Herbert Abraham

Location 
Jenaer Str. 19
District
Wilmersdorf
Stone was laid
05 October 2021
Born
24 March 1905
Occupation
Kaufmann, Büroangestellter, Jugendfürsorger
Deportation
on 03 February 1943 nach Auschwitz
Murdered
in Auschwitz
  • Herbert Abraham (Foto aus Privatbesitz)
    Herbert Abraham (Foto aus Privatbesitz)

    Herbert Abraham (Foto aus Privatbesitz)

  • Stolperstein für Herbert Abraham (Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka)
    Stolperstein für Herbert Abraham (Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka)

    Stolperstein für Herbert Abraham (Bild: Stolpersteine-Initiative CW, Hupka)

  • Hildegard und Herbert Abraham am Tag ihrer Trauung auf dem Balkon in der Jenaer Straße 19 (Foto aus Privatbesitz)
    Hildegard und Herbert Abraham am Tag ihrer Trauung auf dem Balkon in der Jenaer Straße 19 (Foto aus Privatbesitz)

    Hildegard und Herbert Abraham am Tag ihrer Trauung auf dem Balkon in der Jenaer Straße 19 (Foto aus Privatbesitz)

Herbert Abraham kam am 24. März 1905 als Sohn der gebürtigen Minna Schreyer und des Kaufmanns Hermann Abraham in Berlin-Schöneberg auf die Welt. Die Familie wohnte zu diesem Zeitpunkt in der Erdmannstraße 4. Herbert hatte eine zwei Jahre ältere Schwester, Meta, geboren am 17. September 1903.<br />
<br />
1919 siedelten die Abrahams nach Stettin über. Dort war Herbert 1929 unter der Adresse Pölitzer Straße 86 gemeldet.<br />
<br />
Nach Angaben seiner Schwester studierte Herbert an der damaligen Hochschule für Politik, unklar, ob in Berlin oder Stettin.<br />
<br />
Er war wohl sehr bibliophil orientiert und sammelte eine umfangreiche Bibliothek an, die neben der Fachliteratur auch deutsche, französische und englische Literatur umfasste.<br />
<br />
Herbert Abraham muss Ende der 20er Jahre Stettin verlassen haben und nach Berlin gezogen sein. Seine Berliner Adressen waren Krausnickstraße 8 und Jenaer Straße 19. In diesem Haus lebten auch seine späteren Schwiegereltern Carl und Adele Stahl mit ihrer Tochter Hildegard.<br />
<br />
Seine Mutter Minna kam am 1. März 1940, kurz vor der angekündigten Deportation, in Stettin ums Leben. Als Sterbeort ist das katholische Carolus Stift in der Pölitzer Straße 31 angegeben. Minna und Hermann Abraham hatten sich 1927 scheiden lassen und Hermann war bereits 1930 in Berlin im Jüdischen Krankenhaus verstorben.<br />
<br />
Herbert Abrahams Beruf wird wechselnd mit Kaufmann, Büroangestellter oder Jugendfürsorger beim Berliner Polizeipräsidium in der „Abteilung Gefährdete Jugend“ angegeben. Die letztere Tätigkeit hatte er nach Angaben seiner Schwester Meta 1933, unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, aufgeben müssen. Am Ende wurde Herbert noch zur Zwangsarbeit in der Neuköllner Metallfabrik Goliasch & Co. herangezogen.<br />
<br />
Anfang 1941 mussten Herbert, Hildegard, Carl und Adele Stahl ihre Wohnung innerhalb kürzester Zeit verlassen, nachdem sie zuvor alle Gegenstände von Wert, wie Schmuck und Tafelsilber, hatten abgeben müssen. Sie wurden zunächst nach Lichterfelde in den Tietzenweg 54 eingewiesen, Ende 1942 erfolgte die Umsetzung in die Hufelandstraße 10 zur Untermiete bei Moses. Hildegards Eltern, Carl und Adele Stahl, hatten bis September 1942 ebenfalls unter dieser Adresse gewohnt. Von dort waren sie nach Raasiku deportiert worden.<br />
<br />
Am 3. Februar 1943 wurden Herbert und Hildegard Abraham mit dem „28. Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Ob sie noch als arbeitsfähig eingestuft und somit zur Zwangsarbeit herangezogen wurden, oder ob sie sofort nach Ankunft ermordet wurden, ist nicht bekannt.<br />
<br />
Herberts Schwester Meta hatte 1929 den protestantischen Viehexpedienten und Schlächter Karl Fischer geheiratet. Sie hatte zwei Kinder mit ihm, wurde aber 1940 von ihrem Mann verlassen, da dieser erklärte, „mit einer Jüdin nicht mehr zusammenleben zu können“. Es folgte ein Martyrium mit mehrfacher Verhaftung durch die Gestapo. Meta wurde jedoch immer wieder ihrer Kinder wegen freigelassen. Zuletzt befanden sich Meta und ihre Söhne Fred und Jürgen am 4. März 1943 bereits in der Sammelstelle Große Hamburger Straße 26, um vermutlich zwei Tage später nach Auschwitz deportiert zu werden. Wegen des „arischen“ Aussehens des damals 10-jährigen Fred wurden alle drei am Abend desselben Tages aus dem „Abwanderungslager“ entlassen.<br />
<br />
Von 1943 bis April 1945 musste Meta Fischer in der Fa. Koffer Eger und im ACETA-Werk der IG Farbenindustrie in Lichtenberg Zwangsarbeit leisten. Meta überlebte den Krieg und ließ sich 1948 von Karl Fischer scheiden.

