Heinz Salomonsohn

Location 
Lietzenburger Str. 56
District
Charlottenburg
Stone was laid
2004
Born
1920
Deportation
on 05 September 1942 nach Riga
Murdered
1942 in Riga
  • Foto: Initiative Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf
    Foto: Initiative Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf

    Foto: Initiative Stolpersteine Charlottenburg-Wilmersdorf

Heinz Salomonsohn kam am 12. Januar 1920 in Berlin als zweites Kind des Kaufmanns Arnhold Salomonsohn und dessen Ehefrau Adele, geb. Marcus, auf die Welt. Sein 1877 in der Nähe von Vandsburg in der Provinz Westpreußen (heute Więcbork/Polen) geborener Vater stammte aus einer großen Kaufmannsfamilie, die in den kleinen Städten und Dörfern in der Nähe des Flusses Netze gelebt hatten oder noch lebten. Der Großvater Salomonsohn besaß in Vandsburg mehrere Geschäfte für Manufakturwaren und Textilien. Die Mutter Adele, zehn Jahre jünger als der Vater, war in Inowrozlaw (Hohensalza) aufgewachsen. Auch ihre Verwandten waren Kaufleute, der Großvater Nathan Marcus besaß ein Herrenmodengeschäft am Markt der Stadt. <br />
Die Eltern hatten 1910 geheiratet. Sein Vater lebte zu dieser Zeit in Mainz und arbeitete als Geschäftsführer einer Filiale des Alsberg-Konzerns. Am 15. November 1911 wurde dort Heinz’ älterer Bruder Manfred geboren. Die Eltern kehrten mit ihrem kleinen Kind in den Osten zurück, und Arnhold Salomonsohn übernahm in Vandsburg ein Geschäft des inzwischen verstorbenen Großvaters. Während des Krieges war der Vater Soldat. <br />
Nach Kriegsende verließen die Eltern das Städtchen Vandsburg (das 1920 polnisch werden sollte) und gingen nach Berlin. Der Vater gründete mit einem Schwager eine Konfektionsgroßhandlung in der Nähe des Spittelmarktes. Zum Zeitpunkt der Geburt von Heinz Salomonsohn wohnte die Familie in der (heute nicht mehr existierenden) Raupachstraße 9 in Berlin-Mitte. Hier verbrachte Heinz seine Kindheit.<br />
Nach einigen Jahren gaben Vater und Onkel die Großhandlung am Spittelmarkt auf und eröffneten drei Einzelhandelsgeschäfte in Berlin-Spandau (Kaufhaus Wilhelmstadt), in Berlin-Neukölln und in der kleinen märkischen Stadt Velten (Kaufhaus Hermann Jontofsohn). <br />
Die Familie lebte nun in Velten. Der Vater war Alleininhaber des Geschäftes an der Victoriastraße, das die Eltern gemeinsam leiteten. Die Familie wohnte in demselben Haus. Heinz ging in Velten zur Schule. Sein Bruder Manfred war Exportkaufmann geworden und lebte bald nicht mehr bei den Eltern. – Es war nach der Erinnerung einer Cousine, die ihre Vettern dort besucht hatte, ein „gutes Leben“. <br />
