Ursula Linder

Location 
Nassauische Str. 7 - 8
District
Wilmersdorf
Stone was laid
14 November 2016
Born
11 May 1930 in Berlin
Deportation
on 28 March 1942 to Piaski
Murdered
in Trawniki
Biography

Ursula Henriette Linder wurde am 11. Mai 1930 in Berlin geboren. Ihre Mutter war die 35-jährige Kassiererin Elsa Recha Linder, geborene Epstein (*6. Juni 1894). Ihr Vater Ludwig Linder (*5. September 1900) war katholisch und stammte aus Augsburg in Bayern. Ihre Eltern hatten im April 1927 geheiratet.

Gut ein Jahr nach ihrer Geburt ließ sich ihr Vater Ludwig Linder von ihrer Mutter Elsa scheiden, um einen Monat später, im Dezember 1931, eine andere Frau zu heiraten. Kontakte zwischen Ursula und ihrem Vater konnten nicht recherchiert werden.

Ursula lebte mit ihrer Mutter und Großmutter, der Witwe Euphemie Epstein, in der Nassauischen Straße 7-8. Als sie 1936 in die 6. Jüdische Volksschule eingeschult wurde, gab ihre Mutter den Namen des Vaters mit dem Vermerk „katholisch“ an. Ursula galt nach den Nürnberger Rassengesetzen somit als „Halbjüdin“.

Bei der „Minderheiten-Volkszählung“ am 17. Mai 1939 waren nur noch ihre Mutter und sie selbst in der Nassauischen Str. 7-8 gemeldet. Ihre Großmutter war zu Ursulas Tante Käthe nach Den Haag in die Niederlande geflüchtet. Auch ihre Tante Erna konnte Anfang 1939 noch nach Palästina ausreisen.

Fünf Monate später mussten Ursula und ihre Mutter aus der Nassauischen Straße 7-8 ausziehen. Sie wohnten fortan zur Untermiete bei Emmy und Max Berliner in der Brandenburgischen Straße 46. Ihre Mutter arbeitete damals als Köchin, um den Lebensunterhalt für beide bestreiten zu können.

Ursula wechselte am 23. Oktober 1941 mit 11 Jahren von der 6. Jüdischen Volksschule in die 8. Jüdische Volksschule an der Joachimsthaler Straße 13. Am 14. März 1942 musste sie ein weiteres Mal mit ihrer Mutter umziehen. Sie wohnten noch 14 Tage in der Würzburger Straße 7 bei Alice und Lisa Heymann. Diese war ihre letzte Adresse in Berlin. Von hier aus wurden sie deportiert.

Am 28. März 1942 verließen 973 Jüdinnen und Juden, darunter Elsa und Ursula Linder, in einem Zug, der hauptsächlich aus Viehwaggons bestand, Berlin. Der Zug war zwei Tage unterwegs und erreichte den Bahnhof Trawniki am 30. März 1942. Von hier aus mussten die Deportierten zu Fuß in das ca. 12 km entfernte Ghetto Piaski gehen. Im Lager Trawniki wurden sie später ermordet bzw. konnten sie aufgrund der katastrophalen Verhältnisse nicht überleben.

Ursula Linder musste mit ca. 12 Jahren und ihre Mutter Elsa Recha Linder mit ca. 47 Jahren aufgrund des staatlichen deutschen Antisemitismus sterben.

Ursulas Großmutter Euphemie Epstein wurde aus den Niederlanden nach Auschwitz deportiert und dort am 22. Mai 1944 ermordet. Sie starb mit 74 Jahren.