Siegbert Kasriel

Location 
Koppenstraße 17
Historical name
Müncheberger Straße 22
District
Friedrichshain
Stone was laid
2019
Born
1921
Occupation
Schneider
Deportation
on 07 December 1943 nach Auschwitz
Murdered
in Auschwitz
  • Stolperstein Siegbert Kasriel © Koordinierungstelle Stolpersteine Berlin
    Stolperstein Siegbert Kasriel © Koordinierungstelle Stolpersteine Berlin

    Stolperstein Siegbert Kasriel © Koordinierungstelle Stolpersteine Berlin

  • Stolpersteine Familie Kasriel © Koordinierungstelle Stolpersteine Berlin
    Stolpersteine Familie Kasriel © Koordinierungstelle Stolpersteine Berlin

    Stolpersteine Familie Kasriel © Koordinierungstelle Stolpersteine Berlin

Siegbert Kasriel wurde am 10. April 1921 in Jarotschin im damaligen Posen geboren. Er hatte eine zwei Jahre jüngere Schwester namens Dorothea, doch ist über seine Kindheit sonst wenig bekannt. Seine Eltern Paula und Leo Kasriel zogen im Laufe der 1920er Jahren mit ihrer Familie nach Berlin um, denn Siegbert lässt sich in den Schulakten des Andreas-Realgymnasiums (das heutige Andreas-Gymnasium) finden. Ob Dorothea diese Schule ebenfalls besuchte, ist unklar. <br />
In den Berliner Adressbüchern ist ihr Vater Leo Kasriel Anfang der 1930er Jahren als Kaufmann vermerkt und wir wissen, dass auch seine Mutter Paula arbeitete, sie hatte das Schneiderhandwerk gelernt, das später auch Siegbert und Dorothea erlernen würden. Warum sein Vater Leo starb, wissen wir ebenfalls nicht, ab 1934 ist seine Mutter als Witwe in den Berliner Adressbüchern zu finden. Es ist davon auszugehen, dass Leo Kasriel eines natürlichen Todes starb. Siegbert lebte mit seiner Mutter und seiner Schwester weiterhin in der Familienwohnung in der Müncheberger Straße 22 in Friedrichshain, die vor dem Krieg einen anderen Straßenverlauf hatte als die heutige Straße. <br />
Wie alle Berliner und Berlinerinnen, die als Juden und Jüdinnen verfolgt wurden, werden Siegbert, seine Schwester Dorothea und seine Mutter Paula den immer drastischeren antisemitischen Maßnahmen der Nationalsozialisten ausgesetzt worden sein. Ihr Alltag wird in der sog. Horst-Wessel-Stadt (so nannten die Nationalsozialisten Friedrichshain nach der Machtübernahme) zunehmend von Sorge und Angst geprägt sein und sicherlich mussten sie Zwangsarbeit leisten. <br />
Aus der Autobiografie „Der Passfälscher“ von Cioma Schönhaus wissen wir, dass Siegbert mit Cioma Schönhaus befreundet war und von allen „Det“ genannt wurde. Er verdiente als talentierter Schneider seinen Lebensunterhalt. Um 1942 war er in der Firma Wysocky angestellt, wo er die Mutter Schönhaus´ und später Cioma selbst kennenlernte. Cioma Schönhas beschreibt seinen Freund als wagemutigen jungen Mann, der keineswegs vorhatte, sich von den Nationalsozialisten gefangen nehmen zu lassen. Schon früh muss Siegbert geäußert haben, unterzutauchen, sollte der Deportationsbefehl kommen. Als auch Cioma Schönhaus im Juni 1942 untertauchte, beschlossen die beiden jungen Männer, dass Siegbert zu Cioma in die Münzstraße 11 in die versiegelte Wohnung von Schönhaus‘ Eltern ziehen sollte, die schon deportiert worden waren. Im Zusammenleben stellte sich Siegbert als guter Koch heraus. Seine gute Beziehungen zu den Marktfrauen, denen er Kleider schneiderte, die sie schlanker aussehen ließen, waren in der Lebensmittelbeschaffung hilfreich. Auf einer Karte markierten die beiden jungen Männer Fluchtwege aus Deutschland und diskutierten ihre Optionen, aus Nazideutschland zu entkommen. Nach einer Weile waren sie gezwungen, ihre Bleibe zu verlassen und fanden über Helfersnetzwerke Quartier bei einer Frau Lange. Sie teilten sich dort eine kleine Kammer mit einem ebenso kleinen Bett. Obwohl Cioma Schönhaus ihnen als versierter Dokumentenfälscher Wehrpässe angefertigt hatte, waren sie gezwungen, die Kammer aufzugeben, da der Repressionsdruck auf Cioma wegen seiner Tätigkeit als Passfälscher zunahm. An diesem Punkt trennten sich ihre Wege, denn Cioma Schönhaus wurde bereits steckbrieflich gesucht und musste aus Berlin fliehen. Leider bricht der Bericht über Siegbert Kasriel an diese Stelle ab, so dass unbekannt bleibt, was in der Zwischenzeit mit ihm geschah. Wir wissen nicht, ob Siegbert Kasriel denunziert wurde oder ob seine Papiere bei einer Kontrolle der Prüfung nicht standhielten. Siegbert Kasriel wurde aber offenbar gefasst, denn am 07. Dezember 1943 wurde er im „47. Transport“ nach Auschwitz deportiert, wo er – wie seine Mutter und Schwester ein halbes Jahr zuvor – ermordet wurde.<br />

