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Manon Irmgard Günther-Gutermann

Initiative Stolpersteine Charlottenburg- Wilmersdorf
LOCATION
Helmstedter Str. 24

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
STONE WAS LAID
10/13/2009

BORN
10/04/1906 in Berlin
OCCUPATION
Zahnarzthelferin
FLIGHT INTO DEATH
08/29/1942 in Berlin

Manon Irmgard Gutermann kam am 4. Oktober 1905 in Berlin als Tochter des 1879 geborenen Schauspielers, Opernsängers und Gesangslehrers Arthur Gutermann und seiner Ehefrau Margot Lilli, geb. Gallinek (1883–1942) auf die Welt. Auch ihre Eltern waren beide in Berlin geboren. Ihr Vater stammte aus einer großen und einflussreichen jüdischen Familie in Schermeisel im Osten der Provinz Brandenburg (heute Trzemeszno Lubuskie/Polen). Er nannte sich später Arthur Günther oder Arthur Günther-Gutermann. „Günther“ war sein Künstlername. Ihre Mutter hatte bis zur Hochzeit ohne Beruf bei ihren Eltern bzw. ihrer verwitweten Mutter gelebt. Die Großeltern Josef und Anna Gallinek kamen aus dem Osten Preußens. Der 1899 gestorbene Großvater war in Berlin ein wohlhabender Kaufmann geworden.
Manon Irmgard Gutermann sollte eigentlich Manon Butterfly Gutermann heißen, aber der Standesbeamte verweigerte den zweiten Vornamen. Ihrer Schwester Tosca, die am 10. Dezember 1910 auf die Welt kam, erging es genauso: Als Musette Tosca – wie gewünscht – wurde sie vom Standesamt nicht akzeptiert. – Die Vornamen der beiden Töchter entsprangen der „Bühnen-Welt“ des Vaters, den Opern von Giacomo Puccini: „Manon Lescaut“ und „Madame Butterfly“, „La Bohème“ und „Tosca“. (Glückliche Frauen waren dies nicht.)
Manon Gutermann wurde in der Familie weiterhin Butterfly genannt, auch wenn alle Urkunden etwas anderes sagen. Zum Zeitpunkt ihrer Geburt lebten die Eltern in der Augsburger Straße 42, damals in der Stadt Charlottenburg bei Berlin. Das Mietshaus an der Ecke zur Rankestraße hatte dem Großvater Gallinek gehört und war nun im Besitz der Familie.
Manon Gutermann scheint mal mit, mal ohne die Eltern (und die Schwester) aufgewachsen zu sein: Ihr Vater folgte seinen Engagements und Stipendien, und er und/oder die Familie zogen immer wieder um. Nach der Erinnerung des Vaters ging es gleich nach der Geburt von Manon im Herbst 1905 nach Mailand. Bis 1909 blieb die Familie in Italien, 1910 (zur Geburt von Tosca?) kehrte sie nach Berlin zurück. Das Haus in der Augsburger Straße 42 war inzwischen verkauft worden. (Und ihr Vater 1909 in Wien aus der jüdischen Gemeinde ausgetreten, so die Akten). In Berlin ist Arthur Gutermann (als Haushaltsvorstand mit seiner Familie) nicht im Adressbuch verzeichnet.
Für Manon Gutermann begann die Schulzeit: Von 1911 bis 1913 war sie in einem „Institut“ (wohl einer Privatschule) in München und lebte im Pensionat oder in einer privaten Unterkunft. Während des Ersten Weltkriegs wurde ihr Vater in Davos interniert (oder war in Kriegsgefangenschaft, wie er an anderer Stelle berichtet). Lilli Gutermann und die Kinder bekamen eine Einreiseerlaubnis in die Schweiz und blieben bis 1921 in Davos. Manon Gutermann erhielt Privatstunden. Nach einem Jahr in einem Hotel in Innsbruck zog die Familie wieder nach Italien und blieb bis 1930 in einem Kurort in der Nähe von Genua.
Wie das Leben von Ehefrau und Töchtern genau aussah, schildert der damalige Ehemann und Vater in seinen Erinnerungen nicht. Aber er schreibt über seine Tochter Manon, dass sie perfekt Englisch, Französisch und Italienisch sprechen und schreiben konnte.
