Kurt Gustav Milchner

Location 
Fechnerstr. 5
District
Wilmersdorf
Stone was laid
13 June 2019
Born
05 May 1916
Escape
1935 Italien, Dänemark, Schweden
Survived
  • Stolperstein Kurt Milchner (Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka)
    Stolperstein Kurt Milchner (Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka)

    Stolperstein Kurt Milchner (Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka)

Kurt Gustav Milchner wurde am 5. Mai 1916 in Berlin geboren. Er war das zweite Kind des Oberarztes Richard Joseph Milchner und seiner Frau, der Gymnastiklehrerin Flora, geb. Oppenheimer. Sein älterer Bruder Hans Heinz war 1911 geboren worden.<br />
<br />
Kurt besuchte die Hecker-Realschule und legte 1932 das Realschulexamen ab. Sein Vater war schon 1923 gestorben und Kurt lebte bei seiner Mutter in einer 3-ZimmerWohnung in der Walter-Fischer-Straße 5, der heutigen Fechnerstraße. Nach dem Schulbesuch begann Kurt eine kaufmännische Lehre bei der Firma „Butter Nordstern“, einem Filialbetrieb für Butter und Lebensmittel am Alexanderplatz. Seine Absicht war, später noch an der Wirtschaftshochschule zu studieren, in Abendkursen wollte er sich zum Diplomkaufmann oder Auslandskorrespondenten weiterbilden. <br />
Kurz vor Beendigung der Lehrzeit am 28. Februar 1935 musste Kurt seine Anstellung bei der „Butter Nordstern“ aufgeben. Die Firma befand sich in jüdischen Händen und wurde 1935 liquidiert.<br />
<br />
In dieser Zeit erfuhr Kurt am eigenen Leib die ersten antisemitischen Übergriffe durch SA-Männer in der Nähe des Alexanderplatzes, die ihn physisch und psychisch schwer belasteten. Sein Bruder Heinz hatte Deutschland bereits 1933, gleich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, verlassen und war nach Südafrika ausgewandert.<br />
<br />
„Trotzdem der Gedanke, meine Mutter verlassen zu müssen, die allein zurückblieb, da mein einziger Bruder Deutschland schon auf Grund der Judendiskriminierung verlassen hatte, kaum erträglich war, emigrierte ich. Meine Aussichten zum wirtschaftlichen Fortkommen sah ich ohnedies als hoffnungslos an.“<br />
<br />
1935 verließ Kurt Milchner Deutschland. Er ging nach Italien, mittellos und ohne eine Berufsausbildung. Dort durfte er nur ohne Entlohnung in der Landwirtschaft arbeiten. Finanzielle Unterstützung erhielt er von seiner Mutter aus Berlin. Damals hatte er schon die ersten gesundheitlichen Beschwerden. <br />
1937 gelang es ihm, für Dänemark eine Arbeitserlaubnis zu erhalten – wieder musste er ohne Bezahlung in der Landwirtschaft arbeiten. Er wurde schwer krank und wurde zwei Monate lang stationär im Krankenhaus behandelt.<br />
<br />
Im November 1938 bekam er eine Arbeitserlaubnis in Schweden unter denselben Bedingungen wie zuvor. Erst 1945 durfte er andere Tätigkeiten als Landarbeit annehmen, als ungelernter Arbeiter war er bei geringem Einkommen auf verschiedenen Arbeitsplätzen tätig. Schwere Schädigungen an der Wirbelsäule, verursacht durch die Misshandlungen der SA Männer in Berlin und die ungewohnte schwere körperliche Arbeit, sowie Depressionen beeinträchtigten sein weiteres Leben in Schweden. Letztendlich war er nur noch in der Lage, leichte kaufmännische Tätigkeiten als Lagerkontorist auszuüben. Hinzu kam die Verzweiflung über das Schicksal seiner Mutter Flora.<br />
<br />
Kurt heiratete 1947 die geflüchtete polnische Jüdin Estera Wroclawska, mit der er zwei Töchter bekam: 1950 wurde Rut geboren, 1953 Elisabet. Beide besuchten das Gymnasium und konnten studieren.<br />
<br />
In 1950er-Jahren stellte Kurt Milchner Anträge auf Entschädigung und Wiedergutmachung für sich, seine Mutter Flora, seine Tante Lilly und seine Großmutter Else Oppenheimer.<br />
Er starb am 20. Dezember 1996 in Malmö.<br />

Kurt Gustav Milchner wurde am 5. Mai 1916 in Berlin geboren. Er war das zweite Kind des Oberarztes Richard Joseph Milchner und seiner Frau, der Gymnastiklehrerin Flora, geb. Oppenheimer. Sein älterer Bruder Hans Heinz war 1911 geboren worden.