1933 musste der Vater das Geschäft aufgeben. Er zog mit Ehefrau Adele und Sohn Heinz nach Berlin zurück. Dort wohnte die Familie seit 1934 in einer 2-Zimmer-Wohnung im Parterre des Gartenhauses der Lietzenburger Straße 2 in Berlin-Wilmersdorf. Der Bruder Manfred lebte am Kurfürstendamm 213 – wie es aussieht, bei seinem Arbeitgeber, der Firma Lichtenthal und Wieselberg, die mit Textilien, vor allem mit Seide, handelte. Er emigrierte 1936 nach Südafrika. Heinz Salomonsohn, der das Abitur machen wollte, besuchte ein Gymnasium in der Nähe der Wohnung, musste es aber als Jude verlassen und arbeitete danach in einer Großhandlung. <br />
Vater Adolph Salomonsohn versuchte es mit Vertretungen und scheint für kurze Zeit auch die Stelle seines emigrierten Sohnes Manfred bei der Firma Lichtenthal und Wieselberg übernommen zu haben. <br />
Seit Beginn des Zweiten Weltkrieges gab es ab 20 Uhr ein abendliches Ausgangsverbot für Juden. 1941 wurde Heinz Salomonsohn abends auf der Straße festgenommen, weil er die Sperrstunde missachtet hatte. Er wurde in das Zellengefängnis in der Lehrter Straße geschafft, ein Untersuchungsgefängnis, das seit 1940 auch von Polizei und Gestapo genutzt wurde. Wie lange er dort war und was mit ihm geschah, bleibt unklar. <br />
Zuletzt aber scheint Heinz Salomonsohn wieder bei den Eltern gewohnt zu haben. Vater und Sohn mussten Zwangsarbeit leisten. Die Mutter war „Hausfrau“. Heinz Salomonsohn arbeitete bei der Firma Vereinigte Laborbedarfs- und Glaslieferungs G.m.b.H. in der Lausitzer Straße 10 im Bezirk Kreuzberg. Die Firma produzierte während des Krieges Geräte und Behälter für den Laborbedarf von Luftschutz und Wehrmacht. <br />
Am 5. September 1942 wurde Heinz Salomonsohn mit seinen Eltern (und fast 800 anderen) vom Güterbahnhof Moabit aus mit dem „19. Osttransport“ nach Riga deportiert. Auf der Transportliste ist als Anschrift für ihn und die Eltern die Lietzenburger Straße 2 angegeben. Nach drei Tagen Fahrt wurden 80 Handwerker zur Arbeit in das Ghetto von Riga geschafft, die übrigen Deportierten wurden gleich nach der Ankunft erschossen. Auch der noch junge Heinz Salomonsohn hatte keine Chance, wenigstens eine Zeit lang im Ghetto zu überleben.<br />
<br />
In Berlin hatten auch viele Verwandte der Eltern gelebt. Die meisten wurden in den Lagern und Ghettos des Ostens ermordet. Der nach Südafrika emigrierte Bruder Manfred Salomonsohn änderte seinen Nachnamen und nannte sich „Salo“. Er gründete eine Familie und starb 1978 in seiner neuen Heimat. Seine Kinder und Enkel haben die Stolpersteine gespendet.<br />

