Charlotte Horowicz

Location 
Mendelssohnstr. 10
Historical name
Meyerbeerstr. 5
District
Prenzlauer Berg
Stone was laid
2021
Born
1931
Escape
1942 Belgien
Survived
  • Charlotte Schtorch © Archiv Familie Horowicz

    Charlotte Schtorch © Archiv Familie Horowicz

Charlotte (Lotti) Horowicz Schtorch wurde im September 1931 in Berlin als Tochter von Abraham und Gitla Horowicz geboren.<br />
Mit ihrem älteren Bruder Manfred und ihren Eltern lebte sie in einer schönen Wohnung in der damaligen Meirbergstraße, der heutigen Mendelsohnstraße.<br />
Lotti spielte mit Freundinnen und Freunden, half im Haushalt, wenn man sie darum bat, kümmerte sich um ihren älteren Bruder und hatte ein enges Verhältnis zu ihren Eltern, besonders zu ihrem Vater. Jeden Sonntag gingen sie alle in den Park, wo ihre Eltern ihre Lieblingssüßigkeiten kauften. Die Familie war nicht religiös, aber sie aßen nur koscheres Essen. Sie sagte immer, dass ihre frühe Kindheit glücklich und normal war.<br />
Lotti wurde in einer jüdischen Mädchenvolksschule angemeldet. Aber bald darauf, als die Nazis das tägliche Leben der Jüdinnen und Juden immer mehr erschwerten, beschlossen ihre Eltern, nach Belgien zu ziehen, wo Lotti einen Onkel und eine Tante in Antwerpen hatte. Im Sommer 1938 wurden Lotti und ihr Bruder Manfred mit dem Zug nach Antwerpen gebracht. Sie wurden von einer jüdischen Frau begleitet, die eine Erlaubnis hatte, nach Belgien zu gehen, und beide Kinder wurden in ihren Dokumenten als ihre Kinder eingetragen.<br />
Lottis Eltern kamen einige Wochen später nach. Sie lebten bei ihren Verwandten und Lottis Vater konnte dort mit seinem Bruder arbeiten. Nachdem die Nazis in Belgien einmarschiert waren und das Leben hart wurde, kaufte die Familie einen kleinen Wagen, in dem sie einen Teil ihres Haushalts unterbrachte. Sie machten sich zu Fuß auf den Weg zur französischen Grenze, in der Hoffnung, dass die französischen Behörden sie in Frankreich bleiben lassen würden. Doch sie wurden abgewiesen und mussten nach Antwerpen zurückkehren.<br />
Im Jahr 1942 erhielt Lottis Vater eine Nachricht mit dem Befehl, zum Gestapo-Hauptquartier zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt beschloss die Familie, nach Brüssel zu ziehen.<br />
Sie fanden eine Wohnung in einem nichtjüdischen Viertel, wo Lotti und ihr Bruder angewiesen wurden, nicht nach draußen zu gehen und nicht aus den Fenstern zu schauen. Die Eltern bereiteten für sie ein Versteck hinter einem Schrank im Zimmer vor und beide Kinder hatten eine kleine Tasche mit lebenswichtigen Dingen für den Fall, dass die Gestapo sie mitnehmen würde.<br />
Nur der Vermieter der Wohnung und der Besitzer eines nahegelegenen Kaffeehauses wussten, dass sie jüdisch waren. Bei ihnen wurden einige Wertgegenstände der Familie aufbewahrt, wie die Ölgemälde von Lottis Vater.<br />
Anfang 1943 schlug ein Freund von Abraham und Gitla, der im belgischen Untergrund aktiv war, vor, Lotti bei einer katholischen Familie in einem kleinen Dorf im wallonischen Gebiet zu verstecken. Lotti bekam einen neuen Familiennamen, Van Horn, und fuhr mit einer anderen Frau aus dem Untergrund in einem Zug zu ihrem neuen Zuhause. Sie wurde von in Brüssel abgeholt, wo man sich zu Hause verabschiedete, um auf dem Bahnhof nicht zu sehr aufzufallen.<br />
