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Siegfried Falk

Stolperstein für Siegfried Falk © OTFW
LOCATION
Voigtstr. 35

DISTRICT
Friedrichshain-Kreuzberg – Friedrichshain
STONE WAS LAID
03/23/2021

BORN
01/14/1879 in Berlin
OCCUPATION
Kaufmann
DEPORTATION
on the 27th of November 1941 from Grunewald to Riga
MURDERED
11/30/1941 in Riga-Rumbula

Siegfried Falk kam am 14. Januar 1879 in Berlin als Sohn des jüdischen Handelsmanns Jacob Falk und dessen Ehefrau Doris, geb. Simon, zur Welt. Zum Zeitpunkt seiner Geburt wohnte die Familie am Lausitzer Platz 4 in Kreuzberg. Siegfried hatte sechs ältere Geschwister: Aus der ersten Ehe seines Vaters mit Taubine, geb. Fabian, stammten die Kinder Leopold (*1853), Hanna (*1857), Hermann (*1860, gest. 1883 in Berlin) und Helene (*1865). Aus der Ehe mit Siegfrieds Mutter gingen die Kinder Baruch Benno (*1866) und Karoline Clara (*1868) hervor. Siegfrieds Geschwister waren alle in der Stadt Tuchel in Westpreußen, etwa 100 km südlich von Danzig gelegen, zur Welt gekommen.
In den 1870er-Jahren muss die Familie nach Berlin übersiedelt sein. Während Siegfrieds Kindheit und Jugend wohnten die Falks an verschiedenen Orten in der Luisenstadt und der Friedrichstadt, im heutigen Ortsteil Kreuzberg. Jacob Falk verdiente den Lebensunterhalt der Familie als Holzhändler. Sein ältester Sohn Leopold – er war 26 Jahre älter als Siegfried – war bereits zum Zeitpunkt von Siegfrieds Geburt ein erfolgreicher Geschäftsmann: Er war Inhaber einer Holz- und Kohlengroßhandlung und ab Mitte der 1880er Jahre auch Bergwerksbesitzer. Laut Berliner Adressbuch war er seit 1898 Eigentümer des Hauses Neue Wilhelmstraße 1, das sich in der Nähe des Pariser Platzes befand. Um die Jahrhundertwende wohnte auch Siegfried Falk mit seinen Eltern im Haus des Bruders.
Im Januar 1902 verstarben innerhalb weniger Wochen Siegfrieds Eltern, Jacob und Doris Falk.
Im Berliner Adressbuch ist Siegfried Falk das erste Mal im Jahr 1904 als Haushaltsvorstand verzeichnet: Er betrieb ein Geschäft für Knabenkonfektion und wohnte in der nahe dem Alexanderplatz gelegenen Elisabethstraße 53–54. Um 1906 zog er in die Friedrichshainer Löwestraße 16.
Am 20. März 1909 heiratete Siegfried Falk die am 5. Dezember 1889 in Siemianice, im Kreis Kempen in Posen, geborene Pauline Jacob. Auch sie gehörte der jüdischen Religionsgemeinschaft an. Es haben sich keine Informationen erhalten, die einen Einblick in das Leben des Ehepaars in den letzten Jahren des Kaiserreichs, der Zeit des Ersten Weltkriegs und im Berlin der Weimarer Republik geben könnten. Die Ehe blieb kinderlos. Laut Berliner Adressbuch wohnten die Eheleute ab 1914 in verschiedenen Häusern der Frankfurter Allee, am längsten – von 1920 bis 1929 – in der Nr. 52 (heute Nr. 30). 1930 zogen Siegfried und Pauline Falk in die Voigtstraße 35.
Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 begannen auch Zwangsmaßnahmen gegen das Ehepaar Falk. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben.
Ihre Wohnung und das Geschäft in der Voigtstraße 35 – laut Berliner Adressbuch verkauften sie seit 1934 Strumpf- und Kurzwaren – mussten die Falks 1939 aufgeben. Laut der Volkszählung vom 17. Mai 1939 wohnten sie in der Boxhagener Straße 19–20, kurze Zeit später zogen sie in die Michaelkirchstraße 26 im Bezirk Mitte, wo sie zur Untermiete bei Gunda Sommerfeld lebten.
Aufgrund der „Polizeiverordnung über die Kennzeichnung der Juden“ konnten sie sich ab dem 19. September 1941 nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen.
Der Entrechtung folgte die Deportation: Siegfried und Pauline Falk wurden am 27. November 1941 mit dem „7. Osttransport“ vom Bahnhof Grunewald nach Riga deportiert. Sie wurden nach der Ankunft am 30. November in zuvor ausgehobenen Gruben in den Wäldern von Riga-Rumbula erschossen.
Siegfried Falks Schwester Karoline Clara, verwitwete Ehrmann, wurde am 3. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert, wo sie am 1. April 1943 verstarb. An sie erinnert ein Stolperstein in der Wendenschloßstraße 172 in Köpenick. Die anderen Geschwister waren bereits vorher verstorben.


Biographical Compilation

Christiana Hoppe