Herbert Abraham kam am 24. März 1905 als Sohn der gebürtigen Minna Schreyer und des Kaufmanns Hermann Abraham in Berlin-Schöneberg auf die Welt. Die Familie wohnte zu diesem Zeitpunkt in der Erdmannstraße 4. Herbert hatte eine zwei Jahre ältere Schwester, Meta, geboren am 17. September 1903.

1919 siedelten die Abrahams nach Stettin über. Dort war Herbert 1929 unter der Adresse Pölitzer Straße 86 gemeldet.

Nach Angaben seiner Schwester studierte Herbert an der damaligen Hochschule für Politik, unklar, ob in Berlin oder Stettin.

Er war wohl sehr bibliophil orientiert und sammelte eine umfangreiche Bibliothek an, die neben der Fachliteratur auch deutsche, französische und englische Literatur umfasste.

Herbert Abraham muss Ende der 20er Jahre Stettin verlassen haben und nach Berlin gezogen sein. Seine Berliner Adressen waren Krausnickstraße 8 und Jenaer Straße 19. In diesem Haus lebten auch seine späteren Schwiegereltern Carl und Adele Stahl mit ihrer Tochter Hildegard.

Seine Mutter Minna kam am 1. März 1940, kurz vor der angekündigten Deportation, in Stettin ums Leben. Als Sterbeort ist das katholische Carolus Stift in der Pölitzer Straße 31 angegeben. Minna und Hermann Abraham hatten sich 1927 scheiden lassen und Hermann war bereits 1930 in Berlin im Jüdischen Krankenhaus verstorben.

Herbert Abrahams Beruf wird wechselnd mit Kaufmann, Büroangestellter oder Jugendfürsorger beim Berliner Polizeipräsidium in der „Abteilung Gefährdete Jugend“ angegeben. Die letztere Tätigkeit hatte er nach Angaben seiner Schwester Meta 1933, unmittelbar nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten, aufgeben müssen. Am Ende wurde Herbert noch zur Zwangsarbeit in der Neuköllner Metallfabrik Goliasch & Co. herangezogen.

Anfang 1941 mussten Herbert, Hildegard, Carl und Adele Stahl ihre Wohnung innerhalb kürzester Zeit verlassen, nachdem sie zuvor alle Gegenstände von Wert, wie Schmuck und Tafelsilber, hatten abgeben müssen. Sie wurden zunächst nach Lichterfelde in den Tietzenweg 54 eingewiesen, Ende 1942 erfolgte die Umsetzung in die Hufelandstraße 10 zur Untermiete bei Moses. Hildegards Eltern, Carl und Adele Stahl, hatten bis September 1942 ebenfalls unter dieser Adresse gewohnt. Von dort waren sie nach Raasiku deportiert worden.

Am 3. Februar 1943 wurden Herbert und Hildegard Abraham mit dem „28. Osttransport“ in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Ob sie noch als arbeitsfähig eingestuft und somit zur Zwangsarbeit herangezogen wurden, oder ob sie sofort nach Ankunft ermordet wurden, ist nicht bekannt.

Herberts Schwester Meta hatte 1929 den protestantischen Viehexpedienten und Schlächter Karl Fischer geheiratet. Sie hatte zwei Kinder mit ihm, wurde aber 1940 von ihrem Mann verlassen, da dieser erklärte, „mit einer Jüdin nicht mehr zusammenleben zu können“. Es folgte ein Martyrium mit mehrfacher Verhaftung durch die Gestapo. Meta wurde jedoch immer wieder ihrer Kinder wegen freigelassen. Zuletzt befanden sich Meta und ihre Söhne Fred und Jürgen am 4. März 1943 bereits in der Sammelstelle Große Hamburger Straße 26, um vermutlich zwei Tage später nach Auschwitz deportiert zu werden. Wegen des „arischen“ Aussehens des damals 10-jährigen Fred wurden alle drei am Abend desselben Tages aus dem „Abwanderungslager“ entlassen.

Von 1943 bis April 1945 musste Meta Fischer in der Fa. Koffer Eger und im ACETA-Werk der IG Farbenindustrie in Lichtenberg Zwangsarbeit leisten. Meta überlebte den Krieg und ließ sich 1948 von Karl Fischer scheiden.