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Berta Zellner (born Bluhm)

Foto: KHMM
LOCATION
Ahornallee 10

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Charlottenburg
STONE WAS LAID
06/28/2011

BORN
05/18/1874 in Konitz (Westpreußen) / Chojnice
DEPORTATION
on the 14th of January 1943 to Theresienstadt
MURDERED
02/16/1943 in Ghetto Theresienstadt

Berta Zellner wurde im Jahr 1874 am Donnerstag, den 18. Mai unter dem Namen Bluhm in Konitz (Polen) geboren. Konitz war zu dieser Zeit in preußischem Besitz. Es gab einen Landkreis und eine Stadt Konitz. Es kann jedoch vermutet werden, dass Berta aus der Stadt kam. Wäre sie im Landkreis geboren, gäbe es wahrscheinlich einen Vermerk über das Herkunftsdorf. Die Stadt Konitz gibt es heute immer noch, allerdings unter dem Namen „Chojnice“ in Polen.

Wir konnten bei Archivbesuchen herausfinden, dass Berta verheiratet war. Während ihres Lebens hat sie auch in Senftenberg gelebt. Darauf verweist ein Stolperstein zu Leo Zellner, mit dem sie verheiratet war und dort ist der Geburtsort ihrer Tochter Alice.

Ihr Ehemann Leo Zellner war ein jüdischer Kaufmann und Makler. Er wurde am 10. Oktober 1877 in Ostrowo, Posen, geboren. Wann genau Leo Zellner nach Senftenberg zog, ist unbekannt. Jedoch müsste er seit 1901 dort gelebt haben, da eine Unterschrift von ihm anlässlich der Grundsteinlegung des Synagogenbaus in Cottbus vom 03. Juli 1901 existiert. Vermutlich hieß der Vater Leos Joseph, dieser Name ist im Senftenberger Adressbuch verzeichnet. Die Familie wohnte in der Wiesenstraße 12 (heutige Joachim-Gottschalk-Straße), in der Joseph Zellner eine Fahrrad- und Nähmaschinenhandlung sowie einen Fahrradversand betrieb.

Vermutlich waren Leo und Berta Zellner bereits im Jahr 1914 verheiratet, ihre gemeinsame Tochter Alice wurde am 28.05.1912 geboren. Mitte der 1920er wurde die Ehe wahrscheinlich geschieden. Genaueres ist dazu nicht zu erfahren gewesen.

Am 10. November 1938 wurde Leo Zellner von nationalsozialistischen Schlägern misshandelt und verhaftet und vermutlich aufgrund des „Gesetzes zum Schutz des deutschen Blutes und der deutschen Ehre“ vom 15. September 1935, welches den außerehelichen Verkehr zwischen Juden und Nichtjuden unter Androhung von Gefängnis- und Zuchthausstrafen bei Zuwiderhandlung verbot, verurteilt. Er lebte seit 1922 mit Herta Röstel in einer eheähnlichen Gemeinschaft. Sie bekamen eine Tochter Astrid, die den Holocaust überleben konnte.

Am 22. Februar 1940 wurde Leo Zellner in das Konzentrationslager Sachsenhausen deportiert, wo er am 16. März 1940 verstarb. In der Sterbeurkunde steht als Todesursache: „Grippe, Lungenentzündung.“

Berta Zellner zog mit ihrer Tochter Alice nach der Trennung von Leo nach Berlin. Ihr letzter freiwilliger Wohnort befand in der Ahornallee Nr. 10, wo unser Stolperstein verlegt wird. Dort hat sie bis zur Verlegung in ein „Judenhaus“ in der Iranischen Straße 2 in Berlin-Wedding und vermutlich der Weimarer Straße 13 gemeinsam mit ihrer Tochter Alice und Enkelin Gittel gewohnt. Das Haus in der Ahornallee sah zu der damaligen Zeit wahrscheinlich anders aus, da das Gebäude heute ein modernes Mehrfamilienhaus ist, dem ein Parkplatz angegliedert ist. Bauamtliche Unterlagen im Landesarchiv Berlin zeigten in der Ahornallee herrschaftliche, gutbürgerliche Wohnhäuser und Villen, nach dem repräsentativen Geschmack der Zeit. Viele dieser Häuser sind im Zweiten Weltkrieg zerstört worden.

