Hermann Berger

Location 
Paulsenstr. 55
District
Steglitz
Stone was laid
02 July 2024
Born
10 August 1865 in Tarnowitz (Schlesien) / Tarnowskie Góry
Occupation
Kaufmann
Deportation
on 17 March 1943 to Theresienstadt
Murdered
22 December 1943 in Theresienstadt
Biography

Hermann Berger wurde am 10. August 1865 in Tarnowitz, dem heutigen Tarnowskie Góry/Polen, geboren, einer Kleinstadt in Oberschlesien. In den 1890er Jahren lernte er seine Ehefrau Emma Rosalie Jacobowitz kennen, die am 29. Januar 1865 in Königshütte (heute Chorzów/Polen) zur Welt kam. Das Ehepaar zog nach Dresden. Dort wurde ihr Sohn Franz Moritz am 27. Juli 1896 geboren.

In der Folge zog die Familie nach Köln und betrieb dort das Lampengeschäft „Martin Schiffgen“ in der Kölner Altstadt, In der Höhle 8-12. Das Geschäft existiert noch heute. In Köln kam am 4. Juli 1903 das zweite Kind, die Tochter Marie Martha, zur Welt. In Köln verbrachte Hermann Berger mit seiner Familie die meiste Zeit seines Lebens. 1924 wurde er Alleininhaber des Lampengeschäfts. In den Jahren der Weimarer Republik war das Geschäft offenbar sehr erfolgreich. Das Sortiment umfasste neben Lampen, auch Radios, moderne Staubsauger und unterschiedliche elektronische Geräte. Eines der dieser Biographie beigefügten Fotos zeigt die Familie Berger in ihrem Geschäft im Jahr 1928. Im selben Jahr heiratete Tochter Marie Martha und zog zu ihrem Ehemann Walter Schindler nach Berlin. Am 16. Mai 1930 wurde Hermanns und Rosalies Enkelsohn Peter geboren.

Mit der Machtübertragung an die Nationalsozialisten im Jahr 1933 verschlechterte sich das Leben der jüdischen Familie Berger zunehmend. Das Lampengeschäft war ab 1. April 1933 von der staatlich verordneten Boykottaktion gegen jüdische Geschäfte betroffen. Der Umsatz ging stark zurück. Unter hohem wirtschaftlichen Druck stehend, verkaufte Hermann Berger im Jahr 1936 sein Geschäft schließlich weit unter Wert. Im selben Jahr zog das Ehepaar Berger nach Berlin. Sie lebten im Haushalt der Tochter Marie und ihres Ehemanns Walter Schindler in deren Wohnung in der Paulsenstr. 55 in Berlin-Steglitz. Hermann Berger war zu diesem Zeitpunkt 71 Jahre alt.

1938 gelang Tochter Marie, ihrem Ehemann Walter Schindler und Sohn Peter die Flucht aus Deutschland. Nach einer Station in England konnten sie sich schließlich in Uruguay niederlassen.

Auch Hermann und Rosalies Sohn Franz Moritz lebte in Berlin, nachdem das Lampengeschäft der Familie Berger in Köln aufgegeben worden war. Er hatte dort als Prokurist gearbeitet. Am 26. Juli 1938 heiratete er Hildegard Simke (*15.08.1904). Das Paar wohnte in Berlin-Charlottenburg in der Waitzstr. 6. Franz flüchtete 1938 mit seiner Ehefrau Hildegard und der Schwiegermutter Lucie Lichtenstein Simke nach Chile. Sie lebten in Santiago de Chile, wo Franz ein Lampengeschäft betrieb. Am 16. Mai 1967 starb Franz Berger in Santiago. Die Spuren von Hilde und ihrer Mutter Lucie konnten bisher nicht weiterverfolgt werden.

Von 1937 bis 1942 beherbergte die Familie Berger in der Paulsenstr. 55 auch das Ehepaar Gustav und Leonie Lewin, geb. Guradze. Leonie Lewin verstarb am 17. Januar 1942. Im selben Jahr wurden die Eheleute Berger und Gustav Lewin gezwungen, in die Schöneberger Str. 25 in Berlin-Kreuzberg zu ziehen. Dort mussten sie sich das Zimmer mit einer anderen einquartierten jüdischen Familie teilen. Ihr zurückgelassener Besitz wurde enteignet. Gustav Lewin starb am 19. November 1942. Möglicherweise beging er Suizid. 

Am 17. März 1943 wurden Hermann Berger und seine Ehefrau Emma Rosalie mit dem „4. Großen Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert. Hermann Berger verstarb nach offiziellen Angaben am 22. Dezember 1943 im KZ Theresienstadt.

Seine Ehefrau Emma Rosalie Berger wurde von Theresienstadt am 16. Mai 1944 nach Auschwitz-Birkenau in das „Familienlager Theresienstadt“ (Lager B IIb) deportiert. Von den insgesamt 7.500 Menschen, die am 15., 16. und 18. Mai von Theresienstadt nach Auschwitz deportiert worden waren, wurden nach dem 9. Juli etwa 3.000 bis 3.500 Menschen zur Zwangsarbeit auf andere Lager verteilt. Die übrigen 4.000 bis 4.500 Deportierten wurden am 11. und 12. Juli 1944 in den Gaskammern von Birkenau ermordet. Zu ihnen gehörte vermutlich auch Emma Rosalie Berger.