Wilhelm Croner

Location 
Burgstraße 3
District
Mitte
Stone was laid
2013
Born
1869
Deportation
on 13 January 1942 nach Riga
Murdered
in Riga
  • Stolperstein für Wilhelm Croner
    Stolperstein für Wilhelm Croner © OTFW

    Stolperstein für Wilhelm Croner © OTFW

Wilhelm Croner wurde am 26. April 1869 in Berlin geboren. Er war der Sohn des Kaufmanns Simon Croner und dessen Frau Rosalie, geb. Dann. Wilhelm wuchs im Kreis von mindestens zwei Geschwistern auf: Sein älterer Bruder Max Croner war 1866 in Berlin geboren worden; sein jüngerer Bruder Leopold kam 1871 zur Welt. Über das Elternhaus, die Kindheit und Jugend von Wilhelm Croner haben sich nur wenige Informationen erhalten. Seine Eltern gehörten aller Wahrscheinlichkeit nach zur jüdischen Gemeinde Berlins. Wilhelm besuchte nach der Volksschule das Friedrichs-Realgymnasium in der Albrechtstraße 27 in Mitte (heute Leibniz-Gymnasium in Kreuzberg) bis zum Abschluss als „Einjähriger“ (mittlere Reife). Anschließend ging er in die kaufmännische Lehre bei der Briefmarkenhandlung Philipp Cosack in der Burgstraße 8, die sich auf die Taxation und den Handel mit großen Sammlungen spezialisiert hatte, wandte sich später aber dem Groß- und Einzelhandel mit Zigarren zu. Um die Jahrhundertwende eröffnete er ein Zigarrengeschäft in der Poststraße 29 im Nikolaiviertel, das ab 1917 in der Poststraße 31 zu finden war.<br />
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Am 8. Februar 1907 heiratete Wilhelm Croner die zwölf Jahre jüngere Margarete Heymann, die 1881 in Posen (dem heutigen Poznań) als Tochter des Kaufmanns Bentheim Heymann (1847–1930) und dessen Frau Ernestine, geb. Cohn (1854–1890), zur Welt gekommen war. Die Eheleute nahmen sich eine gemeinsame Wohnung in der Neuen Grünstraße 13 in Mitte nahe des Spittelmarkts. Zwei Jahre nach der Hochzeit kam im Februar 1909 ihre Tochter Gertrude zur Welt und die Familie zog 1910/1911 in die Skalitzer Straße 50 in Kreuzberg, 1914 schließlich in eine 5-Zimmerwohnung in der Burgstraße 3.<br />
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Die Tochter Gertrude Croner erinnerte sich später an ihre Kindheit und Jugend: „Das Geschäft meines Vaters ging sehr gut. Er unterhielt einen Buchhalter, der Prokura hatte, einen Verkäufer, einen Lageristen und auch Stadtvertreter. Er konnte seine Familie gut bürgerlich erhalten. […] Von früher Kindheit an machte ich mit den Eltern Auslandsreisen. Man hielt mir erst eine französische und später eine englische Gouvernante, ließ mir eine höhere Schulbindung (Städtisches Luisen-Lyzeum mit Oberlyzeum, Ziegelstr.) und später die Ausbildung auf dem Sozialarbeiter-Seminar angedeihen. Mein Vater wollte mir das Universitätsstudium der National-Ökonomie ermöglichen, was durch die Hitlerperiode vereitelt wurde.“ 1927/1928 eröffnete Wilhelm Croner ein weiteres Zigarrengeschäft in der Königstraße (heutige Rathausstraße) in unmittelbarer Nähe zum Kaufhaus „Nathan Israel“.<br />
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Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Wilhelm Croner und seine Familie. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Seit 1933 war Wilhelm Croner als Geschäftsinhaber von den antisemitischen Kampagnen, Boykotten und Ausschreitungen betroffen, die ihren sichtbarsten Ausdruck in den Pogromen im Mai und November 1938 in Berlin erfuhren. Seine Tochter beschrieb später die Verfolgungssituation: „Im Jahre 1933/1934 fingen die Schikanierungen durch die Gestapo an und bald darauf – es war wohl im Jahre 1935 – wurden meinem Vater durch Verleumdung eines seiner Angestellten das Geschäft geschlossen und alles von der Gestapo beschlagnahmt. Durch diese Aufregungen erhielt mein Vater einen Riss in der Lunge.“ Aus den Berliner Adressbüchern geht hervor, dass Wilhelm Croner sein Geschäft in der Königstraße 1933 aufgab und den Standort Poststraße 31 im Jahr 1935. Bereits ein Jahr zuvor war er mit seiner Frau aus der langjährigen Wohnung in der Burgstraße ausgezogen und in die Wallnertheaterstraße 10 gezogen. In den Jahren 1936 und 1937 machte er noch einmal den Versuch, das Zigarrengeschäft neu zu etablieren, dieses Mal mit Standort am Köllnischen Fischmarkt 1 (heute Leipzigerstraße/Mühlendamm) in Mitte, bevor er es – vermutlich nach den Pogromen 1938 – endgültig aufgab und er als Privatier mit seiner Frau in die Stralauer Straße 3–6 zog. Spätestens Anfang der 1940er-Jahre war das Leben für die Croners in Berlin zum Existenzkampf geworden. Um nur eine der vielen einschneidenden Maßnahmen zu nennen, konnten sie sich mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen.<br />
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Der Entrechtung folgte die Deportation: Am 1. Oktober 1941 hatte die Gestapo die Jüdischen Gemeinde Berlins informiert, dass die „Umsiedlung“ der Berliner Juden beginnen würde. Wilhelm und Margarete Croner mussten Anfang 1942 ihre Wohnung verlassen und wurden in einem der Berliner Sammellager interniert. Von dort aus wurden sie am 13. Januar 1942 mit dem „8. Osttransport“ in das Ghetto Riga deportiert. Da beide Ehepartner in den Deportationslisten als „arbeitsfähig“ geführt wurden, haben sie möglicherweise noch im Ghetto – beziehungsweise in einem der dortigen Arbeitskommandos – Zwangsarbeit leisten müssen, bevor sie entweder durch direkte oder indirekte Gewalteinwirkung mittels planvoller Mangelernährung und körperlichen Misshandlungen ermordet wurden. In jedem Fall gehörten sie nicht zu den wenigen Überlebenden, der nach Riga deportierten deutschen Juden.<br />
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Ihrer Tochter Gertrude Croner war im Mai 1937 die Flucht mit ihrem späteren Ehemann Bernhard Holländer nach England gelungen. Das Paar heiratete im Dezember 1937, überlebte die NS-Verfolgung im Exil in Irland und emigrierte später nach Israel. Wilhelms Bruder Max Croner war 1926 in Berlin verstorben. Sein Bruder Leopold Croner rettete sich mit seiner Ehefrau 1937 ins Exil in die USA.