Siegbert Kasriel wurde am 10. April 1921 in Jarotschin im damaligen Posen geboren. Er hatte eine zwei Jahre jüngere Schwester namens Dorothea, doch ist über seine Kindheit sonst wenig bekannt. Seine Eltern Paula und Leo Kasriel zogen im Laufe der 1920er Jahren mit ihrer Familie nach Berlin um, denn Siegbert lässt sich in den Schulakten des Andreas-Realgymnasiums (das heutige Andreas-Gymnasium) finden. Ob Dorothea diese Schule ebenfalls besuchte, ist unklar.
In den Berliner Adressbüchern ist ihr Vater Leo Kasriel Anfang der 1930er Jahren als Kaufmann vermerkt und wir wissen, dass auch seine Mutter Paula arbeitete, sie hatte das Schneiderhandwerk gelernt, das später auch Siegbert und Dorothea erlernen würden. Warum sein Vater Leo starb, wissen wir ebenfalls nicht, ab 1934 ist seine Mutter als Witwe in den Berliner Adressbüchern zu finden. Es ist davon auszugehen, dass Leo Kasriel eines natürlichen Todes starb. Siegbert lebte mit seiner Mutter und seiner Schwester weiterhin in der Familienwohnung in der Müncheberger Straße 22 in Friedrichshain, die vor dem Krieg einen anderen Straßenverlauf hatte als die heutige Straße.
Wie alle Berliner und Berlinerinnen, die als Juden und Jüdinnen verfolgt wurden, werden Siegbert, seine Schwester Dorothea und seine Mutter Paula den immer drastischeren antisemitischen Maßnahmen der Nationalsozialisten ausgesetzt worden sein. Ihr Alltag wird in der sog. Horst-Wessel-Stadt (so nannten die Nationalsozialisten Friedrichshain nach der Machtübernahme) zunehmend von Sorge und Angst geprägt sein und sicherlich mussten sie Zwangsarbeit leisten.
Aus der Autobiografie „Der Passfälscher“ von Cioma Schönhaus wissen wir, dass Siegbert mit Cioma Schönhaus befreundet war und von allen „Det“ genannt wurde. Er verdiente als talentierter Schneider seinen Lebensunterhalt. Um 1942 war er in der Firma Wysocky angestellt, wo er die Mutter Schönhaus´ und später Cioma selbst kennenlernte. Cioma Schönhas beschreibt seinen Freund als wagemutigen jungen Mann, der keineswegs vorhatte, sich von den Nationalsozialisten gefangen nehmen zu lassen. Schon früh muss Siegbert geäußert haben, unterzutauchen, sollte der Deportationsbefehl kommen. Als auch Cioma Schönhaus im Juni 1942 untertauchte, beschlossen die beiden jungen Männer, dass Siegbert zu Cioma in die Münzstraße 11 in die versiegelte Wohnung von Schönhaus‘ Eltern ziehen sollte, die schon deportiert worden waren. Im Zusammenleben stellte sich Siegbert als guter Koch heraus. Seine gute Beziehungen zu den Marktfrauen, denen er Kleider schneiderte, die sie schlanker aussehen ließen, waren in der Lebensmittelbeschaffung hilfreich. Auf einer Karte markierten die beiden jungen Männer Fluchtwege aus Deutschland und diskutierten ihre Optionen, aus Nazideutschland zu entkommen. Nach einer Weile waren sie gezwungen, ihre Bleibe zu verlassen und fanden über Helfersnetzwerke Quartier bei einer Frau Lange. Sie teilten sich dort eine kleine Kammer mit einem ebenso kleinen Bett. Obwohl Cioma Schönhaus ihnen als versierter Dokumentenfälscher Wehrpässe angefertigt hatte, waren sie gezwungen, die Kammer aufzugeben, da der Repressionsdruck auf Cioma wegen seiner Tätigkeit als Passfälscher zunahm. An diesem Punkt trennten sich ihre Wege, denn Cioma Schönhaus wurde bereits steckbrieflich gesucht und musste aus Berlin fliehen. Leider bricht der Bericht über Siegbert Kasriel an diese Stelle ab, so dass unbekannt bleibt, was in der Zwischenzeit mit ihm geschah. Wir wissen nicht, ob Siegbert Kasriel denunziert wurde oder ob seine Papiere bei einer Kontrolle der Prüfung nicht standhielten. Siegbert Kasriel wurde aber offenbar gefasst, denn am 07. Dezember 1943 wurde er im „47. Transport“ nach Auschwitz deportiert, wo er – wie seine Mutter und Schwester ein halbes Jahr zuvor – ermordet wurde.