Margit Ernestine Rosenthal

Location 
Wichertstr. 38
District
Prenzlauer Berg
Stone was laid
2020
Born
1928
Deportation
on 07 January 1944 nach Theresienstadt
Later deported
in 1944 nach Auschwitz
Later deported
in 1945 nach Bergen-Belsen
Survived
  • Stolperstein Margit Rosenthal © OTFW
    Stolperstein Margit Rosenthal © OTFW

    Stolperstein Margit Rosenthal © OTFW

Margit (Ernestine) Rosenthal kam einen Tag vor Weihnachten, am 23.12.1928 in Berlin zur Welt. Wir wissen nicht, ob die Rosenthals Weihnachten feierten, aber für die beiden Eltern Heinz und Margarete war ihr Kind so oder so sicherlich ein Geschenk des Himmels.<br />
<br />
Heinz Vater Max Rosenthal war zwar Jude, nicht aber seine Mutter Auguste Emilie Mathilde Agnes, geborene Fischer. Agnes war evangelisch getauft und nahm anlässlich der Hochzeit mit Max am 15. Februar 1900 den jüdischen Glauben an. Dies machte sie in den 30er Jahren rückgängig, was ihren Mann, der zwischenzeitlich den Zweitnamen Israel tragen musste, vor der Deportation schützte und somit das Leben rettete.<br />
<br />
Über Margits Mutter Margarete Schmul ist so gut wie nichts bekannt. Sie heiratete irgendwann Mitte oder Ende der 20er Jahre den Kaufmann Heinz Rosenthal. Leider währte das Glück nicht lange: Margarete starb am 14.7.1931. Da war Margit gerade 30 Monate alt.<br />
<br />
Heinz war nun alleinerziehender Vater. Margit hat sehr wahrscheinlich mit ihm in der Hiddenseer Straße 1 gewohnt. Zumindest bezeugt das Margits Schulverwaltungskarte von 1935. Es ist gut möglich, dass sie dort zusammen mit ihren Großeltern väterlicherseits, Max und Agnes wohnten, denn im Berliner Adressbuch findet sich unter dieser Adresse 1934/1935 nur der Eintrag Max Rosenthal.<br />
<br />
Das sechsjährige Mädchen wurde – wie damals üblich zur Osterzeit – am 29.4.1935 in der Rykestraße 53 (Vorderhaus der Synagoge) eingeschult. Diese 3. Volksschule der Jüdischen Gemeinde wurde nach den Sommerferien 1941 für die deutsche Feldpost beschlagnahmt und zwangsweise geschlossen. Die verbliebenen Schüler konnten noch bis zur Zwangsschließung aller jüdischen Schulen am 30. Juni 1942 in verschiedenen Ausweichquartieren der jüdischen Gemeinde unterrichtet werden. <br />
<br />
Ab ca. 1937 wohnten alle vier Rosenthals, Margit, ihr Vater Heinz und dessen Eltern in der Wichertstraße 38, wo sie auch während der Volkszählung 1939 gemeldet waren. Später zogen sie in die Weißenburger Str. 72 (die heutige Käthe-Kollwitz-Str.), offenbar zur Untermiete.<br />
<br />
Mit 14 Jahren verlor Margit auch noch ihren Vater. Eine Verwandte schrieb zu seinem Schicksal: „Heinz R. ist 1943 von der Gestapo gefasst worden, weil er keinen Stern trug. Er sagte der Polizei, seine Mutter sei Christin und er brauche ihn nicht zu tragen. Nach drei Tagen Haft kam die schriftliche Nachricht: “An Herzschwäche gestorben”.“ Letzteres scheint mit großer Wahrscheinlichkeit ein Euphemismus für „zu Tode gefoltert“ zu sein. Heinz' Todestag ist der 14.9.1943.<br />
<br />
Margits Großmutter Agnes war zwar zum evangelischen Glauben zurückgekehrt, aber auch sie konnte nicht verhindern, dass ihre 15jährige Enkelin am 7. Januar 1944 gefangengenommen und nach Theresienstadt deportiert wurde. Dort blieb sie bis Anfang Mai, um dann nach Auschwitz verbracht zu werden. Anfang August 1944 wurde sie in das Außenlager von Neuengamme, Dessauer Ufer, mitten in Hamburg, verlegt. Durch einen Bombenangriff am 25. Oktober 1944 wurde das Lager erheblich zerstört. Viele Häftlinge verloren dabei ihr Leben. Margit wurde im November 1944 in das Außenlager Neugraben und von dort im Februar 1945 in eine weiteres Außenlager, nach Tiefstack (ebenfalls mitten in Hamburg), transferiert. Bei einem alliierten Bombenangriff wurde auch dieses Lager (es wurde auf zwei Firmengrundstücken errichtet) am 20. März 1945 weitgehend zerstört, einige Häftlinge starben. Die Überlebenden brachte die SS in das KZ Bergen-Belsen. So auch Margit. Sie blieb dort bis sie von den Britischen Truppen befreit wurde. Da war sie 16 Jahre alt.<br />
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Später wanderte sie nach Israel aus, heiratete und bekam zwei Kinder. Sie starb 1986 in Israel. <br />
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Margit (Ernestine) Rosenthal kam einen Tag vor Weihnachten, am 23.12.1928 in Berlin zur Welt. Wir wissen nicht, ob die Rosenthals Weihnachten feierten, aber für die beiden Eltern Heinz und Margarete war ihr Kind so oder so sicherlich ein Geschenk des Himmels.

