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Sophie Wegfraß (born Borger)

Stolperstein für Sophie Wegfraß. Foto: OTFW.
LOCATION
Weitlingstr. 24

DISTRICT
Lichtenberg – Rummelsburg
STONE WAS LAID
11/17/2009

BORN
11/07/1880 in Leitmeritz (Böhmen)/Litoměřice
OCCUPATION
Geschäftsfrau
DEPORTATION
on the 10th of January 1944 to Theresienstadt
SURVIVED
06/13/1957

Sophie Wegfraß kam im böhmischen Leitmeritz (heute: Litoměřice, Tschechische Republik) als eines von fünf Kindern der Eheleute Friedrich und Helene Borger (geborene Popper) zur Welt.

Die erste überlieferte Wegmarke in ihrem Leben zeigt den 21. Mai 1907 als Hochzeitstag mit Arthur Wegfraß an. Ihr Gatte war ein Hamburger Holzimporteur, der schon 1921 unter tragischen Umständen ums Leben kam. Die Eheleute hatten eine gemeinsame Tochter, Herta, die 1909 zur Welt kam. Gemeinsam mit ihrer Mutter erbte sie nach dem Tod des Vaters dessen Betrieb. Mit Beginn der Naziherrschaft wurden beide jedoch aus dem Geschäft gedrängt.

Dies war der Anfang einer zwölfjährigen Drangsal, von der nur wenige Etappen bekannt sind. Sophie Wegfraß war Christin jüdischer Abstammung. Sie war in einer sogenannten privilegierten Mischehe verheiratet gewesen, ihr Mann Arthur galt nach den Kriterien der Nationalsozialisten als „Arier“. Dies bot Sophie und Herta Wegfraß zunächst einen gewissen Schutz. Doch 1938 mussten Mutter und Tochter ihre Neubauwohnung in der Normannenstraße 13a räumen. Zugleich hatten sie schwer mit der „Judenvermögensabgabe“ zu kämpfen und hatten daher Teile ihres Privatbesitzes zu veräußern. Ab August 1940 war es beiden amtlich untersagt, öffentliche Luftschutzräume aufzusuchen.

Am 7. Januar 1944 wurde Sophie Wegfraß in der Weitlingstraße 24 von zwei Beamten der Gestapo festgenommen und drei Tage später über das Sammellager Große Hamburgerstraße mit dem „99. Alterstransport“ nach Theresienstadt deportiert (Häftlingsnummer 14110). Sie überlebte dort bis zur Befreiung. Ihr schlechter Zustand erlaubte aber erst im Spätsommer 1945 eine Rückkehr nach Berlin.

Mit ihrer Tochter Herta, die in den letzten Kriegsmonaten Zwangsarbeit hatte leisten müssen, zog sie in ihre alte Wohnung in der Weitlingstraße 24. Durch die Verfolgung im Dritten Reich hatten beide erhebliche physische und psychische Probleme. Über Ihre Zeit im Konzentrationslager berichtete Sophie Wegfraß: „Die Leiden sind durch die mangelhafte Unterbringung in Theresienstadt (auf dem Boden) ohne Heizung, die ‚Verpflegung‘ und die ständigen Aufre-gungen bei den nächtlichen Abtransporten entstanden. Die Toilettenverhältnisse waren katastrophal. Die Arbeit als Kartoffeltransportier- und Sortiererin fiel mir sehr schwer.“

Noch wenige Monate vor ihrem Tod versuchte Sophie Wegfraß den Status als Opfer des Nationalsozialismus zu erstreiten und stellte unter einer Deckadresse einen Antrag beim West-Berliner Entschädigungsamt. Die Anerkennung wurde ihr verwehrt, obwohl der Antrag in der Sache begründet war. Sophie Wegfraß hatte ihren dauerhaften Wohnsitz in der DDR und es gab damals keinerlei bilaterale Vereinbarungen bezüglich der Entschädigung von NS-Opfern zwischen den beiden deutschen Staaten. Ein Antrag als „Opfer des Faschismus – OdF“ in Ost-Berlin konnte nicht recherchiert werden.

Sophie Wegfraß lebte bis zu ihrem Tod am 13. Juni 1957 in der Weitlingstraße 24.


Biographical Compilation

Dennis Egginger-Gonzalez