Wilhelm Croner wurde am 26. April 1869 in Berlin geboren. Er war der Sohn des Kaufmanns Simon Croner und dessen Frau Rosalie, geb. Dann. Wilhelm wuchs im Kreis von mindestens zwei Geschwistern auf: Sein älterer Bruder Max Croner war 1866 in Berlin geboren worden; sein jüngerer Bruder Leopold kam 1871 zur Welt. Über das Elternhaus, die Kindheit und Jugend von Wilhelm Croner haben sich nur wenige Informationen erhalten. Seine Eltern gehörten aller Wahrscheinlichkeit nach zur jüdischen Gemeinde Berlins. Wilhelm besuchte nach der Volksschule das Friedrichs-Realgymnasium in der Albrechtstraße 27 in Mitte (heute Leibniz-Gymnasium in Kreuzberg) bis zum Abschluss als „Einjähriger“ (mittlere Reife). Anschließend ging er in die kaufmännische Lehre bei der Briefmarkenhandlung Philipp Cosack in der Burgstraße 8, die sich auf die Taxation und den Handel mit großen Sammlungen spezialisiert hatte, wandte sich später aber dem Groß- und Einzelhandel mit Zigarren zu. Um die Jahrhundertwende eröffnete er ein Zigarrengeschäft in der Poststraße 29 im Nikolaiviertel, das ab 1917 in der Poststraße 31 zu finden war.

Am 8. Februar 1907 heiratete Wilhelm Croner die zwölf Jahre jüngere Margarete Heymann, die 1881 in Posen (dem heutigen Poznań) als Tochter des Kaufmanns Bentheim Heymann (1847–1930) und dessen Frau Ernestine, geb. Cohn (1854–1890), zur Welt gekommen war. Die Eheleute nahmen sich eine gemeinsame Wohnung in der Neuen Grünstraße 13 in Mitte nahe des Spittelmarkts. Zwei Jahre nach der Hochzeit kam im Februar 1909 ihre Tochter Gertrude zur Welt und die Familie zog 1910/1911 in die Skalitzer Straße 50 in Kreuzberg, 1914 schließlich in eine 5-Zimmerwohnung in der Burgstraße 3.