Heinz Vater Max Rosenthal war zwar Jude, nicht aber seine Mutter Auguste Emilie Mathilde Agnes, geborene Fischer. Agnes war evangelisch getauft und nahm anlässlich der Hochzeit mit Max am 15. Februar 1900 den jüdischen Glauben an. Dies machte sie in den 30er Jahren rückgängig, was ihren Mann, der zwischenzeitlich den Zweitnamen Israel tragen musste, vor der Deportation schützte und somit das Leben rettete.

Über Margits Mutter Margarete Schmul ist so gut wie nichts bekannt. Sie heiratete irgendwann Mitte oder Ende der 20er Jahre den Kaufmann Heinz Rosenthal. Leider währte das Glück nicht lange: Margarete starb am 14.7.1931. Da war Margit gerade 30 Monate alt.

Heinz war nun alleinerziehender Vater. Margit hat sehr wahrscheinlich mit ihm in der Hiddenseer Straße 1 gewohnt. Zumindest bezeugt das Margits Schulverwaltungskarte von 1935. Es ist gut möglich, dass sie dort zusammen mit ihren Großeltern väterlicherseits, Max und Agnes wohnten, denn im Berliner Adressbuch findet sich unter dieser Adresse 1934/1935 nur der Eintrag Max Rosenthal.

Das sechsjährige Mädchen wurde – wie damals üblich zur Osterzeit – am 29.4.1935 in der Rykestraße 53 (Vorderhaus der Synagoge) eingeschult. Diese 3. Volksschule der Jüdischen Gemeinde wurde nach den Sommerferien 1941 für die deutsche Feldpost beschlagnahmt und zwangsweise geschlossen. Die verbliebenen Schüler konnten noch bis zur Zwangsschließung aller jüdischen Schulen am 30. Juni 1942 in verschiedenen Ausweichquartieren der jüdischen Gemeinde unterrichtet werden.

Ab ca. 1937 wohnten alle vier Rosenthals, Margit, ihr Vater Heinz und dessen Eltern in der Wichertstraße 38, wo sie auch während der Volkszählung 1939 gemeldet waren. Später zogen sie in die Weißenburger Str. 72 (die heutige Käthe-Kollwitz-Str.), offenbar zur Untermiete.

Mit 14 Jahren verlor Margit auch noch ihren Vater. Eine Verwandte schrieb zu seinem Schicksal: „Heinz R. ist 1943 von der Gestapo gefasst worden, weil er keinen Stern trug. Er sagte der Polizei, seine Mutter sei Christin und er brauche ihn nicht zu tragen. Nach drei Tagen Haft kam die schriftliche Nachricht: “An Herzschwäche gestorben”.“ Letzteres scheint mit großer Wahrscheinlichkeit ein Euphemismus für „zu Tode gefoltert“ zu sein. Heinz' Todestag ist der 14.9.1943.

Margits Großmutter Agnes war zwar zum evangelischen Glauben zurückgekehrt, aber auch sie konnte nicht verhindern, dass ihre 15jährige Enkelin am 7. Januar 1944 gefangengenommen und nach Theresienstadt deportiert wurde. Dort blieb sie bis Anfang Mai, um dann nach Auschwitz verbracht zu werden. Anfang August 1944 wurde sie in das Außenlager von Neuengamme, Dessauer Ufer, mitten in Hamburg, verlegt. Durch einen Bombenangriff am 25. Oktober 1944 wurde das Lager erheblich zerstört. Viele Häftlinge verloren dabei ihr Leben. Margit wurde im November 1944 in das Außenlager Neugraben und von dort im Februar 1945 in eine weiteres Außenlager, nach Tiefstack (ebenfalls mitten in Hamburg), transferiert. Bei einem alliierten Bombenangriff wurde auch dieses Lager (es wurde auf zwei Firmengrundstücken errichtet) am 20. März 1945 weitgehend zerstört, einige Häftlinge starben. Die Überlebenden brachte die SS in das KZ Bergen-Belsen. So auch Margit. Sie blieb dort bis sie von den Britischen Truppen befreit wurde. Da war sie 16 Jahre alt.

Später wanderte sie nach Israel aus, heiratete und bekam zwei Kinder. Sie starb 1986 in Israel.