Irmgard Holzmann née Groß

Location 
Bölschestraße 25
Historical name
Friedrichstr. 25
District
Friedrichshagen
Stone was laid
2010
Born
1909
Occupation
Schneiderin
Deportation
on 02 March 1943 nach Auschwitz
Murdered
1943 in Auschwitz
  • Stolperstein für Irmgard Holzmann.
    Stolperstein für Irmgard Holzmann. Foto: OTFW.

    Stolperstein für Irmgard Holzmann. Foto: OTFW.

Irmgard Holzmann, geborene Gross, lebt mit ihrer Familie in der Friedrichstraße 25. Sie hatte im Oktober 1929 Paul Holzmann geheiratet, der Geselle in der Schneiderei ihres Vaters war. 1930 kam ihr gemeinsamer Sohn Wolfgang zur Welt.

Der Boykott jüdischer Geschäfte, der von den Nationalsozialisten am 1. April 1933 ausgerufen wurde, betraf auch die Schneiderei Gross. Zunehmend hatten die Familien Holzmann und Gross unter antisemitischen Anfeindungen und Angriffen zu leiden. Während des Novemberpogroms 1938 wurde das Geschäft ausgeraubt und »arisiert«. Irmgards Vater wanderte daraufhin mit seiner Familie nach Shanghai aus.

Paul Holzmann beantragte für sich und seine Familie 1939 ebenfalls die Ausreise nach Shanghai, doch die Flucht gelang nicht mehr. Im März 1943 wurden Irmgard, Paul und Wolfgang Holzmann nach Auschwitz deportiert. Bei der Ankunft wurde Irmgard von ihrem Mann und ihrem Sohn getrennt, aber sie rief so laut nach Wolfgang, dass Paul den selektierenden SS-Arzt Horst Paul Fischer bat, den Kleinen bei seiner Mutter zu lassen.

Dieser stimmte zu und schickte Mutter und Sohn in die Gaskammer.

Paul Holzmann wurde in einem Außenlager von Auschwitz interniert. Als die SS aus Angst vor der Roten Armee Anfang 1945 die Häftlinge abtransportierte, gelang es ihm, zu fliehen, doch wurde er wieder gefangen genommen und in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Wegen der katastrophalen hygienischen Bedingungen erkrankte Paul Holzmann an Typhus. Am Ende seiner Kräfte erlebte er die Befreiung des Lagers, konnte es jedoch nicht verlassen, weil er so geschwächt war. Erst im Spätsommer 1945 kam er nach Friedrichshagen zurück und eröffnete als Schneider ein Modegeschäft in der Bruno-Wille-Straße 61. Holzmann heiratete wieder und bekam nochmals einen Sohn. Bis zu seinem Tod litt er unter den traumatischen Erfahrungen und dem Gefühl einer Mitschuld an der Ermordung seiner Familie.
Irmgard Holzmann, geborene Groß, lebt mit ihrer Familie in der Friedrichstraße 25. Sie hatte im Oktober 1929 Paul Holzmann geheiratet, der Geselle in der Schneiderei ihres Vaters war. 1930 kam ihr gemeinsamer Sohn Wolfgang zur Welt.

Der Boykott jüdischer Geschäfte, der von den Nationalsozialisten am 1. April 1933 ausgerufen wurde, betraf auch die Schneiderei Groß. Zunehmend hatten die Familien Holzmann und Groß unter antisemitischen Anfeindungen und Angriffen zu leiden. Während des Novemberpogroms 1938 wurde das Geschäft ausgeraubt und »arisiert«. Irmgards Vater wanderte daraufhin mit seiner Familie nach Shanghai aus.

Paul Holzmann beantragte für sich und seine Familie 1939 ebenfalls die Ausreise nach Shanghai, doch die Flucht gelang nicht mehr. Im März 1943 wurden Irmgard, Paul und Wolfgang Holzmann nach Auschwitz deportiert. Bei der Ankunft wurde Irmgard von ihrem Mann und ihrem Sohn getrennt, aber sie rief so laut nach Wolfgang, dass Paul den selektierenden SS-Arzt Horst Paul Fischer bat, den Kleinen bei seiner Mutter zu lassen.

Dieser stimmte zu und schickte Mutter und Sohn in die Gaskammer.

Paul Holzmann wurde in einem Außenlager von Auschwitz interniert. Als die SS aus Angst vor der Roten Armee Anfang 1945 die Häftlinge abtransportierte, gelang es ihm, zu fliehen, doch wurde er wieder gefangen genommen und in das Ghetto Theresienstadt verschleppt. Wegen der katastrophalen hygienischen Bedingungen erkrankte Paul Holzmann an Typhus. Am Ende seiner Kräfte erlebte er die Befreiung des Lagers, konnte es jedoch nicht verlassen, weil er so geschwächt war. Erst im Spätsommer 1945 kam er nach Friedrichshagen zurück und eröffnete als Schneider ein Modegeschäft in der Bruno-Wille-Straße 61. Holzmann heiratete wieder und bekam nochmals einen Sohn. Bis zu seinem Tod litt er unter den traumatischen Erfahrungen und dem Gefühl einer Mitschuld an der Ermordung seiner Familie.