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Benno Baruch Marcus

Stolperstein für Benno Baruch Marcus. Foto: OTFW.
LOCATION
Urbanstr. 71

DISTRICT
Friedrichshain-Kreuzberg – Kreuzberg
STONE WAS LAID
12/10/2007

BORN
04/18/1875 in Labischin (Posen) / Łabiszyn
OCCUPATION
Apother, Fabrikbesitzer
DEPORTATION
on the 28th of October 1942 to Theresienstadt
LATER DEPORTED
on the 16th of May 1944 to Auschwitz
MURDERED
in Auschwitz

Im Logenverzeichnis von 1929/30 der Großen Loge von Hamburg - Johannislogen in Berlin - wird in der Loge Germania zur Einigkeit unter der lfd. Nr. 90 Benno Marcus aufgeführt. Bezeichnenderweise ist zuerst sein Beruf genannt: Apotheker und Fabrikbesitzer. Er wohnte in Berlin S 59 in der Urbanstraße 71, unmittelbar neben dem heutigen Kaufhaus Karstadt am Hermannplatz. Als Geburtsdatum wird verzeichnet: 18. April 1875 in Labischin / Kreis Bromberg (heute Łabiszyn) sowie zusätzlich die Daten seiner Aufnahme, Beförderung und Erhebung. Aufgenommen in die Loge Germania wurde er am 12. Januar 1920, zum Gesellen befördert im gleichen Jahr am 2. Dezember und zum Meister erhoben an seinem 46. Geburtstag, am 18. April 1921. Unter Bemerkungen steht: zugeordneter Meister vom Stuhl, Ehrenbeamter sowie Ehrenmitglied der Loge Zur Kette an der Weichsel in Danzig.

Benno Marcus war verheiratet mit Grete Dorothea Rosenthal, die am 2. März 1887 in Seelow / Brandenburg geboren wurde.
Seine Eltern waren Minna Marcus, geb. Abrahamson und Abraham Marcus.

Benno Marcus und seine Frau Grete sind beide mit dem 68. Alterstransport am 28. Oktober 1942 nach Theresienstadt deportiert worden. Am 16. Mai 1944 kamen sie nach Auschwitz und fanden den Tod in der Gaskammer.

Im Zeitalter des Internets die Suchworte "Apotheker Benno Marcus, Berlin" eingegeben, bringt das Resultat, dass Benno Marcus Mitinhaber einer Marzipanfabrik war, die er zusammen mit einem Kompagnon, Georg Lemke, gleichfalls Apotheker, im Jahre 1902 gegründet hatte. Die Zutaten für feines Marzipan, u.a. Bittermandel und Rosenöl, verbinden den Apothekerberuf und die Marzipanherstellung. Die Fabrik befand sich ebenfalls in der Urbanstraße 71.

Benno Marcus war ein wohlhabender Mann, denn er besaß Grundstücke in Bad Saarow, für die er in Fürstenberg am 22. März 1939 ein Verkaufsangebot für 19.520 Reichsmark machen musste, das die Gemeinde Saarow auch prompt eine Woche später annahm.

Leider ist bisher nur wenig mehr über das Leben von Benno Marcus bekannt. Auch konnte bislang noch kein verwertbares Bild oder Foto von ihm ausfindig gemacht werden. Lediglich auf dem Gedenkblatt von Yad Vashem ist eine undeutliche Fotografie zu sehen. Im Dritten Reich wurde sein Vorname "Benno" in "Baruch" geändert. Dies ist zumindest ungewöhnlich, da männliche Juden ab 1938 stets als zweiten Vornamen "Israel" erhielten. Möglicherweise änderte Benno Marcus seinen Vornamen selbst, weil es in Berlin-Schöneberg einen Namensvetter gab, der allerdings 10 Jahre jünger war.

Die Marzipanfabrik Georg Lemke & Co. gibt es heute noch. In der Neuköllner Späthstraße 31 befindet sich heute die älteste Berliner Marzipanmassen-Fabrik.

Ein Bruder seiner Loge Germania hat die Stolpersteine für Benno und Grete Marcus gestiftet.

Aus dem Gedenkblatt für Benno und Grete Marcus in Yad Vashem geht hervor, dass das Ehepaar Marcus zumindest einen Sohn Frederick hatte, der 1982 in der Schweiz in Schaffhausen wohnte. Eine Nichte von Benno Marcus war Frau Dr. Drogula, geb. Rosenthal, ehemalige Inhaberin des West-Sanatoriums Dahlem, die inzwischen verstorben ist. Von ihr erfuhr ich noch in einem Telefongespräch, dass das Ehepaar Marcus zwei Söhne hatte, die nach Südafrika ausgewandert sind.


Biographical Compilation

Hans-Ulrich Grashof