Sie fuhren zunächst mit dem Zug und machten dann einen langen Spaziergang durch Wälder und landwirtschaftliche Gebiete, bis sie das Haus der Familie LeCoq in Vellereille-les-Brayeux erreichten. Die Kinder der Familie LeCoq waren bereits erwachsen und Lotti wurde von der Familie sehr nett behandelt. Sie wurde bei einer Schule angemeldet, die zu einer Abtei gehörte und von Nonnen geleitet wurde. Schon bald war sie mit allen Gebeten und anderen christlichen Bräuchen vertraut, doch Frau LeCoq half ihr, nur koscheres Essen zu essen. Irgendwann bat Lotti ihre Eltern um die Erlaubnis, sich taufen zu lassen. Sie war etwa 12 Jahre alt und wollte so sein wie alle anderen um sie herum. Ihr Vater erklärte ihr sehr sanft, dass sie zu jung sei, um einen so großen Schritt zu tun. Nur wenige Menschen im Dorf wussten, dass sie Jüdin war: die Familie LeCoq, ein Nachbar und der Schuldirektor. Allen anderen wurde gesagt, sie sei eine Verwandte der LeCoqs, die wegen der Luftangriffe aus Brüssel geschickt wurde.<br />
Wann immer eine Schulinspektion geplant war, warnte der Schulleiter Lotti und sie blieb an diesem Tag zu Hause und erzählte ihren Freunden, dass sie krank sei. Wenn die Nazis durchkamen und das Haus besuchten (Herr LeCoq war der Ortsvorsteher), rannte Lotti hinaus auf die Felder oder durch eine Hintertür zum Nachbarn, bis sie wieder gingen.<br />
Ihre Eltern schrieben ihr jede Woche und schickten ihr Süßigkeiten, speziellen, von ihrer Mutter hergestellten Käse oder etwas Geld für neue Schuhe oder einen Mantel und sie antwortete ihnen. Im Juli 1944 hörten die Briefe auf. Lotti wurde gesagt, dass ihre Familie bis zum Ende des Krieges in die Niederlande gezogen sei und daher nicht mehr schreiben könne, während sie in Wirklichkeit von der Gestapo gefangen und nach Auschwitz deportiert worden waren. <br />
Im Herbst 1944 wurden die Nazis von den Alliierten besiegt und zogen sich aus Belgien zurück. Lottis Tante, die wusste, wo sie sich befand, nahm sie unter ihrer Obhut mit nach Brüssel. Wie Lotti erzählte, half sie im Mai 1945 ihrem Cousin beim Aufhängen von Gardinen im Wohnzimmer ihrer Tante. Plötzlich hörten sie ein Klopfen an der Tür. Es war Freitag und jeden Freitag erhielten sie eine Fischlieferung für das Schabbatessen. Ihr Cousin ging, um die Tür zu öffnen, aber dann sah sie, dass er von einer Frau umarmt wurde. Es war Gitla, Lottis Mutter! Lotti brauchte ein paar Minuten, um zu begreifen, dass diese Frau ihre Mutter ist, die Auschwitz und den Todesmarsch überlebt und sie in Brüssel gefunden hatte. <br />
Ihr Vater Abraham und ihr Bruder Manfred überlebten nicht.<br />
Lotti und ihre Mutter blieben bis 1947 in Belgien und gingen dann nach Paris.<br />
1951 zogen beide nach Israel und 1954 heiratete Lotti Kalman Schtorch, der in Polen geboren und als der Krieg begann nach Russland geflohen war. Dort wurde er während der Kriegsjahre inhaftiert, weil er ohne legale Papiere nach Russland eingereist war. Seine Eltern und drei von vier Geschwistern wurden von den Nazis ermordet.<br />
Lotti hatte zwei Töchter, Rachel und Orna, und sie alle lebten in der Stadt Givatayim.<br />
Sie war Hausfrau und sprach Hebräisch, Deutsch, Jiddisch, Flämisch, Englisch und Französisch.<br />
Bei Lotti wurde 1990 Krebs diagnostiziert, sie starb 1991 im Alter von 60 Jahren.<br />
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Charlotte (Lotti) Horowicz Schtorch wurde im September 1931 in Berlin als Tochter von Abraham und Gitla Horowicz geboren.