Kurt besuchte die Hecker-Realschule und legte 1932 das Realschulexamen ab. Sein Vater war schon 1923 gestorben und Kurt lebte bei seiner Mutter in einer 3-ZimmerWohnung in der Walter-Fischer-Straße 5, der heutigen Fechnerstraße. Nach dem Schulbesuch begann Kurt eine kaufmännische Lehre bei der Firma „Butter Nordstern“, einem Filialbetrieb für Butter und Lebensmittel am Alexanderplatz. Seine Absicht war, später noch an der Wirtschaftshochschule zu studieren, in Abendkursen wollte er sich zum Diplomkaufmann oder Auslandskorrespondenten weiterbilden.
Kurz vor Beendigung der Lehrzeit am 28. Februar 1935 musste Kurt seine Anstellung bei der „Butter Nordstern“ aufgeben. Die Firma befand sich in jüdischen Händen und wurde 1935 liquidiert.

In dieser Zeit erfuhr Kurt am eigenen Leib die ersten antisemitischen Übergriffe durch SA-Männer in der Nähe des Alexanderplatzes, die ihn physisch und psychisch schwer belasteten. Sein Bruder Heinz hatte Deutschland bereits 1933, gleich nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten, verlassen und war nach Südafrika ausgewandert.

„Trotzdem der Gedanke, meine Mutter verlassen zu müssen, die allein zurückblieb, da mein einziger Bruder Deutschland schon auf Grund der Judendiskriminierung verlassen hatte, kaum erträglich war, emigrierte ich. Meine Aussichten zum wirtschaftlichen Fortkommen sah ich ohnedies als hoffnungslos an.“

1935 verließ Kurt Milchner Deutschland. Er ging nach Italien, mittellos und ohne eine Berufsausbildung. Dort durfte er nur ohne Entlohnung in der Landwirtschaft arbeiten. Finanzielle Unterstützung erhielt er von seiner Mutter aus Berlin. Damals hatte er schon die ersten gesundheitlichen Beschwerden.
1937 gelang es ihm, für Dänemark eine Arbeitserlaubnis zu erhalten – wieder musste er ohne Bezahlung in der Landwirtschaft arbeiten. Er wurde schwer krank und wurde zwei Monate lang stationär im Krankenhaus behandelt.

Im November 1938 bekam er eine Arbeitserlaubnis in Schweden unter denselben Bedingungen wie zuvor. Erst 1945 durfte er andere Tätigkeiten als Landarbeit annehmen, als ungelernter Arbeiter war er bei geringem Einkommen auf verschiedenen Arbeitsplätzen tätig. Schwere Schädigungen an der Wirbelsäule, verursacht durch die Misshandlungen der SA Männer in Berlin und die ungewohnte schwere körperliche Arbeit, sowie Depressionen beeinträchtigten sein weiteres Leben in Schweden. Letztendlich war er nur noch in der Lage, leichte kaufmännische Tätigkeiten als Lagerkontorist auszuüben. Hinzu kam die Verzweiflung über das Schicksal seiner Mutter Flora.

Kurt heiratete 1947 die geflüchtete polnische Jüdin Estera Wroclawska, mit der er zwei Töchter bekam: 1950 wurde Rut geboren, 1953 Elisabet. Beide besuchten das Gymnasium und konnten studieren.

In 1950er-Jahren stellte Kurt Milchner Anträge auf Entschädigung und Wiedergutmachung für sich, seine Mutter Flora, seine Tante Lilly und seine Großmutter Else Oppenheimer.
Er starb am 20. Dezember 1996 in Malmö.