Heinz Salomonsohn kam am 12. Januar 1920 in Berlin als zweites Kind des Kaufmanns Arnhold Salomonsohn und dessen Ehefrau Adele, geb. Marcus, auf die Welt. Sein 1877 in der Nähe von Vandsburg in der Provinz Westpreußen (heute Więcbork/Polen) geborener Vater stammte aus einer großen Kaufmannsfamilie, die in den kleinen Städten und Dörfern in der Nähe des Flusses Netze gelebt hatten oder noch lebten. Der Großvater Salomonsohn besaß in Vandsburg mehrere Geschäfte für Manufakturwaren und Textilien. Die Mutter Adele, zehn Jahre jünger als der Vater, war in Inowrozlaw (Hohensalza) aufgewachsen. Auch ihre Verwandten waren Kaufleute, der Großvater Nathan Marcus besaß ein Herrenmodengeschäft am Markt der Stadt.
Die Eltern hatten 1910 geheiratet. Sein Vater lebte zu dieser Zeit in Mainz und arbeitete als Geschäftsführer einer Filiale des Alsberg-Konzerns. Am 15. November 1911 wurde dort Heinz’ älterer Bruder Manfred geboren. Die Eltern kehrten mit ihrem kleinen Kind in den Osten zurück, und Arnhold Salomonsohn übernahm in Vandsburg ein Geschäft des inzwischen verstorbenen Großvaters. Während des Krieges war der Vater Soldat.
Nach Kriegsende verließen die Eltern das Städtchen Vandsburg (das 1920 polnisch werden sollte) und gingen nach Berlin. Der Vater gründete mit einem Schwager eine Konfektionsgroßhandlung in der Nähe des Spittelmarktes. Zum Zeitpunkt der Geburt von Heinz Salomonsohn wohnte die Familie in der (heute nicht mehr existierenden) Raupachstraße 9 in Berlin-Mitte. Hier verbrachte Heinz seine Kindheit.
Nach einigen Jahren gaben Vater und Onkel die Großhandlung am Spittelmarkt auf und eröffneten drei Einzelhandelsgeschäfte in Berlin-Spandau (Kaufhaus Wilhelmstadt), in Berlin-Neukölln und in der kleinen märkischen Stadt Velten (Kaufhaus Hermann Jontofsohn).
Die Familie lebte nun in Velten. Der Vater war Alleininhaber des Geschäftes an der Victoriastraße, das die Eltern gemeinsam leiteten. Die Familie wohnte in demselben Haus. Heinz ging in Velten zur Schule. Sein Bruder Manfred war Exportkaufmann geworden und lebte bald nicht mehr bei den Eltern. – Es war nach der Erinnerung einer Cousine, die ihre Vettern dort besucht hatte, ein „gutes Leben“.
1933 musste der Vater das Geschäft aufgeben. Er zog mit Ehefrau Adele und Sohn Heinz nach Berlin zurück. Dort wohnte die Familie seit 1934 in einer 2-Zimmer-Wohnung im Parterre des Gartenhauses der Lietzenburger Straße 2 in Berlin-Wilmersdorf. Der Bruder Manfred lebte am Kurfürstendamm 213 – wie es aussieht, bei seinem Arbeitgeber, der Firma Lichtenthal und Wieselberg, die mit Textilien, vor allem mit Seide, handelte. Er emigrierte 1936 nach Südafrika. Heinz Salomonsohn, der das Abitur machen wollte, besuchte ein Gymnasium in der Nähe der Wohnung, musste es aber als Jude verlassen und arbeitete danach in einer Großhandlung.
Vater Adolph Salomonsohn versuchte es mit Vertretungen und scheint für kurze Zeit auch die Stelle seines emigrierten Sohnes Manfred bei der Firma Lichtenthal und Wieselberg übernommen zu haben.
Seit Beginn des Zweiten Weltkrieges gab es ab 20 Uhr ein abendliches Ausgangsverbot für Juden. 1941 wurde Heinz Salomonsohn abends auf der Straße festgenommen, weil er die Sperrstunde missachtet hatte. Er wurde in das Zellengefängnis in der Lehrter Straße geschafft, ein Untersuchungsgefängnis, das seit 1940 auch von Polizei und Gestapo genutzt wurde. Wie lange er dort war und was mit ihm geschah, bleibt unklar.
Zuletzt aber scheint Heinz Salomonsohn wieder bei den Eltern gewohnt zu haben. Vater und Sohn mussten Zwangsarbeit leisten. Die Mutter war „Hausfrau“. Heinz Salomonsohn arbeitete bei der Firma Vereinigte Laborbedarfs- und Glaslieferungs G.m.b.H. in der Lausitzer Straße 10 im Bezirk Kreuzberg. Die Firma produzierte während des Krieges Geräte und Behälter für den Laborbedarf von Luftschutz und Wehrmacht.
Am 5. September 1942 wurde Heinz Salomonsohn mit seinen Eltern (und fast 800 anderen) vom Güterbahnhof Moabit aus mit dem „19. Osttransport“ nach Riga deportiert. Auf der Transportliste ist als Anschrift für ihn und die Eltern die Lietzenburger Straße 2 angegeben. Nach drei Tagen Fahrt wurden 80 Handwerker zur Arbeit in das Ghetto von Riga geschafft, die übrigen Deportierten wurden gleich nach der Ankunft erschossen. Auch der noch junge Heinz Salomonsohn hatte keine Chance, wenigstens eine Zeit lang im Ghetto zu überleben.

In Berlin hatten auch viele Verwandte der Eltern gelebt. Die meisten wurden in den Lagern und Ghettos des Ostens ermordet. Der nach Südafrika emigrierte Bruder Manfred Salomonsohn änderte seinen Nachnamen und nannte sich „Salo“. Er gründete eine Familie und starb 1978 in seiner neuen Heimat. Seine Kinder und Enkel haben die Stolpersteine gespendet.