Mit ihrem älteren Bruder Manfred und ihren Eltern lebte sie in einer schönen Wohnung in der damaligen Meirbergstraße, der heutigen Mendelsohnstraße.
Lotti spielte mit Freundinnen und Freunden, half im Haushalt, wenn man sie darum bat, kümmerte sich um ihren älteren Bruder und hatte ein enges Verhältnis zu ihren Eltern, besonders zu ihrem Vater. Jeden Sonntag gingen sie alle in den Park, wo ihre Eltern ihre Lieblingssüßigkeiten kauften. Die Familie war nicht religiös, aber sie aßen nur koscheres Essen. Sie sagte immer, dass ihre frühe Kindheit glücklich und normal war.
Lotti wurde in einer jüdischen Mädchenvolksschule angemeldet. Aber bald darauf, als die Nazis das tägliche Leben der Jüdinnen und Juden immer mehr erschwerten, beschlossen ihre Eltern, nach Belgien zu ziehen, wo Lotti einen Onkel und eine Tante in Antwerpen hatte. Im Sommer 1938 wurden Lotti und ihr Bruder Manfred mit dem Zug nach Antwerpen gebracht. Sie wurden von einer jüdischen Frau begleitet, die eine Erlaubnis hatte, nach Belgien zu gehen, und beide Kinder wurden in ihren Dokumenten als ihre Kinder eingetragen.
Lottis Eltern kamen einige Wochen später nach. Sie lebten bei ihren Verwandten und Lottis Vater konnte dort mit seinem Bruder arbeiten. Nachdem die Nazis in Belgien einmarschiert waren und das Leben hart wurde, kaufte die Familie einen kleinen Wagen, in dem sie einen Teil ihres Haushalts unterbrachte. Sie machten sich zu Fuß auf den Weg zur französischen Grenze, in der Hoffnung, dass die französischen Behörden sie in Frankreich bleiben lassen würden. Doch sie wurden abgewiesen und mussten nach Antwerpen zurückkehren.
Im Jahr 1942 erhielt Lottis Vater eine Nachricht mit dem Befehl, zum Gestapo-Hauptquartier zu gehen. Zu diesem Zeitpunkt beschloss die Familie, nach Brüssel zu ziehen.
Sie fanden eine Wohnung in einem nichtjüdischen Viertel, wo Lotti und ihr Bruder angewiesen wurden, nicht nach draußen zu gehen und nicht aus den Fenstern zu schauen. Die Eltern bereiteten für sie ein Versteck hinter einem Schrank im Zimmer vor und beide Kinder hatten eine kleine Tasche mit lebenswichtigen Dingen für den Fall, dass die Gestapo sie mitnehmen würde.
Nur der Vermieter der Wohnung und der Besitzer eines nahegelegenen Kaffeehauses wussten, dass sie jüdisch waren. Bei ihnen wurden einige Wertgegenstände der Familie aufbewahrt, wie die Ölgemälde von Lottis Vater.
Anfang 1943 schlug ein Freund von Abraham und Gitla, der im belgischen Untergrund aktiv war, vor, Lotti bei einer katholischen Familie in einem kleinen Dorf im wallonischen Gebiet zu verstecken. Lotti bekam einen neuen Familiennamen, Van Horn, und fuhr mit einer anderen Frau aus dem Untergrund in einem Zug zu ihrem neuen Zuhause. Sie wurde von in Brüssel abgeholt, wo man sich zu Hause verabschiedete, um auf dem Bahnhof nicht zu sehr aufzufallen.
