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Helene Marwitz (born Pniower)

Stolperstein für Helene Marwitz. Copyright: MTS
Helene Marwitz. Copyright: Daniel Marwitz
LOCATION
Fregestr. 59

DISTRICT
Tempelhof-Schöneberg – Schöneberg
STONE WAS LAID
09/05/2012

BORN
09/04/1875 in Breslau (Schlesien) / Wrocław
DEPORTATION
on the 26th of October 1942 to Riga
MURDERED
10/29/1942 in Riga

Helene Pniower wurde am 4. September 1875 in Breslau (heute: Wrocław / Polen) als zweite Tochter des späteren Berliner Amtsgerichtsrates Fedor Moritz Pniower (geb. 1839 in Breslau) und seiner Frau Ida, geb. Abel (geb. 1847 in Stargard, heute: Szczeciński / Polen), geboren. Sie hatte noch eine ältere Schwester, Marie (geb. 1971), und zwei jüngere Geschwister, Franz Moritz (geb. 1877) und Anna (geb. 1879). Die Eltern hatten sich bereits vor der Eheschließung 1870 protestantisch taufen lassen. Helene Pniower heiratete den Rechtsanwalt Dr. Bruno Marwitz (1870–1939), ihre ältere Schwester Marie seinen Bruder, den späteren Senatspräsidenten Dr. Willi Marwitz (1857–1930).

Helene Marwitz bekam drei Kinder: 1900 Berta Hildegard, 1901 Elisabeth und 1906 Alfred. Seit 1901 lebte die Familie in einem eigens für die Bedürfnisse der Familie errichteten Haus, in dem der Familienvater sich auch zu wissenschaftlichen Ausarbeitungen zurückziehen konnte. 1920–1935 war die Tochter Elisabeth, von Beruf Herrenschneiderin und Wirtschafterin, mit dem Witwer ihrer 1918 verstorbenen Kusine Edith Marwitz verheiratet, versorgte den 1915 geborenen Neffen, bekam 1921 den Sohn Klaus-Dieter und 1923 die Tochter Maidi. Helene Marwitz’ Ehemann Bruno engagierte sich politisch bei den Liberalen, der Deutschen Demokratischen Partei, die sich 1930 in Deutsche Staatspartei umbenannte.

Als Bruno Marwitz am 23. November 1939 starb, hatte er seit sechs Jahren nicht mehr als Anwalt praktizieren dürfen. Berta Hildegard und Alfred waren noch kurz vor Kriegsbeginn emigriert. Seit 1938 lebte Henriette Mendelsohn, geb. Strauss, nach dem Tod ihres Mannes, eines erfolgreichen HNO-Arztes, mit im Haus. Außerdem lebten hier Helene Marwitz’ verwitwete jüngere Schwester Anna Faitini mit ihrer Tochter Camilla und die gemeinsame Mutter Ida. 1941 besorgte eine in den Vereinigten Staaten lebende Nichte zwei Affidavits für die verwitweten Tanten Helene und Marie Marwitz; trotz Einzahlung der Sicherheit kam die Auswanderung nicht mehr zustande. Helene Marwitz wurde im Herbst 1941 gezwungen, das Grundstück mit Haus zu verkaufen, im März 1942 zog sie mit ihrer Schwester Anna Faitini in die Meraner Straße 2. Der Tochter Elisabeth gelang im Herbst 1942 mit der Enkeltochter Maidi die Flucht in die Schweiz; Helene Marwitz wollte ihrer Tochter folgen, wurde jedoch an der Grenze gefasst und nach Berlin zurückgebracht.

Am 26. Oktober 1942 startete vom Sammellager in der ehemaligen Synagoge Levetzowstraße 7–8 über den Güterbahnhof Moabit-Putlitzbrücke ein Transport mit 798 Menschen, unter ihnen Helene Marwitz. Bei der Ankunft am 29. Oktober wurden alle, auch die 55 Kinder, in den Wäldern ermordet. Auch befanden sich in diesem Transport 204 Angestellte der Jüdischen Gemeinde. Helenes ältere Schwester Marie starb im Alter von 73 Jahren am 2. Juli 1944 in Theresienstadt. Der jüngere Bruder Franz und seine Frau Gertrud, geb. Hirschfeld, wurden am 28. März 1942 mit 985 anderen Menschen nach Piaski deportiert. Nach der Ankunft am 30. März führten die Züge weiter in das gerade neu errichtete Vernichtungslager Belzec, in dem im Rahmen der „Aktion Reinhardt“ bis Dezember 1942 434.508 Menschen ermordet wurden.

Seit 3. November 2010 liegt bereits ein Stolperstein für die Schwester Marie Marwitz an ihrem letzten Wohnort in der Steglitzer Albrechtstraße 59a. Am 5. September 2012 wurden vor dem Haus Fregestraße 59 von einer Anwohnerin Stolpersteine für Helene Marwitz und Henriette Mendelsohn verlegt. Mendelsohn war die Witwe eines mit der Familie befreundeten HNO-Arztes, die 1938–1942 mit im Haus wohnte und 1942 nach Theresienstadt deportiert wurde.

Die Nachkommen von Helene Marwitz' Sohn Alfred leben heute alle in Israel.


Biographical Compilation

Christl Wickert/Hannelore Emmerich