In der Iranischen Straße verliert sich die genaue Spur Berta Zellners, denn in der Wohnung in der Weimarer Straße 13 lebten laut der Vermögenserklärung im Landeshauptarchiv Potsdam nur Alice und Gittel Zellner. Im Gedenkbuch für die ermordeten Juden aus Charlottenburg „Juden aus Charlottenburg. Ein Gedenkbuch“ wird jedoch angegeben, dass sie als letzte Anschrift die Weimarer Straße 13 hatte.

Am 13.01.1943 wurde Berta Zellner vom Bahnhof Grunewald nach Theresienstadt deportiert. Der Bahnhof Grunewald war der Deportationsbahnhof in Berlin. Wir haben an den Gleisen an dem Mahnmal gesehen, dass es den Zug am 13.1.1943 wirklich gab.

In Theresienstadt kam Berta am 14.1.1943 an und hatte damit Glück, was die Fahrtzeit angeht, da die unmenschlich überfüllten Züge zu dieser Zeit oft über vier Tage brauchten, weil Gefangenenzüge nicht die Soldatenzüge behindern durften.

Deshalb ist anzunehmen, dass sie nicht an Demenz also Altersschwäche starb, sondern, weil sie verhungert ist oder einfach keine Kraft mehr hatte, sich durch das harte Dasein zu kämpfen.

Es gibt, soweit wir wissen, keine weiteren Angehörigen der Familie Zellner mehr.
Das nationalsozialistische Regime hat eine ganze Familie ausgerottet.


14 Schülerinnen und Schüler der Katholischen Schule Liebfrauen nahmen sich im Geschichtskurs des Schuljahrs 2010/11 vor, das Leben und Sterben von Opfern des Nationalsozialismus zu recherchieren und ihrer zu gedenken, indem sie Stolpersteine verlegten. Sie erfuhren die Namen von neun Menschen, die in der Ahornallee, der Straße der Schule, gewohnt hatten. Diese Menschen wollten sie kennenlernen, indem sie möglichst viele Informationen über ihr Leben und Schicksal in Erfahrung bringen, damit sie und die schrecklichen Folgen des rassistischen Antisemitismus während des Nationalsozialismus in Deutschland nicht vergessen werden. Das Ergebnis eines halben Schuljahres an Recherchearbeit waren eine Broschüre und die Stolpersteinverlegung mit einem Gedenken.

Die Stolpersteine für Berta Zellner, Alice Zellner, Gittel Zellner, Albert Lewinnek, Pauline Lewinnek, Herta Lewinnek und Hildegard Peril zuletzt wohnhaft in der Ahornallee 10, sowie Josephine Huldschinsky und Gertrud Heller, zuletzt wohnhaft in der Ahornallee 50 wurden von den Schülerinnen und Schülerinnen der Katholischen Schule Liebfrauen und einigen Eltern gespendet und am 28.06.2011 verlegt.

Gedenkbuch: Stolpersteine in der Ahornallee von der Kath. Schule Liebfrauen:
http://alt.katholische-schule-liebf...

Biographical Compilation

Paul Brenker und Jakob Marienfeld (Klasse 9a)
Die Biografie wurde im Rahmen des Wahlpflichtkurs Geschichte 2010/2011 der Schule zusammengestellt.

Additional Sources

Verein zu Förderung des Gedenkbuches für die Charlottenburger Juden
 (Hrsg.): Juden in Charlottenburg. Ein Gedenkbuch., Berlin 2009.
Margot Friedlander, Versuche dein Leben zu machen. Als Jüdin versteckt in Berlin. Berlin 2008.