1932 ließen sich die Eltern von Manon Gutermann scheiden. Ihre Mutter lebte als geschiedene Frau in der Güntzelstraße 66 bei ihrem Bruder Fritz Gallinek, der ledig geblieben war und eine gut gehende Buchdruckerei besaß. Sie heiratete nicht wieder. Beide Töchter hatten Berufe gelernt: Manon war Zahnarzthelferin geworden, Tosca Stenotypistin. Die jüngere Tochter blieb bei Mutter und Onkel in der Güntzelstraße, Manon scheint unverheiratet eine Zeitlang beim Vater in der Meier-Otto-Straße 1 gewohnt zu haben (so seine Erinnerung).
Im Sommer 1933 floh der Vater von Manon Gutermann nach Frankreich, hierbei benutzte er seinen Künstlernamen „Günther“. Dort wiederum wurde „Arthur Günther“ zu „Antoine Gautier“. Nach Internierung und Haft lebte er illegal in einer Kleinstadt am Fuß der Pyrenäen und überlebte so.
Am 23. September 1936 starb Manons jüngere Schwester Tosca in der Güntzelstraße 66. Sie wurde zwei Tage später als Tosca Günther in Weißensee beerdigt. – Einen Grabstein gibt es nicht.
Angemeldet wurde die Beisetzung von ihrem Onkel Fritz Gallinek. Von Juni 1938 bis Ende Februar 1939 war ihr Onkel Fritz im KZ Buchenwald inhaftiert. Als Verwandte gab er seine Schwester Lilli Günther in der Güntzelstraße 66 an. Aber Lilli Gutermann (so will ich sie weiterhin nennen) und ihre Tochter mussten die Wohnung verlassen: Ihr letztes selbst gewähltes Zuhause wurde eine Wohnung in der Helmstedter Straße 24. Dort lebte Manon Gutermann mit ihrer Mutter und für kurze Zeit auch mit ihrem aus dem KZ entlassenen Onkel Fritz Gallinek.
Manon Gutermann wohnte zuallerletzt mit ihrer Mutter als Untermieterin bei Else und Lily Herzfeld, ebenfalls Mutter und Tochter, am Bayerischen Platz in der Salzburger Straße 14. Das Deportationsdatum vor Augen, nahmen sie und ihre Mutter am 28. August 1942 eine Überdosis Schlafmittel. Sie waren nicht sofort tot, sondern wurden in das Jüdische Krankenhaus in Berlin-Wedding gebracht. Hier starb Manon Gutermann am 29. August 1942. Ihre Mutter starb einen Tag später, am 30. August 1942. Mutter und Tochter wurden am 11. September 1942 auf dem Jüdischen Friedhof in Berlin-Weißensee begraben (im Sterberegister wie auf dem Friedhof mit dem Nachnamen „Gutermann“).
Ihre Vermieterinnen aus der Salzburger Straße flohen am 13. Dezember 1942 in den Tod. Manon Gutermanns Onkel Fritz Gallinek, der nach Großbritannien hatte emigrieren können, nahm 1949 die britische Staatsbürgerschaft an und nannte sich Frank Harris. Er erzählte später ihrem Vater vom Leben und Sterben seiner Schwester und ihrer Töchter. 1954 ist Fritz Gallinek/Frank Harris in Großbritannien gestorben. – Manon Gutermanns Vater Arthur kehrte nach Berlin zurück, er starb hier 1968.


Biographical Compilation

Dr. Dietlinde Peters, Vorrecherchen: Wolfgang Knoll

Additional Sources

Berliner Telefonbücher;
Deutscher Reichsanzeiger;
HU Datenbank jüdischer Gewerbebetriebe in Berlin 1930-1945;
Jüdisches Adressbuch 1930/31;
Jüdische Gemeinde zu Berlin, Jüdischer Friedhof Berlin-Weißensee;
Neuer Theater-Almanach 1913, 1914;
Stiftung Neue Synagoge Berlin - Centrum Judaicum, Archiv;
https://www.geni.com/people/;
https://www. juedische-gemeinden.de;
https://www.statistik-des-holocaust... Transportlisten;
https://www.mappingthelives.org/.