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Hermann Wolfgang Ludwig Salinger

Stolperstein für Hermann Salinger, Foto: Stolpersteine-Initiative CW, H.j. Hupka, 201515
LOCATION
Seesener Straße 14

DISTRICT
Charlottenburg-Wilmersdorf – Halensee

BORN
04/03/1903 in Berlin
ESCAPE
1939 Belgien
INTERNIERT
in Drancy
DEPORTATION
on the 28th of August 1942 from Drancy to Auschwitz
MURDERED
09/02/1942 in Auschwitz

Hermann Wolfgang Ludwig Salinger wurde am 3. April 1903 in Charlottenburg geboren. Seine Eltern waren Hugo und Minna Salinger. Der Vater starb am 1. November 1937 in München, die Mutter wurde am 19. März 1943 in Auschwitz ums Leben gebracht. Zu den familiären Verhältnissen siehe bei der Mutter Minna Salinger.

Von 1903 bis 1914 wohnte er in Charlottenburg bei den Eltern. Von 1915 bis 1939 lebte er in München, dort bis Oktober 1937, kurz vor dem Tod des Vaters. 1915 war er in die Klasse IIIb der Maria-Theresia-Kreisrealschule München gekommen. Von 1937 bis 31.7.1939 wohnte er nach Auflösung der gemeinsamen Wohnung mit den Eltern in der Robert-Koch-Straße 7 zur Miete bei Krochmal.

Nach 1921/22 nahm Hermann Salinger ein Studium in Göttingen und Köln auf. Möglicherweise wohnte er zeitweise in Düsseldorf. Vor 1926 kehrte er nach München zurück und machte den Abschluss als Diplom-Volkswirt. Er wurde Vertreter für Versicherungen bei Agrippina (Transport, Leben, Unfall, Krankenfall). Parallel dazu machte er eine Ausbildung in Geige und Bratsche bei Felix Berber (1871-1930), Professor an der Akademie in München.

Nach 1926 war er dann nur noch musikalisch tätig als Kapellmeister und Lehrer. Ende 1938/Anfang 1939 bemühte er sich um Ausreise in die USA, nach England oder nach Brüssel. Am 30. Januar 1939 besuchte Hermann Salinger in München das Ehepaar Annemarie und Rudolph Cohen, die zusammen mit den Quäkern für Münchener Juden Hilfen, z.B. Ausreisen nach England, ermöglichen wollten. Übrigens war Hermann Salinger zu diesem Zeitpunkt nicht in der Jüdischen Gemeinde München gemeldet.

Hermann Salinger bereitete zum Zeitpunkt des Besuches eine Emigration in die USA vor; jedenfalls war er beim Stuttgarter US-Generalkonsulat unter der Warteziffer Nr. 31878 registriert – eine hohe Nummer mit entsprechend langer Wartezeit. Weiterhin war eine Ausreise nach England in Vorbereitung und Hermann Salinger hatte an „Woburn House [in London] vor 14 Tagen (ca. Mitte Januar 1939) geschrieben wegen der weißen Karte“. Auch war eine Emigration nach Brüssel in Planung, die schließlich realisiert wurde. Zu den Eheleuten Cohen geschickt wurde Hermann Salinger von Dr. Cläre Schmidt-Noerr, Schauspielerin, Erzählerin und Übersetzerin. Bereits der ältesten Schwester Elisabeth und deren Ehemann gelang 1933 mit Hilfe der Quäker die Flucht nach England.

Vom 1.6.-31.7.1939 hielt er sich in Berlin auf, wahrscheinlich wohnte er bei der Mutter Minna Salinger, geb. Friedlaender, in der Seesener Str. 14. Vermutlich war er beim Umzug der Mutter in die Windscheidstraße 37 längst emigriert.

Am 1. August 1939 wanderte er ab Berlin nach Brüssel aus. Diese Emigration war für Hermann Salinger bereits vor dem 30.1.1939 „wahrscheinlich“. Geplant war damals ein Unterschlupf bei Prof. Peter Pringsheim (1881-1963), dem Schwager von Thomas Mann. Pringsheim, Physiker und Chemiker, war von 1933 bis 1940 Professor in Brüssel. Schon Ende Januar 1939 plante Hermann Salinger, seine Geige vorab „durch [eine] Arierin“ zu Pringsheim zu schicken.

1942 war Hermann Salinger kurze Zeit im Durchgangslager Drancy nördlich von Paris eingesperrt. Ab dem 18.5.1940 war Brüssel von den Nationalsozialisten besetzt und damit für Hermann Salinger nur noch ein Leben im Verborgenen möglich. Wann er zwischen 18.5.1940 und 28.8.1942 von den Nationalsozialisten gefasst wurde, ist unbekannt. Jeden-falls ist er am 28. August 1942 aus Drancy nach Au¬schwitz deportiert worden. Am 2. September kam er dort an.

Von den 1000 Deportierten dieses Konvois, darunter 285 Kinder, wurden nach der Selektion 929 oder 961 Menschen unmittelbar von der Rampe Birkenau in die Gaskammern geschickt; von den restlichen Menschen überlebten nur acht das NS-Regime. Am 2. September 1942, also ein gutes halbes Jahr vor seiner 74 Jahre alten Mutter, ist Hermann Salinger im Alter von 39 Jahren in Auschwitz umgebracht worden.

Max Marcus Friedlaender war wahrscheinlich ein Bruder von Minna Salinger geb. Friedlaender. Geboren wurde er am 23. April 1878 wie Minna Friedlaender in Lötzen in Ostpreußen. Verheiratet war er mit Sabine geb. Friedländer [sic!], die am 26. Dezember 1876 in Berlin geboren wurde. Er war Maschinenbau-Ingenieur und Inhaber des Ingenieurbüros Hermann Münster. Sie wohnten in der Windscheidstraße 37, wo Minna Salinger Unter-schlupf fand, nachdem sie aus der Seesener Straße 14 vertrieben worden war und bevor sie deportiert wurde. Max Marcus und Sabine Friedlaender sind 1943 in Auschwitz ermordet worden.


Wolfgang Schuller, der Enkel von Minna Salinger und Neffe von Hermann Salinger, hielt nach der Verlegung der beiden Stolpersteine eine Ansprache, die in der eingestellten PDF-Datei dokumentiert ist (bitte anklicken):

Biographical Compilation

Dieter Fauth (Wertheim)