Artur war das erste von sechs Geschwistern der Familie Kirschbaum. Er kam am 25. Januar 1885 im preußischen Obornik (heute Oborniki, Polen) zur Welt. Seine Eltern, der Mützenmacher Herrmann und Helene Kirschbaum, geb. Mottek, heirateten im November 1882.
Artur war wie seine Brüder Theodor und Isidor in der Textilbranche beschäftigt. Theodor hatte u.a. ein Warenkaufhaus in der Baselerstraße in Berlin-Steglitz. Er übernahm das Geschäft 1926 bis zur Liquidation 1939.
Am 24. April 1914 heiratete Artur Amalie Plaut, genannt „Mali“. Der gemeinsame Sohn Werner wurde am 6. Dezember 1915 in Berlin geboren. Amalie verstarb 1926 bei einer Routineoperation. Das war ein Schicksalsschlag, besonders für den damals elfjährigen Werner. Amalie wurde auf dem Jüdischen Friedhof Weißensee beigesetzt. In der Pogromnacht 1938 wurde die Grabstelle von den Nazis geschändet, der Grabstein umgeworfen und die Inschrift teilweise entfernt.
Artur heiratete am 21. Juni 1939 ein zweites Mal. In Berlin-Schöneberg ehelichte er die Stenotypistin Franziska Käthe Jacobi. Trauzeuge war u.a. sein Bruder, der Schneider Isidor Kirschbaum.
Jüdinnen und Juden, die als „arbeitsfähig“ galten, wurden ab 1938/39 zunehmend dazu verpflichtet, Zwangsarbeit in einem Wirtschaftsunternehmen zu leisten. Artur war bei der Firma Fritz Immisch in der Holzmarktstraße 21 in der Färberei und chemischen Reinigung zwangsbeschäftigt. Dafür erhielt er einen geringen Wochenlohn von 27 Reichsmark. Am 20. Juni 1942 beantragte der Chef des Unternehmens die Rückstellung für Artur von der Deportation. Leider ohne Erfolg.
Zum 1. Juli 1939 verließ das Ehepaar die Wohnung in der Essener Straße 31 in Moabit und zog in eine Dreizimmerwohnung in der Würzburger Straße 7, ins Gartenhaus, I. Etage links. Die Miete betrug monatlich 80 Reichsmark. Es ist unklar, ob dieser Umzug freiwillig oder unter Zwang erfolgte, doch legt die antisemitische Wohnungspolitik der Nationalsozialisten letzteres nahe.
Das Ehepaar Kirschbaum wurde mit dem sogenannten „XVI. Transport“ am 24. Juni 1942 von Berlin nach Minsk deportiert. Dort wurden sie vermutlich kurz nach ihrer Ankunft am 26. Juni 1942 in der rund zwölf Kilometer südlich von Minsk gelegenen Vernichtungsstätte Maly Trostinez ermordet.
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