Sie fuhren zunächst mit dem Zug und machten dann einen langen Spaziergang durch Wälder und landwirtschaftliche Gebiete, bis sie das Haus der Familie LeCoq in Vellereille-les-Brayeux erreichten. Die Kinder der Familie LeCoq waren bereits erwachsen und Lotti wurde von der Familie sehr nett behandelt. Sie wurde bei einer Schule angemeldet, die zu einer Abtei gehörte und von Nonnen geleitet wurde. Schon bald war sie mit allen Gebeten und anderen christlichen Bräuchen vertraut, doch Frau LeCoq half ihr, nur koscheres Essen zu essen. Irgendwann bat Lotti ihre Eltern um die Erlaubnis, sich taufen zu lassen. Sie war etwa 12 Jahre alt und wollte so sein wie alle anderen um sie herum. Ihr Vater erklärte ihr sehr sanft, dass sie zu jung sei, um einen so großen Schritt zu tun. Nur wenige Menschen im Dorf wussten, dass sie Jüdin war: die Familie LeCoq, ein Nachbar und der Schuldirektor. Allen anderen wurde gesagt, sie sei eine Verwandte der LeCoqs, die wegen der Luftangriffe aus Brüssel geschickt wurde.
Wann immer eine Schulinspektion geplant war, warnte der Schulleiter Lotti und sie blieb an diesem Tag zu Hause und erzählte ihren Freunden, dass sie krank sei. Wenn die Nazis durchkamen und das Haus besuchten (Herr LeCoq war der Ortsvorsteher), rannte Lotti hinaus auf die Felder oder durch eine Hintertür zum Nachbarn, bis sie wieder gingen.
Ihre Eltern schrieben ihr jede Woche und schickten ihr Süßigkeiten, speziellen, von ihrer Mutter hergestellten Käse oder etwas Geld für neue Schuhe oder einen Mantel und sie antwortete ihnen. Im Juli 1944 hörten die Briefe auf. Lotti wurde gesagt, dass ihre Familie bis zum Ende des Krieges in die Niederlande gezogen sei und daher nicht mehr schreiben könne, während sie in Wirklichkeit von der Gestapo gefangen und nach Auschwitz deportiert worden waren.
Im Herbst 1944 wurden die Nazis von den Alliierten besiegt und zogen sich aus Belgien zurück. Lottis Tante, die wusste, wo sie sich befand, nahm sie unter ihrer Obhut mit nach Brüssel. Wie Lotti erzählte, half sie im Mai 1945 ihrem Cousin beim Aufhängen von Gardinen im Wohnzimmer ihrer Tante. Plötzlich hörten sie ein Klopfen an der Tür. Es war Freitag und jeden Freitag erhielten sie eine Fischlieferung für das Schabbatessen. Ihr Cousin ging, um die Tür zu öffnen, aber dann sah sie, dass er von einer Frau umarmt wurde. Es war Gitla, Lottis Mutter! Lotti brauchte ein paar Minuten, um zu begreifen, dass diese Frau ihre Mutter ist, die Auschwitz und den Todesmarsch überlebt und sie in Brüssel gefunden hatte.
Ihr Vater Abraham und ihr Bruder Manfred überlebten nicht.
Lotti und ihre Mutter blieben bis 1947 in Belgien und gingen dann nach Paris.
1951 zogen beide nach Israel und 1954 heiratete Lotti Kalman Schtorch, der in Polen geboren und als der Krieg begann nach Russland geflohen war. Dort wurde er während der Kriegsjahre inhaftiert, weil er ohne legale Papiere nach Russland eingereist war. Seine Eltern und drei von vier Geschwistern wurden von den Nazis ermordet.
Lotti hatte zwei Töchter, Rachel und Orna, und sie alle lebten in der Stadt Givatayim.
Sie war Hausfrau und sprach Hebräisch, Deutsch, Jiddisch, Flämisch, Englisch und Französisch.
Bei Lotti wurde 1990 Krebs diagnostiziert, sie starb 1991 im Alter von 60 Jahren.