzug von dessen Familie die Firmenanteile veräußerte und das Ehepaar Görlitz verließ, um sich in Berlin anzusiedeln.
Schon um 1920/1921 hatte sich David Woythaler, ein Bruder des Vaters von Cäcilie und namhafter Bromberger (heute poln. Bydgoszc) Tabakfabrikant mit seiner (Schnupftabak-)Produktion nach Berlin orientiert und in Lankwitz eine neue Produktionsstätte aufgebaut. Um diese Zeit siedelte auch der aus Bromberg stammende Cousin Cäcilies, Max Woythaler, Sohn von David, als Leiter der Berliner Tabakfabrikation in der Reichshauptstadt um. Er wohnte mit seiner Frau Lydia und den Kindern Erwin und Ilse seit 1927/1928 bis zu ihrer Flucht im März 1939 in der Waldmannstraße 6 in Lankwitz. Etwa 1937 zog auch der ebenfalls Max Woythaler heißende, 1879 geborene Bruder Cäcilies mit seiner Familie von Allenstein nach Berlin um. Er hatte dort bis dahin das von seinem Vater übernommene Feinkost- und Tabakwarengeschäft geführt.

Georg und Cäcilie Gross wohnten seit dem 1. September 1936 in der Gervinusstraße 23. Wo sie zuvor wohnten ist nicht zu ermitteln. Vermutlich konnte ihr Mann noch bis ca. 1939 seinem Beruf als Destillateur und Kaufmann im Betrieb des Cousins seines Schwagers Alfred Peiser, des Likörfabrikanten Heinrich Peiser, nachgehen. Peisers „Posener Likörfabrik“ wurde im selben Jahr liquidiert.

Im Zusammenhang mit der Reichspogromnacht gehörte Cäcilies Mann ebenso wie ihr Bruder Max Woythaler (aus Allenstein) zu den etwa 12.000 zur Einschüchterung in sogenannte „Schutzhaft“ genommenen Berliner Juden und wurde bis zum 13. Dezember 1938 im KZ Sachsenhausen interniert. Warum das Ehepaar – anders als etwa der Lankwitzer Tabakfabrikant Max Woythaler – Deutschland nicht rechtzeitig verließ, ist nicht zu ermitteln.

Wenige Tage vor ihrer Deportation mussten Cäcilie und Georg Gross ihre Wohnung verlassen und wurden in die seit Oktober 1941 vom Judenreferat der Stapoleitstelle Berlin zum Sammellager umfunktionierte und dafür missbrauchte Synagoge in der Levetzowstraße 7/8 verbracht. Von dort aus erfolgte seit dem 1. Osttransport am 18.10.1941 bis zum 22. Osttransport am 26.10.1942 die Zusammenstellung der Berliner Juden für den Abtransport in die Ghettos und Konzentrationslager in Mittelosteuropa. Am 25.11.1941 wurde ihnen dort die zwischenzeitlich erfolgte Vermögenserklärung zur Unterzeichnung vorgelegt. Zwei Tage später, am 27.11.1941, wurde das Ehepaar zusammen mit rund 1050 weiteren Berliner Juden vom Bahnhof Grunewald aus mit dem 7. Osttransport, der erstmals nach Riga führte, deportiert. Unmittelbar nach ihrer Ankunft nahe Riga in der Nacht zum 30.11.1941 wurden die den Transport überlebenden Juden aufgrund der noch nicht komplett erfolgten „Räumung“ des dortigen Judenghettos (Massenerschießung von mehr als 26.500 lettischen Juden am 30. 11.1941) frühmorgens bei eisiger Kälte mitsamt ihres Gepäcks in den nahe Riga gelegenen Wald namens Rumbula getrieben und erschossen.

Im Mai 1943 wurde auch die Familie ihres Bruders nach Verfolgung und Zwangsarbeit nach Auschwitz deportiert und dort getötet.


Dieser Stolperstein wurde am 13.07.2019 verlegt und von Michael Mendelson gespendet.

In Berlin sind bereits für eine größere Anzahl von Angehörigen der Großfamilie Woythaler Stolpersteine verlegt worden. Informationen zu den entsprechenden Familienangehörigen, deren Verwandtschaftsgrad und den Verlegeort der Stolpersteine sind der beigefügten pdf-Datei zu entnehmen.

Biographical Compilation

Recherche und Text: Dr. Christiane Scheidemann

Additional Sources

Bundesarchiv Lichterfelde, Adressbuch für Großberlin