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Helene Brasch (born Meyer)

Foto: KHMM
LOCATION
Babelsberger Str. 6

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Wilmersdorf
STONE WAS LAID
06/22/2011

BORN
05/20/1866 in Körlin / Karlino
DEPORTATION
on the 16th of July 1942 to Theresienstadt
MURDERED
03/24/1943 in Theresienstadt

Helene Brasch war die zweite Tochter vom Emil Meyer und Ottilie geb. Placzek und erblickte am 20. Mai 1866 in Körlin, Pommern (heute Karlino) das Licht der Welt. Ihre ältere Schwester Lina war 1860 geboren worden, die jüngere, Wanda, 1869. Vielleicht hatte sie auch noch mehr Geschwister. Als sich Lina 1882 mit Siegfried Elster verlobte, lebte die Familie bereits in Berlin in der von-der-Heydt-Straße 4. Emil Meyer ließ sich ins Adressbuch als Rentier eintragen. Drei Jahre später heiratete Helene am 20. Mai 1885 Julius Brasch (mehrfach auch Israel, Julius Israel oder Julius Isidor genannt). Julius Brasch betrieb ein Nutzholzgeschäft in der Friedrichstraße 12.

Das Paar bezog eine Wohnung am Tempelhofer Ufer 16a. Dort wurde am 2. Januar 1886 die Tochter Hertha Johanna geboren. Am 29 Januar 1889 folgte Käthe Rika und am 24. März 1890 der Sohn Willy Hermann. Zu diesem Zeitpunkt wohnte die Familie möglicherweise schon in der Kreuzbergstraße 15, und Julius führte inzwischen das Geschäft zusammen mit seinem Bruder Adolf in der Belle-Alliance-Straße 99. Um 1895 gab er die Firma auf und ist im Adressbuch nur noch als Kaufmann bezeichnet. 1904 waren Braschs in die Heilbronner Straße 31 gezogen. Drei Jahre später heiratete Hertha, die älteste Tochter, den Kaufmann Martin Bloch und zog nach Stettin. Noch in der Heilbronner Straße starb am 16. August 1909 Helenes Mann Julius. Wohl daraufhin nahm sich Helene eine vermutlich kleinere Wohnung in der Haberlandstraße 6, musste aber schon bald einen weiteren schmerzhaften Verlust beklagen: Am Weihnachtstag 1910 starb ihr Sohn Willy, gerade mal 20-jährig. Als sieben Jahre später auch ihre Mutter starb, lebte Helene schon einige Jahre - seit 1912 - mit ihrer Tochter Käthe in der Babelsberger Straße 6. Auch dieses Kind sollte sie bald verlieren: Am 14. Juni 1919 wurde Käthe tot aufgefunden, das Sterberegister vermerkt „die Verstorbene wurde am 13. Juni nachmittags 8 Uhr zuletzt lebend gesehen“ und „Tag und Stunde des eingetretenen Todes konnten nicht festgestellt werden“. Die Todesursache offenbar auch nicht, die Meldung machte „der Polizeipräsident in Berlin-Schöneberg“.

Über Helenes Leben in den 20er Jahren wissen wir wenig. Sie wohnte weiterhin in der Babelsberger Straße als Rentiere oder Privatiere, was bedeutet, dass sie nicht für ihren Unterhalt arbeiten musste. Es waren wohl auch noch andere Verwandte in Berlin. Ein Ludwig Meyer, vielleicht ein Vetter oder auch ein Bruder, hatte 1905 den Tod Julius Braschs gemeldet. 1931 ließ sich ihre Tochter Hertha mit ihrem Mann und der eigenen Tochter Margot wieder in Berlin nieder.

Ab 1933 wurde das Leben für Juden und somit auch für Helene immer schwerer, nach und nach wurden sie aller Rechte beraubt, Antisemitismus wurde offiziell propagiert. Vor allem nach den Pogromen vom November 1938 wurde ihr Berufs- und Alltagsleben brutal eingeschränkt. Juden durften nicht Theater, Konzerte, Kinos u.ä. besuchen, zu bestimmten Zeiten durften sie gar nicht mehr auf die Straße, und sie durften nur von 4 bis 5 Uhr nachmittags einkaufen. Alle Wertgegenstände mussten sie abliefern, Rundfunkgeräte wurden beschlagnahmt, Telefonanschlüsse gekündigt. Über ihr Vermögen konnten sie nicht frei verfügen, Bankkonten wurden zu „Sicherheitskonten“ erklärt, von denen sie nur festgelegte Beträge für ein Existenzminimum abheben konnten. Ab September 1939 mussten sie den diskriminierenden gelben Stern tragen, „gut sichtbar“. Das Mieterrecht wurde für Juden aufgehoben, sie wurden gezwungen umzuziehen, um Platz für Nichtjuden zu machen, oder genötigt Untermieter aufzunehmen. Bei Helene wurde die Witwe Margarete Happ einquartiert. Im Oktober 1941 begannen die Deportationen.

Im Juli 1942 wurde auch Helene von der Gestapo in das Sammellager Große Hamburger Straße 26, ein umfunktioniertes jüdisches Altersheim, verbracht und von dort am 16. Juli nach Theresienstadt deportiert.

Theresienstadt, angeblich ein „Altersghetto“, war praktisch ein Durchgangslager, in dem die katastrophalen Lebensumstände - Hunger, Kälte, Raumnot, Krankheiten und Seuchen durch Fehlen jeglicher Hygiene – die Menschen dahinrafften. Nachdem es Helene gelungen war, den strengen Winter zu überleben, erlag auch sie den erbärmlichen Bedingungen am 24. März 1943. Vier Wochen später wäre sie 77 Jahre alt geworden.

Helenes Tochter Hertha Bloch und deren Tochter Margot wurden am 29. November 1942 nach Auschwitz deportiert und dort ermordet. Helenes Schwiegersohn Martin Bloch war bereits 1937 gestorben. Für Hertha und Margot liegen Stolpersteine vor der Ruhlaer Straße 24 in Wilmersdorf.

Helenes älteste Enkelin Gerda, auch Herthas Tochter, hatte in Hamburg gelebt. Sie und ihr Mann waren in die Niederlande mit ihren zwei Kindern geflohen, ein drittes kam dort zur Welt. 1936 starb ihr Mann. Nach der deutschen Besatzung tauchte Gerda mit ihren drei Söhnen unter, zwei wurden jedoch gefasst, nach Auschwitz deportiert und ermordet. Gerda und ihr ältester Sohn konnten überleben.

Ludwig Meyer, auch Lupu genannt und am 10. Juni 1878 wie Helene in Körlin geboren, vermutlich ihr Bruder oder Vetter, - er hatte 1905 den Tod von Julius Brasch gemeldet - wurde noch am 13. Oktober 1944 nach Theresienstadt deportiert. Er starb dort wenige Tage vor Kriegsende am 23. April 1945. Seine nichtjüdische Frau Theresia und sein „halbjüdischer“ Sohn Uri konnten wahrscheinlich überleben.


Biographical Compilation

Recherchen/Text: Micaela Haas

Additional Sources

Stolperstein und Biographie Helene Bloch https://www.berlin.de/ba-charlotten....