Die Tochter Gertrude Croner erinnerte sich später an ihre Kindheit und Jugend: „Das Geschäft meines Vaters ging sehr gut. Er unterhielt einen Buchhalter, der Prokura hatte, einen Verkäufer, einen Lageristen und auch Stadtvertreter. Er konnte seine Familie gut bürgerlich erhalten. […] Von früher Kindheit an machte ich mit den Eltern Auslandsreisen. Man hielt mir erst eine französische und später eine englische Gouvernante, ließ mir eine höhere Schulbindung (Städtisches Luisen-Lyzeum mit Oberlyzeum, Ziegelstr.) und später die Ausbildung auf dem Sozialarbeiter-Seminar angedeihen. Mein Vater wollte mir das Universitätsstudium der National-Ökonomie ermöglichen, was durch die Hitlerperiode vereitelt wurde.“ 1927/1928 eröffnete Wilhelm Croner ein weiteres Zigarrengeschäft in der Königstraße (heutige Rathausstraße) in unmittelbarer Nähe zum Kaufhaus „Nathan Israel“.

Mit der schrittweisen Entrechtung und Verfolgung von Juden seit 1933 – beziehungsweise aller Personen, die nach den Nürnberger Gesetzen im NS-Staat als Juden galten – begannen auch staatliche Zwangsmaßnahmen gegen Wilhelm Croner und seine Familie. Darunter fielen zahlreiche Maßnahmen der Diskriminierung und sozialen Ausgrenzung, des Entzugs staatsbürgerlicher Rechte sowie der Verdrängung aus dem Berufs- und Wirtschaftsleben. Seit 1933 war Wilhelm Croner als Geschäftsinhaber von den antisemitischen Kampagnen, Boykotten und Ausschreitungen betroffen, die ihren sichtbarsten Ausdruck in den Pogromen im Mai und November 1938 in Berlin erfuhren. Seine Tochter beschrieb später die Verfolgungssituation: „Im Jahre 1933/1934 fingen die Schikanierungen durch die Gestapo an und bald darauf – es war wohl im Jahre 1935 – wurden meinem Vater durch Verleumdung eines seiner Angestellten das Geschäft geschlossen und alles von der Gestapo beschlagnahmt. Durch diese Aufregungen erhielt mein Vater einen Riss in der Lunge.“ Aus den Berliner Adressbüchern geht hervor, dass Wilhelm Croner sein Geschäft in der Königstraße 1933 aufgab und den Standort Poststraße 31 im Jahr 1935. Bereits ein Jahr zuvor war er mit seiner Frau aus der langjährigen Wohnung in der Burgstraße ausgezogen und in die Wallnertheaterstraße 10 gezogen. In den Jahren 1936 und 1937 machte er noch einmal den Versuch, das Zigarrengeschäft neu zu etablieren, dieses Mal mit Standort am Köllnischen Fischmarkt 1 (heute Leipzigerstraße/Mühlendamm) in Mitte, bevor er es – vermutlich nach den Pogromen 1938 – endgültig aufgab und er als Privatier mit seiner Frau in die Stralauer Straße 3–6 zog. Spätestens Anfang der 1940er-Jahre war das Leben für die Croners in Berlin zum Existenzkampf geworden. Um nur eine der vielen einschneidenden Maßnahmen zu nennen, konnten sie sich mit der Polizeiverordnung vom 1. September 1941 „über die Kennzeichnung der Juden“ nur noch mit stigmatisierendem „Judenstern“ in der Öffentlichkeit bewegen.

Der Entrechtung folgte die Deportation: Am 1. Oktober 1941 hatte die Gestapo die Jüdischen Gemeinde Berlins informiert, dass die „Umsiedlung“ der Berliner Juden beginnen würde. Wilhelm und Margarete Croner mussten Anfang 1942 ihre Wohnung verlassen und wurden in einem der Berliner Sammellager interniert. Von dort aus wurden sie am 13. Januar 1942 mit dem „8. Osttransport“ in das Ghetto Riga deportiert. Da beide Ehepartner in den Deportationslisten als „arbeitsfähig“ geführt wurden, haben sie möglicherweise noch im Ghetto – beziehungsweise in einem der dortigen Arbeitskommandos – Zwangsarbeit leisten müssen, bevor sie entweder durch direkte oder indirekte Gewalteinwirkung mittels planvoller Mangelernährung und körperlichen Misshandlungen ermordet wurden. In jedem Fall gehörten sie nicht zu den wenigen Überlebenden, der nach Riga deportierten deutschen Juden.

Ihrer Tochter Gertrude Croner war im Mai 1937 die Flucht mit ihrem späteren Ehemann Bernhard Holländer nach England gelungen. Das Paar heiratete im Dezember 1937, überlebte die NS-Verfolgung im Exil in Irland und emigrierte später nach Israel. Wilhelms Bruder Max Croner war 1926 in Berlin verstorben. Sein Bruder Leopold Croner rettete sich mit seiner Ehefrau 1937 ins Exil in die USA.