- Location
- Mommsenstr. 56
- District
- Charlottenburg
- Stone was laid
-
07 April 2010
- Born
- 29 April 1898 in Berlin
- Deportation
- on 01 March 1943 to Auschwitz
-
Murdered
- in Auschwitz
Fritz Leonhard Gumpert wurde am 29. April 1898 in Berlin geboren. Für seine Eltern, den Kaufmann Gustav Gumpert (*1857) und Gertrud Gumpert geborene Haber (*1867), war er das dritte von ingesamt vier Kindern. Sein älterer Bruder Hans war 1890 geboren und seine 1895 geborene Schwester Charlotte Margarethe war schon mit 8 Monaten gestorben. Vier Jahre nach ihm kam sein kleiner Bruder Erich Adolf Alexander zur Welt. Sie wuchsen im gutbürgerlichen Hansaviertel im Siegmundshof 16 auf.
Wie sein älterer Bruder Hans besuchte auch Fritz ein Gymnasium, welches er ungefähr mit 20 Jahren 1918 mit dem Abitur abschloss. An der Universität Jena begann er ein Studium der Staatswissenschaften, welches er ca. 1923 mit der Promotion zum Dr. rer. pol. – Doktor der politischen Wissenschaften oder Doktor der Staatswissenschaften – abschloss. 1923 schrieb er eine Studie über die Bildungsbestrebungen der freien Gewerkschaften, welche besonders gewürdigt wurde.
Im Februar 1925 starb sein Vater mit 68 Jahren. Vermutlich kam Fritz daraufhin zurück nach Berlin und wohnte wieder bei seiner Familie nun in der Mommsenstraße 56 in Charlottenburg. 1925 schrieb er in Berlin einen Bericht auf Grund persönlicher Information des Zentralsekretariats der Stiftung "Pro Juventute" in Zürich zum Thema „Der Vertrieb der Schweizer Wohlfahrtsbriefmarken 'Pro Juventute', welche von der Reichsgeschäftsstelle der Deutschen Nothilfe in Berlin 1928 herausgegeben wurden".
Als sein älterer Bruder Hans am 10. Dezember 1932 in zweiter Ehe Kitty Stenzel heiratete, war Fritz Trauzeuge und wurde als Geschäftsführer und Doktor der Staatswissenschaften ausgewiesen.
Viermutlich konnte er die Geschäftsführerstelle nach der Machtergreifung Hitlers und der Nationalsozialisten 1933 nicht weiter innehaben. Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ war Fritz in einem Haushalt mit seinem älteren Bruder Hans und seiner „arischen“ Schwägerin Kitty sowie seiner 4-jährigen Nichte Gabriele in der Mommsenstraße 56 - 2. Stock vorne gemeldet.
Fritz jüngster Bruder Erich war bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939, damals 37 Jahre alt, in der Nussbaumallee 38 in Berlin-Charlottenburg-Westend gemeldet. Dort befanden sich "Dr. Weiler´s Kuranstalten für Gemüts- und Nervenkranke" sowie "Dr. J. Waldschmidt´s Privat-Heil und Pflege-Anstalt für Gemütskranke", speziell auch für „Morphinisten“ und „Alkoholisten“. Er wohnte aber 1942 wieder in der Mommsenstr. 56.
1941 wurde Fritz zur Zwangsarbeit verpflichtet. Seine 75-jährige Mutter Gertrud war die erste der Familie Gumpert, die im September 1942 den Deportationsbefehl erhielt. Ihr gesamtes Vermögen von ca. 10.000 RM und 20.000 Kronen musste sie für einen „Heimeinkaufsvertrag“ abliefern. Am 23. September 1942 wurde sie dann vom Anhalter Bahnhof nach Theresienstadt deportiert. Aufgrund der katastrophalen Lebensbedingungen im Ghetto starb sie schon drei Wochen später. Auf der Todesfallanzeige des Ghettos notierte der behandelnde Arzt Dr. Emil Hahn als Todesursache Herzfehler und Herzlähmung. Die Familie bekam keine Benachrichtigung vom Tod ihrer Mutter.
Da Fritz‘ Bruder Erich aufgrund seiner „Gemütskrankheit“ nicht erwerbsfähig war, wurde er schon am 19. Oktober 1942 mit dem 21. Osttransport zusammen mit 998 Berlinerinnen und Berlinern, darunter 60 Kinder aus dem Auerbach´schen Waisenhaus im Alter zwischen 2 und 16 Jahren, nach Riga deportiert. Der Zug wurde am Güterbahnhof Moabit an der Putlitzstraße abgefertigt. In Riga wurden 81 Männer mit handwerklichen Berufen ausgesucht und den verschiedensten Arbeitskommandos zugeteilt. Alle anderen Insassen des Transports wurden sofort nach der Ankunft in den Wäldern in der Nähe von Riga erschossen. Erich Gumpert wurde am 22. Oktober 1942 mit 40 Jahren ermordet.
Als Fritz am 27. Februar 1943 das Haus in der Mommsenstraße 56 verließ, um zur Arbeit zu gehen, ahnte er nicht, dass er nie mehr zurückkehren würde. Bei der sogenannten „Fabrikaktion“, bei der alle bislang von der Deportation zurückgestellten jüdischen Zwangsarbeiter von der Gestapo verhaftet wurden, wurde auch Fritz an seinem Arbeitsplatz festgesetzt. Er wurde in ein Sammellager gebracht und zwei Tage später, am 1. März 1943, in das Vernichtungslager Auschwitz deportiert. Von den 1800 gelisteten Personen, die am nächsten Tag in Auschwitz-Birkenau eintrafen, wurden nach der „Selektion“ 142 Männer und 385 Frauen als Häftlinge in das Lager eingewiesen. Ob der 44-jährige Fritz Gumpert dazugehörte, ist ungewiss. Der größte Teil der Deportierten wurde in den Gaskammern ermordet. Dr. Fritz Gumpert starb mit ca. 45 Jahren.
Nach der Befreiung Berlins 1945 wartete sein Bruder Hans vergeblich auf Nachrichten seiner Brüder Erich und Fritz. 1957 ließ er sie für tot erklären. Seine Anträge beim Wiedergutmachungsamt, das Geld für den Heimeinkaufsvertrag seiner Mutter wieder zurückzubekommen, wurden allesamt abgelehnt.
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