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Josef Wysocki

Foto:B.Plewa
LOCATION
Giesebrechtstr. 17

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
STONE WAS LAID
05/08/2011

BORN
11/22/1898 in Petrikau / Piotrków
OCCUPATION
Kaufmann
DEPORTATION
on the 3rd of March 1943 to Auschwitz
MURDERED
04/26/1943 in Auschwitz

Josef Tobias Wysocki wurde am 22. November 1898 in Petrikau (Piotrkow Trybunalski) geboren. Piotrkow gehört heute zu Polen und liegt in der Nähe von Łódź. Als Josef geboren wurde, gehörte es zu dem sog. Kongresspolen (1815 auf dem Wiener Kongress konstituiert) und unterstand dem zaristischen Russland. Schon im 14. Jh. gab es hier eine große jüdische Gemeinde, viele vertriebene deutsche Juden hatten sich hier niedergelassen. Nach 1578 wurden sie aus der Stadt ausgewiesen, ein Jahrhundert später durften sie sich wieder ansiedeln. 1938 waren knapp die Hälfte der 51000 Einwohner Juden.

Über Josefs Familie wissen wir leider nichts. Auch nicht, wann er nach Berlin kam. Als er am 14. Dezember 1923 hier heiratete, wohnte er in der Küstriner Straße 5 (heute Damaschkestraße). Als Beruf ist in der Heiratsurkunde Kaufmann angegeben. Die Braut war Paula Katzen, geboren am 30. Januar 1897 zu Riga in Lettland. Paulas Adresse war die Charlottenburger Berliner Straße 77, heute Otto-Suhr-Allee. Beide wohnten wohl zur Untermiete, da sie nicht im Adressbuch als Haushaltsvorstand erscheinen. Auch in den folgenden Jahren ist nicht nachzuweisen, wo das Paar lebte. Blieben sie in Berlin? Gingen sie nach Lettland? Josef Wysockis Spur findet sich erst wieder anlässlich der Volkszählung vom 17. Mai 1939, und zwar als Untermieter von Else Elkisch in der Giesebrechtstraße 17. Von Paula wissen wir nur, dass sie 1941 im Lettischen Liepāja (deutsch Libau) bei den zwischen Ende Juni und Mitte Dezember von Wehrmacht und SS verübten Massakern an Juden ermordet wurde. Die Zahl der Opfer wird auf 7000 bis 8000 geschätzt.

Paula war also nach Lettland zurückgekehrt. Offenbar hatte sich das Ehepaar getrennt, die Heiratsurkunde enthält keinen Hinweis auf eine Scheidung, wohl aber auf eine zweite Heirat Josefs am 18. März 1941.

Josef Wysockis zweite Ehefrau war Mali (auch Mally) geb. Hurtig. Sie war am 27 August 1915 in Berlin als älteste Tochter des Schneidermeisters Bruno Hurtig und seiner Frau Jetti geb. Keller geboren. Sie hatte drei jüngere Geschwister, Lisa, Paula und Herbert. 1939, zum Zeitpunkt der Volkszählung, lebte sie mit ihrem Vater, ihrer Stiefmutter Else geb. Stein (Jetti Hurtig war 1926 gestorben) und ihren Geschwistern in der Immanuelkirchstraße 26. Auch von dem Ehepaar Josef und Mali wissen wir kaum etwas, nur, dass sie zuletzt im Hansaviertel, in der Claudiusstraße 6 wohnten. In diesem Haus, das dem jüdischen Rentier Isidor Lewinsky gehört hatte, lebten über 30 Juden. Es war vermutlich eines der „Judenhäuser“, in die aus ihren Wohnungen vertriebenen Juden zusammengepfercht wurden. Von hier wurden Mali am 1. März und Josef am 3. März 1943 nach Auschwitz deportiert. Dass beide Anfang März an verschiedenen Tagen deportiert wurden, deutet darauf hin, dass sie in unterschiedlichen Betrieben Zwangsarbeit leisteten und Opfer der sogenannten „Fabrikaktion“ wurden. Am 27. Februar 1943 und den folgenden Tagen sollten alle noch in der Rüstungsindustrie arbeitenden Juden direkt am Arbeitsplatz verhaftet und anschließend deportiert werden. In Berlin betraf das über 8000 Juden. Etliche wurden vorgewarnt und konnten untertauchen, nicht so Josef und Mali Wysocki. Josef Wysocki kam am 26. April 1943 in Auschwitz ums Leben, das Todesdatum von Mali ist nicht bekannt.

Von Malis Eltern und Geschwistern konnte nur Lisa rechtzeitig nach England fliehen. Es heißt, Mali habe ein Angebot als Hausmädchen in London gehabt, es aber wegen der bevorstehenden Heirat mit Josef Wysocki an ihre Schwester weitergegeben. Bruno Hurtig und seine zweite Frau Else wurden am 4. März, Paula und Herbert bereits am 1. März 1943 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Für alle vier liegen seit November 2016 Stolpersteine vor der Immanuelkirchstraße 26 in Prenzlauer Berg. Der Name Wysocki taucht nicht weiter im Gedenkbuch des Bundesarchivs auf. Ob außerhalb Deutschlands noch Verwandte von Josef Opfer der Shoa wurden, wissen wir nicht.


Biographical Compilation

Recherchen/Text: Micaela Haas, Stolpersteininitiative Charlottenburg-Wilmersdorf

Additional Sources